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Ivo Donev

Mein letzte Blog – herzlichen Dank und auf Wiedersehen!

Ivo Donev, 29.05.2012

Hallo liebe Leser,

die Zeit ist so schnell verflogen, nach genau zwei Jahren Zusammenarbeit mit meinem Sponsor win2day ist mein Vertrag per Ende Mai 2012 nun ausgelaufen und somit ist nun auch mein Blog und mein win2day Aces Status beendet.

Hiermit möchte ich mich bei win2day für die Zusammenarbeit bedanken und natürlich auch für die Unterstützung bei mehreren CAPT-Turnieren. Es hat mir großen Spaß gemacht, bei vielen Sonntags-Turnieren auf win2day zu spielen und für euch meinen Blog fleißig zu pflegen.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen einen Leckerbissen auf höchstem Niveau vorstellen. Weil ich sehr viele Pokerfilme geschaut habe, hier zum beliebtesten NL-Thema "Bluff", zwei Beispiele auf höchster Ebene!
a) Vor dem Flop, Benny Spindler gegen Foltyn beim EPT London Ses. 8 macht ein fantastische 7 Bet Shove mit KJ off!!!
http://www.youtube.com/watch?v=22KrMTCC1yA
b) Nach dem Flop, ähnliche Spielweise, Phil Ivey gegen Paul Jackson beim Monte Carlo Millions 2005, aber nach dem Flop mit Dame hoch:
http://www.youtube.com/watch?v=--Qap3VT_ZY
Die Pokergeschichte kennt viele solche Beispiele, nur muss ich sagen, dass so ein "Hochschul-Bluff" auf dem Video einfach aussieht, es aber sehr schwer ist, disen auf dem Tisch erfolgreich durchzubringen!
Natürlich gehen auch viele Bluffs in die Hose. Hier noch ein Beispiel, wo der "Bluff Spaß" sehr teuer werden kann und sogar das Turnierleben von p ivey gekostet hat:
c) Phil Ivey versucht mit Dame hoch sein Gegner zu verscheuchen.
Interessant ist, wie gut er seine Geschichte mit Qs 7h verkaufen will: Raise 8000 vor dem Flop, Bet 15 000 nach dem Flop, Bet 40 000 nach dem Turn und All in für 97 500 am River!!!
http://www.youtube.com/watch?v=FHed3Xrlxn4&feature=related

Im Juni fliege ich wie jedes Jahr nach las Vegas, dieses mal allerdings nicht mit Condor von Frankfurt aus, sondern mit den ganz neuen Linien Flug Air Berlin ab Düsseldorf - Las Vegas. Dort werde ich mehrere Deep Stack NL Turniere (in Venetian, Caesars Palace...) und einige HORSE, WSOP und andere Limit Turniere spielen.

Wenn es gut läuft werde ich auch das 10k Main Event spielen, darum habe ich mein Rückflug Datum offen gelassen.

Liebe Leser, es liegt mir sehr am Herzen, mich bei Ihnen nochmals zu bedanken. Es gab viele aufmerksame Leser, viele Kritiken und noch mehr Anregungen. Das hat Ihnen und natürlich auch mir sehr geholfen. Also: Ganz herzlichen Dank!
Man sieht sich am grünen Filz. Alles Gute und auf Wiedersehen!

Euer Ivo,, The Chessmaster"


Ivo Donev

Mein vorletzter Blog ist da!

Ivo Donev, 20.5.2012

Hallo liebe Leser,

nach etwa zwei Jahren bloggen bei „Hochgepokert“ und „win2day“ ist nun der Zeitpunkt gekommen, wo ich meine Zeit als Blogger beenden werde. Also es gibt noch einen Blog bis Ende Mai. Ich muss sagen, dass diese geistige Arbeit – meine Hände mit anderen guten Spieler zu kommentieren, detailliert zu analysieren, viele Gedanken über Turnierverläufe zu machen und so fort - mir viel geholfen hat, meine Entwicklung als Turnierspieler und im Poker überhabt zu fördern.
Darum möchte ich allen meinen Lesern Dank aussprechen, dass sie mich motiviert haben, mich in meine Blogs zu vertiefen.

GCOP Rozvadov-Anatomie einer Hand
Vor etwa einem Jahr hatte ich dieses Turnier Poker Paradise in Mitteleuropa entdeckt. Die regelmäßigen großen GCOP Turniere haben eine gute Struktur mit fetten und garantierten Preispools. Deshalb durfte ich im Mai diese Turnier-Schokolade natürlich nicht verpassen.
13. Mai, ich spiele Tag 1 A beim 1600€ buy in GCOP in Rozvadov. Es lief Level 8 (250-500+50). Ich hatte etwa 140 000 und war zu diesem Zeitpunkt Chipleader.
Alle foldeten bis zu mir am Button, ich fand AK und raiste bescheiden auf 1100. Der SB glaubte schnell meine Geschichte, dass ich stark war, aber der Lokalmatador Martin Ditrich verteidigt seinen Big Blind und zahlte nach. Flop: Ad Kd Dc, na wunderbar, dachte ich, Martin checkte brav zu dem Aggressor und ich setzte meine Offensive fort, also Bet 2000. Es ist überflüssig zu erklären, dass bei einem solchen Bord es sehr gefährlich ist, slowplay zu spielen und eine freie Karte zu geben, jedes Karo, jeder Bube oder jede Zehn sind eine potentielle Drohung eine bessere Figur als meine Top 2 Paare zu machen. Wenn ich Top 2 Paare in Heads-up habe, will ich meistens Action von meinem Gegner. Als ob Martin meine Wünsche lesen könnte, machte er ein Mini-Raise auf 4000! Was bedeutete ein solches Mini-Raise? Ich begann nachzudenken. Im Poker ist die Bedeutung eines Zuges von vielen Faktoren abhängig wie beispielsweise von der Stack-Grösse beider Spieler, vom Table Image, von der Turnierphase und vieles mehr.
Beginnen wir jetzt zu analysieren, welche möglichen Hände er haben könnte:
a) J T- für Straße: Viele Spieler machen mit Nuts ein Mini-Raise, um den Gegner leichter in die Falle zu locken. Ich habe aber auch schon oft Mini-Raises auf hohem Niveau zwischen guten Pokerspielern gesehen, die nicht unbedingt Nuts bedeuteten.
b) Paar Damen mit Flusch Draw wie Qd Jd oder Qd Td oder Td 9d. Alle diese Hände sind ziemlich starke Drawing-Hände
c) Zwei Paare: A Q,K Q
d) AA, KK, QQ – wobei er vermutlich vor dem Flop mit so starken Händen out off Position gegen ein großes Stack geraist hätte.

Ich fragte nach, wie viele Chips Martin hatte, es waren 32 000 total, also etwas weniger als ein Viertel meines Stacks. In solchen Situationen, denke ich, ist es am besten, zu reraisen all-in, falls ich ihm eine Draw Hand gebe, oder zu folden, falls ich ihm Straße gebe. Wenn ich reraise all-in, wüde ich alle Draw-Hände in Schwierigkeiten bringen. Und wenn er wirklich JT hätte, hatte ich vier Outs, und dieser Spaß kostete mir weniger als ¼ von meinem Stack! So schob ich Reraise auf 32 000 und Martin snapp callte. Jetzt war mir klar, dass er JT hatte, nur Poker Fortuna könnte mir helfen. Turn J River K. „Sorry Martin.“ Schlussendlich habe ich Tag 1A als Chipleader mit 173 000 beendet.

Tag 2
Meine Erste Hand. Ich bin im Big Blind (400-800+100) mit einem Paar 44, der UTG, ein Shorti, pushte für 16 000 All-in. Nach ihm ein Tscheche mit etwa 70 000 Stack callte nur, alle foldeten zu mir, und ich dachte nach, was ich tun sollte – Fold oder Call? Wenn ich callte brauchte ich unbedingt ein Set (Set treffe ich in 1 von 8 Flops), weil fast sicher einer von beiden ein großes Paar hatte, außerdem waren die Implied Odds nicht hervorragend, der Tscheche hatte nur 70 k übrig. Also war hier klar ein Fold die bessere Entscheidung. Ich foldete und auf dem Board erscheinen 4c 8s 9h 2d Ad . Der UTG Shorti zeigt AQ und der Tscheche KK. In diesem Moment dachte ich, wie typisch für einen Pokerspieler: Wenn ich falsch gespielt hätte und vor dem Flop gecallt hätte, wäre ein riesiger Pot zu mir gewandert. Na ja, Poker ist ein Situationsspiel, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen, und nach dem Spiel ist oft klar, wie man optimal spielen hätte können.

Irgendwie habe ich an Tag 2 nicht meine beste Leistung gebracht und wurde bald short Stack. Als mein Stack etwa 70 000 war, hatte ich eine Raise-Schlacht mit dem Chipleader Zohar begonnen. Bei einem Board 2h 3h Qh 4h hatten wir mehrere Male geraist, und am Schluss hatte er mich nach langer Überlegung All-in gespielt. Ich foldete, und er zeigte mir stolz Ts 8c für den totalen Bluff. Es versteht sich von selbst, dass Zohar in diesem Moment etwa 5-6-mal mehr Chips als ich hatte und sich deshalb einen solchen „Bluff – Luxus“ auf hoher Ebene locker leisten konnte. Leider hatte ich diese Situation falsch eingeschätzt und war nach dieser Hand nur mit etwa 30 000 (10 BB) geblieben. Bald bekam ich eine supergute Hand J J und hatte All-in gespielt. Der Big Blind wartete aber mit ein paar Damen auf, und somit war ich kurz vor dem Preisgeld ausgeschieden. Immer noch mache ich mir Gedanken und Vorwürfe darüber, wie ich als Top 5 beim Chiprang an Tag zwei nicht einmal in das Preisgeld gelangen konnte. Es ist absolut sicher, dass ich einige Fehler gemacht hatte und zu zurückhaltend und zu vorsichtig gespielt hatte. Und somit hatte sich die alte Regel bewiesen: Wer bei der großen Blind-Steigerung zu tight spielt ist selber schuld!

Win2day Hand des Tages- Satellite für WSOP Main Event
Ich finde es wunderbar, dass win2day die Möglichkeit gibt, sich durch 55€ buy-in im Sattelite für das WSOP 10 000$ Buy-in zu qualifizieren. Und wie geplant war ich am Abend am 6. Mai Sonntag voll mit Hoffnung vor dem Computer gesessen, um dieses einmalige Sattelite zu spielen. Ich hatte 2 rebuys und 1 add on (je 50€) profitabel gemacht und von den gestarteten 10 000 chips auf 152 699 aufgebaut. Hier die Schlüsselhand, die für mich entscheidend war.

Wir spielten im Level 14, wo die Blinds 1250/2500 +Ante250 waren. Der UTG-Spieler raiste auf 6625, alle foldeten bis zu mir am Button. Ich fand KK - King Kong. Logischerweise möchte ich gerne noch mehr mein Stack aufzubauen und erhöhte vernünftig auf 16125.

Dieser Zug hatte zwei Ziele:
a) Mit einer starken Hand einen großen Pot aufzubauen
b) Den Initial-Raiser zu isolieren und im Heads Up in Position zu landen

Hinter mir der Small Blind "Nissimaus“ auf Platz 1, der auch ein großes Stack hatte, callte. Der Big Blind und der UTG-Raiser rochen den Braten und verschwanden sofort von dem Schlachtfeld. Somit hatte ich teilweise meinen Plan erfüllt. Ich war im Heads-up in Position gelandet und zwar nicht gegen den UTG-Raiser sondern gegen den Small Blind, der sogar ein Riesen-Stack wie ich hatte. Zuerst dachte ich, was für eine Hand er wohl haben könnte, um so ein großes Reraise vor dem Flop out off Position zu zahlen. Im normalen Fall gab ich ihm ein Range von Händen wie ein großes Paare TT+ AK oder AQ.
Der Flop Q 9 8. Der brave "Nissimaus“ checkte zu mir. Im Pot lagen über 43 000 und ich hatte großen Appetit auf diese Chips! Um meinen Plan schnell zu erledigen schoss ich ein kräftiges Conti-bet, etwa 2/3 der Potgröße aus folgenden Gründen hinein:

a) Ich gebe keine freie Karte mit meinem Overpaar, weil jedes Herz, jede 10 oder ein J könnten einer Drawhand helfen.
b) Falls mein Gegner AQ, JJ oder TT hätte, kostete es ihm ziemlich viele Chips, die Turn Karte zu sehen


Mein Gegner aber hatte eine andere Meinung über diesen Flop gehabt. Plötzlich schob er All-in für 114.546. Wow! Was nun? Hatte er AQ, QQ oder Flush Draw? Das wären die logischen Hände, die er haben könnte! Wenn das mir im Live Turnier passiert wäre, hätte ich ernsthaft ein Fold überlegt. Aber online? Nein im online Poker wird loose gespielt und die eigenen Hände oft überschätzt, dazu die Bluffs und Semi-Bluffs, die viel öfters vorkamen. Warum ist das so? Der Grund liegt auf der Hand. Erstens sind fast alle Spieler anonym, und niemand wird ausgelacht, wenn er irgendwelchen Blödsinn macht. Zweitens sind die Buy-ins bei den Online-Turnieren viel kleiner als bei den Liveturnieren. Die meisten von den Leuten spüren nicht den Wert des virtuellen Geldes!
Also machte ich den Call, und "NissiMaus“ drehte um Qc 9s für gefloppte zwei Paare! Mit meiner Analyse lag ich total daneben, weil ich ihm nie im Traum Q 9 offsuited gegeben hätte!

Keine Hilfe am Turn und River und der neue Chip Leader des Turniers zu diesem Zeitpunkt war geboren: "NissiMaus“.
Jetzt kommt die Frage auf, wie man out off Position mit so einer schwache Hand wie Qc 9s ein Raise und Reraise für etwa 12% von eigenem Stack bezahlen kann? Es ist sicher, dass einer von den beiden Spielern dominieren Q 9 und was macht "Nissimaus“, wenn der UTG-Spieler nochmals reraiste?
Ich glaube, dass so ein Call mit Q9 in Liveturnieren ganz selten passiert, aber online? Es ist eine tägliche scharfe Suppe, die viele Spieler schlucken müssen!
Nach dieser Hand wurde ich extrem short und war kurz vor dem Geld ausgeschieden.

Euer Ivo ,,The Chessmaster" Donev


Ivo Donev

Marc "The Poker Architekt" Gork - mein persönlicher WPT Killer - Fortsetzung

Ivo Donev, 3.5.2012

Hallo liebe neugierige Pokerfreunde,

es macht mir große Freude, meine Hände zu analysieren und mir tagelang Gedanken über verschiedenste Pokersituationen zu machen. Ich bin überzeugt, dass diese Arbeit EIN SEHR WICHTIGER Punkt ist, um Fortschritte im Poker zu erreichen!

Hier die Fortsetzung zum WPT Main Event:
Es lief Level 2(75/150) und alle am Tisch hatten immer noch ungefähr einen Stack von 30 000. Marc Gork, der Poker Architekt, baute geduldig seine Brücke und raiste UTG ganz minimal auf 300. Alle foldeten zu mir, am Button fand ich zwei Essiggurken, so nenne ich ein Baby Paar 33, in meinen Händen. Reraise kam nicht in Frage, da ich mit dem kleinen Paar lieber Action nach dem Flop haben wollte, falls ich gut treffen sollte, als davor, wo ich maximal einen coin Flip hätte. Also callte ich. Die Blinds hatten offensichtlich dieses Raise als "Monster" angesehen und foldeten sofort. Der Flop war perfekt mit Qd 9c 3h. Mark machte mit 500 ein Standard Contibet bei einer Potgrösse von 825. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte ich zu diesem Zeitpunkt die beste Hand mit Position. Also versuchte ich, mit dieser Bombe einen guten Pot zu kreieren, somit callte ich diesen Bet, um zu einem späteren Zeitpunkt zu raisen. Gedacht getan. Turn 2d, Mark hatte die Lunte noch nicht gerochen und setzte offensive 1000. So, jetzt wurde es aber langsam gefährlich, und ich beschloss, das Slowplay zu beenden, da es viele gefährliche Karten, die mir am River das Leben hätten schwer machen können, gab. Auf der einen Seite hatte ich ein wenig Angst vor dem River, auf der anderen Seite wollte ich ihn unbedingt im Spiel behalten, ein gefloppter Drilling ist ja schon stark. So raiste ich auf 2800. Marc callte sofort ohne irgendeinen Gedanken zu verschwenden.

Und da kam dieser River, den ich auf keinen Fall sehen wollte: Jd, also eine der wenigen Karten, die sowohl eine Straße als auch ein Flush vervollständigen konnten!!! Mark wollte 3500, um den Showdown zu sehen. Obwohl ich mich jetzt fast geschlagen fühlte, callte ich mit einem großen Seufzer. Man muss beachten, dass im Pot schon fast 11.000 lagen und es sehr schwer ist, gegen einen so loosen und aggressiven Gegner das Set am River zu folden. Er zeigte 8d 9d und so durfte ich mir dann den backdoor Flush anschauen. Das war also die erste große Portion, die von meinem Stack Richtung Mark geschoben wurde, und das in Level 2. Später in der Pause hatte ich mit meinen amerikanischen Pokerfreunden Jeff Sarwer (Ex Chess Pro) und Faraz Jaka diese Hand kurz besprochen und Sie bestätigten, dass diese Hand von mir ganz ok gespielt worden war und Sie genau so viele Chips verloren hätten. Man muss auch zugestehen, obwohl Mark eine gewisse Portion Glück hatte, hatte er diese Hand auch ziemlich raffiniert gespielt.

Level 5 150/300+25, ich war im Big Blind, aber leider sehr short mit ca. 9000. Alle foldeten bis zu Julian Herold, der zu diesem Zeitpunkt Big Stack war, er hatte ja ca. den 6–7 fachen Stack von mir, und er attackierte mich vom Small Blind mit einem Raise auf 700. Ich fand J 8 und dachte, dass ein Call das Beste in dieser Situation sei:
a) Die Pot Odds – 400 für 1225, also mehr als 3 zu 1
b) Position auf ihn während der ganzen Hand
c) Mathematisch hatte J 8 in der battle of blinds, also gegen irgendwelche gegnerischen Hände im Heads up, um die 50% Gewinnerwartung, wobei das mehr Gültigkeit hatte, wenn J 8 im sb ist, weil diese Position ja zuerst spricht.

Der Flop mit A 8 2 Rainbow war gar nicht so übel. Mittelpaar in Position war somit für mein armes Stack richtiges `Futter`!
Es folgte ein Conti Bet von 600. Da dieses Ass am Bord nicht wirklich förderlich war - machte das Raisen in dieser Situation keinen Sinn und somit callte ich ganz entspannt. Turn 6, und er setzte seine aggressive Setzweise mit 1200 fort. Plötzlich verschwand die Sonne und es zogen dunkle Wolken über mein Stack. Sein zweiter Bet könnte Stärke oder einen Bluff bedeuten. Aus den oben genannten Gründen entschied ich mich hier auch für das callen.
Der River brachte 5.
Jetzt setzte er wie ein Killer 2500 und offenbarte mir eine Geschichte, dass er mich wie eine Zitrone auspressen würde, oder ich ganz einfach "raus aus dieser Hand" müsse! Eigentlich klang es ganz logisch, dass er die bessere Hand hatte, Raise vor dem Flop und dann allmählich steigende Schüsse auf mein Stack! Also Luft oder Monster. Ich callte und Julian sagte "guter Call, ich habe König hoch" und öffnete K7, ich meinerseits J8, sammelte die wertvollen Chips, die für mich wie lebenswichtige Vitamine waren, ein. Für Julian hingegen war der Verlust von 5000 so bedeutend, als hätte ihn eine Mücke gestochen. Trotzdem musste ich zugeben, dass Julian (einer der besten deutschen Spieler momentan!) diese Hand sehr gut gespielt hatte und mich fast zum Folden brachte.
Trotz schlechter Karten und schlechter Tisch-Konstellation hatte ich meine Zähne zusammen gebissen und lauerte wie ein hungriger Tiger stundenlang auf Beute. So vergingen einige weitere Level und mein Stack schmolz bis auf etwa 7400.

Es lief Level 8 (300/600+75), und mein alter Kumpel Marc Gork (zu diesem Zeitpunkt mit ziemlich großem Stack) raiste sehr oft aus früher Position (UTG+1) auf 1200. Alle foldeten bis zu mir am cut-off, und ich fand Ah Kh. Es war selbstverständlich, dass meine Chips schnell in die Mitte wanderten.
Alle foldeten bis zu Marc, dieser begann zu grübeln. Nach langer Überlegung brachte er die notwendige Kohle mit K T, um den Bord zu sehen: K 5 9 5 und….5 Autsch! Split Pot.

Ok, trotz der unguten River-Karte konnte ich etwa 800 Chips dazu gewinnen, mein Stack war jetzt etwa 8200. Genau in der nächste Hand war Marc UTG und raiste wieder auf 1200. Wieder foldeten alle zu mir in späterer Position, und der Osterhase brachte mir "zwei Karotten" - 8d 9d. Ich bot ihm "all you can eat“ für 8200 und alle foldeten zu Mark. Dieses Mal callte Marc sekundenschnell und öffnete stolz wieder… Ks Ts, diesmal aber suitet. Mich hatte dieser instant Call sehr verwundert! Ich dachte, dass er diesmal sicher folden würde, außer er hielt eine Monster Hand, weil:
a) ich war gezwungen, als short Stack tight zu reraisen
b) genau eine Hand vorher hatte ich gegen ihn diesen Zug gemacht und er hatte Ah Kh gesehen, also logischerweise musste er erwarten, dass ich ihn wieder mit einer besseren Hand als KT reraisen würde!

Leider war der Flop gnadenlos, niemand hatte etwas getroffen und laut der Poker Regeln hatte King high gegen 9 high gewonnen.

Fazit: Als short Stack ist es nur eine Frage der Zeit, wann du von einer besseren oder sogar schlechteren Hand vernichtet wirst. Darum hat heutzutage ein tightes, solides Spiel kaum noch Chancen im Turnier! Poker ist ein sehr harter Job, besonders dann, wenn man nur aus Turnier-Poker am Ende jeden Jahres positive Ergebnisse haben muss.

Das war meine letzte Hand bei dieser WPT, am nächsten Tag bin ich abgereist! Die Kopfschmerzen waren vorbei und ich hatte mir schon positive Gedanken über das kommende Turnier gemacht.

Ich habe meine Las Vegas WSOP Reise gebucht und bin ab Miete Juni bei der größten Poker Show live dabei. Als super Gelegenheit, mich für das Main Event zu qualifizieren, werde ich unbedingt das WSOP Sattelite am 6. Mai um 20h bei Win2day um sage und schreibe nur 55€ buy in (max 5 Rebuys und super struktur!) spielen!

Euer Ivo ,,The Chessmaster"


Ivo Donev

WPT Wien und Sam - der unberechenbare Poker Spieler!

Ivo Donev, 20.4.2012

Hallo Poker Liebhaber,

Wien hat sich schon lange als Pokerzentrum in Europa etabliert, aber wenn hier die WPT läuft, ist die Action noch größer. Viele Weltklassepokerspieler erschienen, sodass der fleißige Fotograf Götz Schräge es kaum schaffte, von allen ein Foto zu schießen. Wie geplant reiste ich einige Tage vor der WPT an, um mich aufzuwärmen und zwei kleine Turniere zu spielen. Beim Ersten, 340€ Buy-in und 200 000 garantiert, habe ich bis Level 11 überlebt, und schlussendlich hat mich Fabio Breitfuß vom Tisch genommen, der meine Chips dann auch erfolgreich verwaltete, und am Ende das Turnier sogar gewonnen hat!

Beim Zweiten Turnier mit € 550 Buy-in (12 000 Start Chips und 40 min. Level) bekam ich zu Beginn einen interessanten Tisch, mit vielen unbekannten jungen Spielern, die aber sehr viel Action machten. An so einen heißen Tisch musste ich meine Spielweise anpassen und etwas zurückhaltend spielen. Auf Platz drei saß aber ein besonderer Vogel, ein bekannter Schweizer, Sam El Sayed (ursprünglich aus dem Libanon).Er hat im Jahr 2010 die WPT Amneville in Frankreich gewonnen und ist sehr schwer zu lesen, oder besser gesagt: absolut unberechenbar! Hier eine sehr interessante Hand von Level 2 (50-100). UTG ein Shortstack pusht All-in für 350, ich bin der Nächste, und finde Pocket 9. Ich will im Heads-up mit ihm bleiben. Mein Preis, 950, hat alle bis zum small Blind Sam El Sayed in die Flucht getrieben. Sam callte lässig, und der Big Blind foldete brav. An diesem Punkt muss ich mehr über Sam erzählen. Weil ich regelmäßig viele große Turniere in Europa spiele, treffe ich oft die gleichen Gegner, und ich finde es nützlich, wenn man mehr über diese Stammgegner weiss. Mein Kopf ist wie ein Computer mit einer großen Datenbank, ich speichere viele Hände, viele Tells, und alles was am Tisch passiert. Ich finde es auch gut, viel über die Gewohnheiten meiner Gegner zu wissen, auch über solche, die nicht nur am Tisch passieren.

Sam ist ein Spielliebhaber, der super Turnier Ergebnisse hat http://pokerdb.thehendonmob.com/player.php?a=r&n=72776, aber trotzdem ein chronischer Gambler ist! Ich sah ihn sehr oft wild Omaha Pot Limit spielen, sowie Roulette, Black Jack, und andere Casinospiele. Er hat also das Gamblern im Blut.
Jetzt zurück zu der Hand. Also ich spiele mit Sam in Position, und wir sehen zu dritt den Flop 3s5s7s.
Zu bemerken ist noch, der dritte Spieler war All-in, und es gab momentan keinen Sidepot. Sam checkt und ich feuere eine Contibet 1350 mit meinem Overpaar. Er callt. Jetzt gab es einen 2700 Side Pot. Der Turn brachte 7d und Sam feuert plötzlich 3000. Das hat mich etwas beunruhigt, aber ich calle mit dem Gefühl , immer noch vorne zu liegen. Der River 8c. Sam schießt wie aus einer Pistole für 9000 All-in. Wow. Was nun?

Was gegen einen Call spricht:
a)Ein Spieler war All-in, und falls Sam bluffte, könnten alle seine Hand sehen, weil der Showdown unvermeidlich war.
b)Es war sehr früh für so einen verrückten Bluff, erst Anfang des Turniers – Level 2
c)Ich habe mit großer Mühe meinen Stack fast verdoppelt, und wenn ich jetzt calle, würde ich etwa die Hälfte meines Stacks riskieren!
d)Es gibt viele Hände die mein Paar 9 schlagen.

Was für einen Call spricht:
a)Das Image von Sam war extrem loose, und es wäre gut möglich, dass er so einen verrückten Bluff durchzieht.
b)Ich hatte in diesem Moment ein Overpair, was gegen einen loosen Gegner positive Erwartung hat.

Nach lange hin und her kam ich zur Schlussfolgerung, dass es eher wahrscheinlich ist, dass Sam ein großes Paar slow gespielt oder den Flop gut getroffen hat, und foldete ungern meine Hand. Sam sprang vom Stuhl und schlug seine zwei Karten offen auf den Tisch: "Kh 2s"!!!
Also ein totaler Bluff! Er sammelte stolz den Side Pot ein. Für den Haupt Pot hat sein König hoch nicht gereicht, denn der All-in Spieler konnte ein Pocket 4 vorweisen!
Nach dem Spiel machte ich mir lange Gedanken darüber, warum Sam schon in Level 2 so risikoreich sein ganzes Turnierleben riskiert. Schlussendlich hat er ja diesen Pot gewonnen, und die Situation also richtig eingeschätzt! Das alte Sprichwort: Die Gewinner haben meistens Recht! Was meinen Sie, liebe Leser, dazu?
Und so stand Sam circa bei 20 000 in Level 3(100/200). Einige Hände später passierte folgendes: ein Spieler ging in früherer Position für etwa 1900 All-in. Ein solider Spieler nach ihm, in diesem Moment der Chipleader am Tisch ( mit über 30 000) callte, es folgte reraise All-in 9000 vom Cut-off, und jetzt war Sam am Button an der Reihe. Ohne mit der Wimper zu zucken, ging Sam für 20 000 All-in und der Chipleader callte, nach sage und schreibe 2 Min. Bedenkzeit mit Pocket Kings!

Showdown: Der UTG Spieler zeigte AQ, der Spieler am Cutoff ein Paar 9 und Sam drehte … AdQd um. Stellen sie sich vor, wenn Sam diesen Monsterpot gewonnen und dann wohl den Tisch terrorisiert hätte … Sam bekam aber keine Hilfe vom Board, und war somit ausgeschieden. Der Tisch wurde auch sofort ruhiger!
Trotz dieser positiven Tischveränderung habe ich nur bis zu den letzten 3 Tischen überlebt, was leider nicht genug war, um ins Preisgeld zu kommen (es gab nur 13 Preise).An meinem Misserfolg war nur ich alleine schuld, weil ich im Kampf Cut-off (ich) gegen Button (ein russische Spieler) mein Paar 77 gegen JJ schlecht gespielt habe.

WPT-Das Mein Event
Wie auch im letzten Jahr war das Turnier wunderbar organisiert und auch super besucht! Eine Stunde Level 30k Starting Chips, also eine gute Voraussetzung, dass die WPT in Europa zur EPT etwas konkurrenzfähiger werden kann.
Ich ging optimistisch an Tag 1A zum Turnier. Meine Tischkonstellation: Ich sitze auf Platz 9, rechts auf Platz 8 ein alter Bekannter, der 770 Pro Julian Herold, links auf Platz 2 Stefan Jedlicka, vis a vis auf Platz 4 Marc Gork – der Chips Architekt: der etwas später gelandet ist, aber schon von Level 1 an Gas gegeben hat! Die anderen Spieler kannte ich nicht. Bald konnte ich auch von ihnen notwendige Infos sammeln. Auf Platz 1 ein Tscheche, der geradlinig und solid-passiv Poker spielte. Es war sehr gut, dass er links von mir saß! Platz 3 ein junger Franzose, der oft beim Setzen zitterte, was mich auf den Gedanken brachte, dass er Onlinequalifikant ist und wenig Liveturniererfahrung hat. Auf Platz 5 war ein anderer junger Onlinequalifikant aus Ungarn. Er machte oft komische Spielzüge und zeigte stolz seine Bluffs. Solche Gratisinfos sind in meiner Datenbank herzlich willkommen. Auf Platz 6 ein alter Kanadier, der solide und gebildet Poker spielte. Auf Platz 7 ein Italiener, der in der Schweiz lebt, und schon lange Turnierpoker ohne großen Erfolg spielt.

Mein erste Begegnung mit Marc Gork:
Wir spielen im Level 2 (75-150) und Mark raiste standardmäßig in früherer Position auf 300. Alle foldeten zu mir am Button … Fortsetzung folgt:
Also bis Bald ,gute Karten, und viel Glück am Filz wünscht euch

Euer Ivo ,,The Chessmaster"

Ivo Donev

Meine Erste EPT im Jahr 2012

Ivo Donev, 2.4.2012

Hallo liebe Leser,

am 25. März kam ich in Campione an und spielte zum Aufwärmen das Super Sattelite mit 530€ buy in (mit einer Rebuy-Möglichkeit). Leider war für mich die Struktur eine pure Enttäuschung: „Tombola“ mit 3000 Starting Stack und extrem steiler Level Erhöhung, nur 30 min. Levels; das war wie ein gefundenes Fressen für manche chronische Gambler, die Poker lieben wie die Urmenschen - "all in“ oder fold. Es war kein Wunder, dass schon nach ein paar Levels das Average unter M10 lag, und somit der Glücksfaktor hochgetrieben wurde. Aber egal, "Ende gut alles gut“, ich hatte schlussendlich eines von den acht Tickets für das Main Event (5300€) gewonnen.

Als Sattelite-Gewinner sollte ich an Tag 1A spielen, aber ich hatte sehr schlecht geschlafen und war unglaublich müde, darum konnte ich mich kurz vor Beginn von Tag 1A auf Tag 1B ummelden.
Am 27.03.2012 saß ich um 14h an meinem Tisch mit vielen unbekannten südländischen Gesichtern. Ich hatte meinen Stack konstant nach oben entwickelt und mit 100 000 - das war fast doppeltes Average Stack - Tag 1 beendet.

Tag zwei verlief auch o.k. Mein Stack rollte wie ein Schneeball nach oben, und ich schaffte es, mit 317 000 den Tag zu beenden. Nur 99 Spieler waren noch übrig geblieben, und zum Geld war es nur noch ein Katzensprung (88 Plätze).

An Tag 3 hatte ich kurz weiter Gas gegeben und die 500 000 Marke geknackt! So weit so gut, jetzt aber wurde es interessanter. Es lief Level 17 (2500/5000+500), und alle waren im Geld. Von einem anderen Tisch kam Walter B. zu uns, ein unberechenbarer Senior, ein Amateur, der aber schon lange auf der Poker Scene unterwegs ist. Ich saß auf Platz fünf und wurde mit seinem mageren Stack mit um die 70 000 auf Platz vier gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war ich am Tisch klarer Chipleader und Walter klarer Short Stack. Als Big Stack wurde mein Big Blind bis jetzt selten attackiert, außer jemand hatte wirklich gute Gründe zum raisen. Bald schon war ich im Big Blind und Walter am Small Blind. Alle foldeten zu ihm, er begann zu grübeln, was er tun sollte. Ich schaute meine erste Karte an: Ac, und sagte: „Walter, wenn du vor hast zu Gambeln, brauche ich nicht viel, um dich zu callen.“ Meine Aussagen hatten ihn offensichtlich überhaupt nicht beeindruckt, denn er raiste kräftig All-in für etwa 70 000. Ich schaute schnell meine zweite Karte an, As, und callte natürlich sofort. Normalerweise ist in solchen Situationen, wenn ein short Stack im Heads up gegen ein big Stack spielen muss, das short Stack im Nachteil.

a) Der Short Stack sollte in dieser Situation mit ziemlich guten Händen spielen, denn wenn er verliert, ist er vom Turnier raus. Und kaum jemand will nach drei Tagen Arbeit am Schluss mit einer Schrotthand gegen den Big Stack ausscheiden.
b) Der Big Stack kann mit einer breiten Range callen, denn sogar wenn er verliert, kostet es ihm einen Bruchteil von seinem Stack. Also ist bei dem Big Stack in solchen Fällen die Fold Equity zu klein.
In diesem Fall sind die Shortis unter großem Druck und müssen die Situation zum Pushen gut auswählen. Die Fold Equity war bei mir sehr klein, und Walter sollte in diesem Fall eine vernünftige Hand zeigen, denn dass er gecallt werden würde, war sehr wahrscheinlich. Ich öffnete meine schwarzen Asse und er Td 4d. Er sagte noch optimistisch: "Ich habe zwei live Karten“! Der Flop 8h 7d 3s, jetzt war mein Vorteil noch riesiger. Turn Ad, River 6d, autsch!

Man kann sagen, gar nicht so schlimm, Ivo hat weniger als 20% seines Stacks verloren und ist immer noch gut dabei! Natürlich, das stimmt, aber leider konnte ich diesen brutalen Beat Bit nicht so leicht verdauen. Wahrscheinlich ist es am besten, nach so einem Schlag das Casino für 5-10 min. zu verlassen, aber bei diesen gigantischen Blinds fand ich keine Kraft, so einen schlauen Zug zu machen. Innerlich kochte ich und begann leider etwas looser zu spielen, was logischerweise zu Fehlern führte. In Folge verlor ich noch vier Pots hintereinander. Einer von diesen vier Pots war ziemlich groß, was mir noch mehr Salz in meine Wunden streute.

Auf Platz 1 spielte ein wilder "no name"-Italiener, der extrem loose spielte und frech seine seltsamen Bluffs zeigte. Im verhexten Level 17 raiste er aus mittlerer Position auf 12 000, ich fand in späterer Position TcTs. Gegen loose Spieler bevorzuge ich mit einem mittleren Paar nur zu callen. Der Flop brachte 9s 9c 5s, er machte Conti Bet 18 000. Ich wusste nicht, ob er bluffte mit Ass und irgendwas oder wirklich ein großes Paar hatte. Einmal in Position kann man callen, dachte ich. Der Turn brachte eine 2. Der wilde "Nobody" feuerte wieder kräftig 33 000. Jetzt war es Zeit, zu bremsen. Leider haben mich in diesem Moment zwei Faktoren zum Call gebracht:
A) Der Italiener hatte ein looses Image, und es könnte somit gut sein, dass mein Paar TT vorne lag.
B) Ich war zu heiß von dieser kurz zuvor erlebten Assen Niederlage und wollte schnell die verlorenen Chips nachholen. Gebe zu: klare Fehler!

Der River brachte eine 5. Mein Gegner war nicht zu bremsen und schoss eine Kanonade von blauen 5000er Chips, etwa 75 000. Wow, was nun? Hatte ich zu viel bezahlt mit meinem Over Paar, um jetzt zu folden? Ich fand keinen Grund aufzugeben und callte. Er zeigte mir dieses Mal keinen Bluff sondern QQ. Leider musste ich wiederholt zugeben, dass ich diese Hand schlecht gespielt hatte. Egal ob er eine gute Hand oder Luft hatte, am Turn wäre es die richtige Zeit gewesen aufzugeben!

Es lief die letzte Hand von Level 17 und ich war im Big Blind. Alle foldeten bis zum Button, ein anderer „no name“-Italiener, der gierig auf meine Blinds war, verlangte 16 000, um den Flop zu sehen. Dieses Mal foldete Walter im SB, und ich sah meine Karten, As Ks. Weil ich "out of Position“ war, wäre es gut, wenn ich den Pot sofort gewinnen würde, darum hatte ich ihm "all you can eat“ angeboten, der Preis: 160 000 süße Chips. Der kräftige Italiener war offensichtlich hungrig und dies nicht ohne Grund, da er in seinen Händen zwei Könige hielt. Am Flop war kein Ass und keine Pik zu sehen. Das war es, total auf die gleiche Weise war ich am Final Tisch - POKER EM 2011 in Baden bei Wien ausgeschieden - AKs gegen KK. In diesem Moment war ich wie unter Schock. Ich hatte drei Tage mein 1A Poker gespielt und lag lange Zeit ganz vorne in den Chipcounts. Und verlor jetzt in Level 17 in nur 30 Minuten sechs Pots hintereinander und somit auch meinen großen Stack, und die Finaltisch-Träume wurden wie Staub zwischen meinen Gegnern verteilt. Ich kann nicht beschreiben, welche Gefühle in diesem Moment in mir waren! Trotzdem war dies meine siebtes und nicht letztes EPT-Cash auf dem 56. Platz mit 9000€.
Aber eines ist sicher: Irgendwann wird es mit dem großen Erfolg klappen!

Win2day Online Hand des Tages - Wolffalle
Es ist Sonntag am Abend und ich spielte wie immer auf meiner Stamm-online Seite win2day das bekannte Big Sunday Turnier. Warum zieht mich dieses Turnier so oft an? Es ist wegen zwei Faktoren:
a) die Struktur ist sehr gut: 5000 Starting Chips bei 1 Level10/20, was etwa 170 Starting M bedeutet
b) das Turnier Feld ist nicht so stark, es gibt viele "just for fun" Spieler und sehr viele Fische, die nur mit Bauchgefühl spielen.

Oft lande ich im Preisrange, aber manchmal werde ich gnadenlos rasiert wie folgendes Beispiel zeigt.
Nach kurzer Zeit hatte ich in Level 1 mein Stack auf 7200 entwickelt. Der einzige Spieler, der mich zu diesem Zeitpunkt am Tisch gecovert hatte, raiste UTG auf 60 und drei andere Mitspieler wollten seine Hand kontrollieren. Jetzt war ich am Button mit AQ. Was nun? Klar, ich wollte mit einem kräftigen Raise das Feld ausdünnen und nicht AQ gegen sechs Leute spielen. In solchen Fällen raise ich circa Potgröße, also 390. Mein hohes Raise hatte drei Spieler sofort in die Flucht getrieben, und ich hatte somit teilweise mein Ziel erreicht.

Der Flop war wie ein Märchen, Top 2 Paare und zwei Gegner mit viel Chips. Der SB checkte, aber Praschk bot 1065, und Steven1980 versuchte mein Leben schwer zu machen, also verlangte er 2130.

Kurz nachgedacht, was diese zwei Spieler haben könnten:
a) 2 Paare
b) Big Draw wie Kombi Flush, Straßen Draw, KsJs oder JsTs
c) AK, eventuell AJ
d) Set, eventuell 555, weil, wenn jemand von den beiden AA oder QQ hatte hätte ich vor dem Flop ein Reraise gehört.
Es war offensichtlich, dass ich nur im Fall d) hinten liegen würde. Außerdem hatte ich bei einem Online Turnier gegen unbekannte Spieler solche Aktionen oft erlebt, wo Spieler mit viel schwächeren Händen solche Aktionen gemacht hatten.

Ob ich calle oder All-in gehe, macht einen kleinen Unterschied. Es ist klar, dass Steven 1980 schon Pot committed ist, aber wenn ich jetzt All-in ginge, kann es sein, dass der Praschk nach dem kräftigen Raise und Reraise folden würde. Darum callte ich und somit war ich sicher, dass Praschk im Minimum callen wird.

Zu meiner Überraschung schob Praschk sofort all in und Steven wollte an diesem riesen Kuchen auch naschen. Wow, was nun? Plötzlich begann meine Hand wacklig zu werden. Trotzdem fand ich keinen Grund Top 2 Paare bei einem 100 buy in online Turnier nach dem Flop zu folden.

Nach dem Showdown war ich leider wie gegossen, ich lag weit hinten gegen ein Set Fünfer um ein riesen Pot über 20 000 bei Blinds 10/20, das entsprach einem M von circa 670! Was für einen gigantischen Vorteil hatte eine Spieler, der mit 4-fache Average ein Turnier startet!!

Trotz diesem schnellen schmerzlosen Ausscheiden werde ich weiter viele Big Sunday win2day Turniere spielen und auf besseren Wind hoffen!

Euer Ivo ,,The Chessmaster" Donev


Ivo Donev

Spiel gegen extrem verrückte Spieler

Ivo Donev, 20.3.2012

Hallo liebe Leser,

in der letzten Zeit hat sich Poker sehr stark entwickelt. Ich versuche, aus jedem Turnier etwas Neues zu lernen und aus jedem neuen Pokerbuch und von den Pokerfilmen neue Erkenntnisse zu gewinnen. Es steht unbestritten fest: Poker ist ein unendlicher Lernprozess!
In den modernen Pokerzeiten dominieren in den NL Poker Turnieren immer öfter die verrückten, furchtlosen, meistens jungen Spieler. Darum ist es extrem wichtig, gegen diese hyperaggressiven Mitspieler, das Spiel rechtzeitig anzupassen, in der Theorie leicht gesagt, in der Praxis schwer erfolgreich umzusetzen.

Rozvadov - März 2012 - buy in 1100€, garantiert 200 000€, Startstack 20 000, Levels 1h
Ich bewegte mich immer leicht über Average Stack.
Mein Tisch war eine bunte Mischung aus Profis und Amateuren, was oft der Fall ist bei Turnieren mit mittlerem buy-ins wie diese 1100€. Im Turnierpoker ist es sehr wichtig, welche Spieler links von dir sitzen, und was für ein Image vor allem die beiden linken Nachbarn haben. Es kommen sehr oft folgende Situationen:
a)Wenn ich am Button bin, spiele ich in Position nur gegen die zwei Blinds
b) wenn im SB alle zu mir folden, muss ich nur gegen den BB spielen
Die gute Nachricht: Unmittelbar links neben mir war der bekannte Magic Man – ein sympathischer „just for fun Spieler" aus Nürnberg, der oft limpte, sogar manchmal ohne die Karten zu sehen, er callte manchmal auch mit marginalen Händen.
Die schlechte Nachricht: Links von Magic Man war Martin Kabrhel
(http://pokerdb.thehendonmob.com/player.php?a=r&n=130375)
– ein junger Millionär und ein hyperaggressiver und guter Spieler aus der Tschechei.
Wir spielten in Level 9 (300/600+75) und ich war im Small Blind.
Die Karten waren gerade gedealt, und der Floormann annoncierte 15 min. Pause. Martin mit einem Stack von über 100 000 sang sein Lieblingslied "raise" auf 2000 und alle foldeten schnell bis zu mir.
Martin Kabrhel raiste sowieso schon oft, und natürlich, wenn die Pause in Aussicht steht und die meisten Spieler schon mit ihren Gedanken in der Raucher- oder WC Pause sind und nicht mehr viel Interesse an den eigenen Karten zeigen, dann raiste Martin mit 99%iger Wahrscheinlichkeit.
Ich sah im Small Blind Q2. Der Chipleader raiste kräftig UTG, und ich hatte Schrott out off Position, Call kam nicht in Frage, also ein klares Fold, oder ?…. Stopp, Moment, was ist mit einem Reraise? Wenn Martin mit mittelmäßiger Hand geraist hätte, wie ich vermutete, wird er folden. Noch ein pikantes Detail; Seine Raise-Muster waren meistens gegen 2,5 BB, und jetzt raiste er mehr als 3 BB! Aus meinen Beobachtungen war das ein Indiz dafür, dass er nie mit einem Monster so hoch raist! Wenn er aber wirklich eine gute Hand hatte, würde ich sein 4 Bet hören und wäre einfach fertig mit meiner Hand. Gedacht getan: Reraise auf 6800. Magic Man foldete sofort und auch Martin foldete sekundenschnell.
Jetzt, geführt von meinen Gefühlen, machte ich folgenden typischen Fehler! Weil ich sehr zufrieden von meiner guten Einschätzung war, hatte ich meinem linken Nachbarn Magic Man überlappend beide Karten gezeigt, so dass er nur die Dame sah, leider ein Fehler!
Das hatte Martin natürlich nicht geschmeckt und er sagte etwas auf Tschechisch zur Dealerin. Sie öffnete sofort meine beiden Karten! Martin sah meinen Bluff, sagte aber nichts und war in die Pause gegangen. Später fragte ich den Floormann nach der richtigen Vorgehensweise in einer solchen Situation. Er bestätige, dass die Dealerin zuerst den Spieler fragen muss, welche Karte oder Karten gezeigt wurden und sie erst dann diese öffnen darf nach dem Motto "Show one show all“, die Dealerin entschuldigte sich für ihren kleinen Fehler. Als Folge für das unnötige zeigen meiner Karten, konnte ich natürlich an meinem Tisch nicht mehr so gut bluffen im besonderen gegen Martin! Schlussendlich hatte ich mit einem Stack leicht über Average 63 000 Stack Tag 1 beendet.

An Tag 2 kam ich bald an den Tisch mit dem Chipleader Nourri Sebaa, zu diesem Zeitpunkt hatte er mehr als 200 000, welcher auch ziemlich loose spielte, aber nicht zu aggressiv. Und das Beste für mich: Er war auf Platz zwei und ich auf Platz drei, somit hatte ich Position auf ihn.

Das Spiel mit einer Karte
Leider konnte ich Nouri nicht gut einschätzen und hatte eine wichtige Hand schlecht gespielt: Es lief Level 13 (800/1600+200), alle foldeten bis zum Small Blind Nourri, der 800 nachfüllte. Ich sah nur eine Karte Ah, und das war mir genug um zu raisen mit 4200. Für die anderen Spieler machte ich es nicht sichtbar, ob ich eine Karte oder beide Karten sah! Mein Gegner aber wollte nicht aufgeben.
Am Flop mit Kh Ds 7h checkte Nourri vernünftig, und ich machte ein Standard Conti Bet 4200, er callte. Jetzt aber war es höchste Zeit, meine zweite Karte anzuschauen. Es war eine rote 5d.
Am Turn kam 2c, jetzt war Zeit zu bremsen. Darum checkte ich hinter dem Check meines Gegners. Das hatte meinem Gegner offensichtlich geschmeckt und er sagte "aha" und feuerte am River "in the Dark" den sogenannten blocking Bet mit etwa 3500 in einen Pot von etwa 18 000! Jetzt war klar, dass ich mit Ass hoch nicht gewinnen konnte. Ich vermutete, dass er ein Paar hatte, aber kein Top Paar. Dazu die schreckliche River Karte 2h, sie war die dritte Herz, und ich hatte das nackte Ah. In diesem Moment sah ich nur ein kräftiges Raise als einzige Chance, den Pot zu gewinnen. Also Raise auf 15 000.
Mein Gegner begann lange zu grübeln, sodass ich ins Schwitzen kam. Schlussendlich callte er nach einigen ewigen Minuten und drehte Q4 um. Somit hatte ich fast die Hälfte meines Stack verballert.
Nach kurzer Zeit hatte ich vor mir etwa 30 000, das bedeutete, dass ich in Level 13 nur etwa M=7 hatte! Alle foldeten bis zu Nouri am cut off, der ...limpte wieder. Ich sah am Button Ac Qc und dachte "jetzt ist aber Zeit, meine Verluste gegen Nourri wieder gut zu machen", Raise auf 4500.
Nouri hatte natürlich in später Position als Erster gelimpt nicht um zu folden und brachte schnell die notwendige Kohle, um den Flop zu sehen, der übrigens sehr schön war: As 7c 5d
Mein Gegner checkte, und ich, ohne etwas zu ahnen, feuerte 5000 conti Bet. Nourri sah sich meinen armen Stack an (etwa 20 000 übrig) und sagte das magische Wort "All in". Natürlich war für mich kein Rückzug mehr möglich, ich sah keinen Grund zu folden. Beim Showdown lag ich mit Top Paar und gutem Kicker wieder hinten gegenüber 5s7s von Nourri und hatte mit Recht verloren. Also ein Fehler, einmal Pech und das Turnier war vorbei.

Von anderer Seite bin ich rechtzeitig ausgeschieden, um im Deep Stack 600€ buy in Turnier, welches um 15h begonnen hatte, einzusteigen. Dort hatte ich mein Schiff bis Level 12 (600/1200+100) erfolgreich geführt, bis der große Unfall passierte. Mein Tisch war relativ Tight und mein Stack etwa 33 000, ich fand in mittlere Position ein Paar 66. Alle foldeten zu mir, und ich verlangte 2500. Nur der Button Marek Blasko (Hyper LAG) hatte wilde Pläne, Reraise auf 5000. Nachdem die Blinds den Braten gerochen hatten und vernünftig foldeten, war ich an der Reihe. Marek ist ein bekannter Lokal Matador (http://pokerdb.thehendonmob.com/player.php?a=r&n=117720) mit Hyper aggressivem und extrem loosen Stil. Zu diesem Zeitpunkt hatte er auch um die 33 000, was auch unter Average lag. Überlegen wir die drei Möglichkeiten:
a) zu callen, um das Set zu treffen. Schlecht, weil ich für diesen Traum-Flop fast ein von acht Fällen treffe, und das wichtigste, ich habe nicht genug implieds Odds. Merken sie sich, für die Implied Odds müssen die beiden Spieler sehr deep Stack haben, was jetzt nicht der Fall war!
b) zu folden. Gegen die Hand Range von Hyper LAG im Heads Up war meine Hand zu gut, um zu folden
c) zu reraisen. Diese Option hatte mir am besten gefallen. Von einer Seite sah ich mich im leichten Vorteil gegen die Range von seinen Händen. Von anderer Seite hatte ich eine perfekte Stack Größe für ein Reraise All-in, womit ich auch noch die Fold-Equiti auf meiner Seite hatte!
Ich glaubte, dass mein Gegner niemals ohne eine Top Hand callen würde. Gedacht getan und er... schnapp callte. Pfui, offensichtlich hatte ich wieder meine Situation nicht gut genug eingeschätzt. Ich drehte meine arme Perle 66 um, und mein Gegner zeigte ......Ac9c und sagte "i know you, you are Dragan Galic!". Wow! Leider dieser, meiner Meinung nach schlechte Call, wurde mit zwei Neunern am Board belohnt. Somit war ich draußen vom Turnier, und Marek hatte es mit diesem Stack sogar weit nach vorne an den Final Tisch geschafft. Warum aber glaubte ich, dass dieser Call schlecht war? Weil, wenn ein Spieler vier Bet all-in vor dem Flop bringt, er im normalen Fall Range AK bis AT hat und alle Paare, vielleicht ausgenommen die kleinen 22, 33 und 44, wobei jedes Paar für vier Bet all-in gut geeignet ist. Sehen wir, was die Mathematik sagt. Gegen solche Range von Händen liegt man mit Ac 9c klar hinten mit 34% zu 66%.

Ich nehme an, dies sind normale Schwankungen im Turnierpoker. Manchmal spiele ich schlecht oder bekomme einige Bad Beats, aber die Turniere kommen und gehen wie das Wetter, manchmal Sonne manchmal Regen.
Jetzt freue ich mich besonders auf die kommende Turnierwoche Anfang April. 4.-14. in Montesino-Wien. Dort werde ich folgende Turniere spielen.
a)das 340 Buy in mit 200 000 garantiert-5 Day Event!
b) das 500 buy in - 2 Day Event
c)das WPT Main Event 3500€ buy in, mit einer Hammer Struktur 30 000 Startchips und 1h Level

Letztes Jahr hatte ich in Montesino bei der WPT gecasht, meinen Bericht über dieses große Poker Festival kann man hier nachlesen werden.
http://www.hochgepokert.com/2011/04/26/der-ivo-donev-blog-wpt-montesino-der-pokerboom-in-wien-fortsetzung/

Win2day Hand des Tages
Wie immer mein Lieblings Turnier am Sonntag, dieses Mal mit nur 25€ buy in (mit 5 rebuy möglich) und sage und schreibe 55 000 € garantiert. Es war kein Wunder, dass 923 Optimisten mitspielten. Wieder war es nicht schwer, das Preisgeld zu erreichen, am Ende hatte ich einen ganz banalen Coin Flip verloren:

Bei Blinds 7500/15000 hatte ich mit AK auf 30k geraist, nur der Chipleader hatte etwas gegen meine Pläne und reraiste auf 75k, ich ging All-in für 259k, er callte mit JJ, und das Bord hatte mir leider nicht geholfen, somit war ich als 22. (440€) ausgeschieden!

Trotz diesem Riesen-Turnierfeld hatte ein Win2day Ace, nämlich Johan Brolenius das Turnier gewonnen. Herzliche Gratulation Johan!

Euer Ivo "The Chessmaster"


Ivo Donev

Missklick oder Missread in Live-Turnieren!

Ivo Donev, 28.2.2012

Hallo alle miteinander,

wenn ich meine Blogs schreibe, überlege und plane ich vorher längere Zeit, denn ich möchte, dass die Leser etwas Interessantes finden können und Spaß an meinen Beiträgen haben.

CAPT Bregenz
Zu Hause spielen ist für mich natürlich am angenehmsten. Die Straße zwischen Lindau und Bregenz ist leider sehr oft verstopft ist, so fahre ich gerne mit dem Fahrrad zum Casino in Bregenz. Für diese Turnierwoche habe ich mich entschieden, die kleinen Turniere auszulassen und mich voll auf die großen Turniere zu konzentrieren.
Jetzt hier ein besonderes Kunststück, das man ganz selten erleben kann. Ich spielte das 800€ Deep Stack Turnier und hatte ein Stack um die 40 000. Es lief Level 5 mit Blinds 150/300+25, ich bekam im Small Blind AK. Alle foldeten bis zum Button, ein bekannter ungarischer Spieler namens Miklos Koszta, er limpte für 300. Weil ich out of Position war und mit einer Drawing Hand die Lage klar machen wollte, raiste ich auf 1100. Der "Bigi" verschwand sofort, und der Ungar callte ruhig.

Flop A 9 5 Rainbow. Ich machte conti Bet 1600 und Miklos callte, der Turn brachte eine 6. Ich gab noch mehr Gas, also Bet 3000, Miki callte wieder. River 5. Ich wettete wieder 3000, die Miki instant callte. Wow, in diesem Moment hatte ich ein ungutes Gefühl. Ich machte als Erster mein AK auf und in dieser Sekunde machte auch Miklos freiwillig seine Hand auf mit J 4. Ich starrte wie betäubt auf die Karten und traute meinen Augen nicht, er callte auf allen Straßen mit Bube hoch, also mit so zu sagen gar nichts, ohne Flush- oder Straßen Draw!

So ein Bluff-Call passiert extrem selten im Poker. Brutal, so ein Geschenk von so einem erfahrenen Spieler? Das war nicht normal, dachte ich, vor allem Miklos war ein alter Hase, den ich schon bei vielen Turnieren getroffen hatte, hier stimmte etwas nicht! In der Pause fragte ich Miklos, was mit ihm los gewesen war? Ich spiele so viele Jahre Turniere, aber so was habe ich sogar gegen blutige Anfänger noch nie erlebt. Er antwortete cool: "Ivo sorry, es war einfach "miss klick", oder besser gesagt "miss read". Ich dachte, ich halte J 5 in meinen Händen und habe meine Karten nicht überprüft." Erst jetzt war mir alles klar.

Ein miss read im Turnierpoker, kann sehr teuer sein, aber sehen sie selbst:
a) James Woods ist ein super Schauspieler, aber nicht so gut im Poker. Hier foldet er am River die Gewinnhand, weil er sich seine Karten nicht gemerkt hat: http://www.youtube.com/watch?v=XEZbKUy0YHY
b) Niemand ist versichert gegen solche Fehler. Sogar der super Poker Star Phil Ivey foldet am River die Gewinnhand, weil er die Farbe seiner 88 Paar nicht gemerkt und nicht kontrolliert hatte!
http://www.youtube.com/watch?v=UKBKoSyTEAE
Es sieht ganz einfach aus, sich zwei Karten anzusehen und gut zu merken, aber wenn man viele Stunden am Poker Tisch sitzt und viele andere Gedanken in den Kopf wandern, dann können solche Pokerunfälle immer wieder passieren.

Das CAPT Main Event - buy in 2000€, 170 Spieler
An meinem ersten Tisch kannte ich nur drei Spieler gut. Ich saß an Platz 10, an Platz 1 war Cevat Inan aus der Schweiz, Platz 2 hatte Heinz Kamutzki und auf Platz 5 war Erich Kollman. Die anderen Spieler waren Unbekannte für mich, mit dieser Mannschaft war mein Tisch aus meiner Sicht ok.

Level 1, 25/50. Ich bekam UTG Ac 3c. Was nun? Ich denke, jedes suited Ass hat in früher Turnierphase das Potenzial einen großen Pot zu gewinnen, weil viele Spieler noch Deep Stack (Implied odds!) haben und die Blinds niedrig sind. Natürlich ist mit so einem schwachen Ass mein Ziel nicht ein Ass als Top Paar zu floppen, sondern einen Flusch Draw oder eine kleine Straße. Ich limpte und ermutige noch einige Spieler, dasselbe zu tun: Inan (1) Kollman(5) der Button(7). Der Big Blind gab grünes Licht, und wir sahen zu fünft einen wunderbaren Flop: 3d 3s 6d. Bei so einem Flop ist bei vier Gegnern die Wahrscheinlichkeit, dass jemand etwas getroffen hat, sehr groß. Der Bigi checkte und dasselbe machte ich. Mister Inan feuerte kräftig 225 (fast Pot-Größe), Erich Kollman callte und die anderen Gegner verschwanden wie Staub. Ich dachte, meine Gegner hatten folgende Range von Händen bekommen:
a) Flush Drow - am wahrscheinlichsten
b) eine 6 getroffen
c) sie mit einem kleinen Paar wie 44, 55 oder sogar 77, 88 unterwegs waren.
Jetzt folgte mein Plan, nämlich mit großer Hand einen großen Pot aufzubauen. Ich raiste auf 750 und überraschenderweise gingen meine beiden Gegner ohne Bedenken mit. Jetzt war ich mir ziemlich sicher, dass mindestens einer von beiden am Flush Draw war! Der Turn brachte Ad - Bingo! Jetzt war ich fast sicher, dass, wenn ich checkte, einer von beiden anspielen würde. So war es auch passiert. Nach meinem Check hatte Mister Inan 1250 gesetzt, Erich callte schnell, und ich fand eine 3700 Erhöhung für optimal. Inan hat die Falle gerochen und foldete sofort. Erich aber zahlte nach. Der River brachte 5d. Jetzt hatte ich zwei Möglichkeiten
a) checken mit der Hoffnung, dass Erich sein Flush für value wettete
b) setzen, aber nicht sehr hoch, um einen Call zu bekommen

Bei der Entscheidung in solchen Situationen ist es sehr wichtig, was für ein Typ Spieler der Gegner ist. Falls ich in dieser Situation einen schwachen Spieler hatte, würde ich wahrscheinlich check raisen, weil ein geradlinig schwacher Spieler am River fast immer sein Flush für value wetten wird, falls zu ihm gecheckt würde. Aber gegen einen Top Spieler wie Erich würde diese Idee nicht funktionieren. Ich hatte ihn zweimal check raise am Flop und am Turn gegeben und wenn ich jetzt noch einmal so was versuchte, würde Erich am River checken. Darum setzte ich etwa gegen 4000 weil ich die optimale Chance hätte, eine Auszahlung zu bekommen. Erich überlegte und fragte: Hast du Full House Sechser? Schlussendlich callte er, ich drehte meine Ac 3c für Full House um und gewann schon in Level 1 einen großen Pot.

Nach einigen ups und downs hatte ich Tag 1 in den topp zehn Chipcounts mit 102 000 beendet.
An Tag 2 waren wir nur 32 Spieler, und es hatte nicht lange gedauert, bis wir bei den letzten 18 waren und im Geld lagen. Irgendwann in Level 14 (2k/4k+500) hatte Julian Herold (einer der besten deutschen Spieler) mit 100 k Stack in späterer Position auf 9500 geraist. Ich (mit 150 k Stack) war unmittelbar nach ihm mit der American Airline und reraiste auf 20k. Alle foldeten und er pushte All-in für 100k. Nach dem Showdown gewann ich mit meinen A A gegen Julians T T.

Meine Freude dauerte nicht lange. Nach kurzer Zeit raiste Werner Kuttig (circa 90k Stack) UTG auf 10 000. Ich sah wieder eine Bombe KK in meiner Hand und reraiste auf 24 000. Werner war nicht zu bremsen All-in 90k, die ich natürlich callte. Im Showdown gewann sein AK, weil am Bord sogar zwei Asse auftauchten. Trotz dieser Achterbahn hatte ich den Final Table erreicht und den sechsten Platz erreicht.

Win2day-Hand des Tages
Am 19. Februar 2012 hatte ich bei win2day mein Lieblings-Turnier Big Sunday mit 20 000€ garantiertem Preisspool gespielt. Es war nicht sehr schwer, in der Preis Range zu landen, bei 194 Teilnehmern gab es 20 Preise, aber meine letzte Hand war interessant. In Level 19 (SB 1750/ BB 3500+ Ante 350) war ich am Button mit A A. Alle foldeten zu mir und ich mini-raiste auf 7000.
Mir war klar, dass ich auf diese Weise dem Big Blind supergute Pot Odds gab, aber ich hätte auf der anderen Seite nichts dagegen, wenn er callte mit irgendwas und out of Position gegen mein Monster spielte. Natürlich callte der BB, und am Flop 2 3 6 machte er ein großes Donk-Bet von 14 000!

Was bedeutete das? Ich dachte normalerweise hatte er kein Set sondern ein Paar oder Flush Draw als Semibluff. Natürlich ging ich All-in und wäre froh gewesen, wenn er foldete und ich den Pot gewinnen könnte. Leider hatte er sich gebunden gefühlt und callte mit seinem Paar 55. Vermutlich dachte er, dass ich nicht mit einem Paar All-in gehen würde, weil fast jedes Paar in diesem Fall sein Baby Paar schlagen würde.

Schlussendlich konnte er eine Straße basteln und ...hatte am Ende das Turnier gewonnen! Gratulation "kustmi"!

Manche denken vielleicht, mein Raise vor dem Flop war zu klein: Ivo wollte somit fischen und ist selber zum Fisch geworden!
Oder andere denken eventuell: Na ja, Pech ist auch dabei, vor allem der Fehler vom BB, der ein zu großes Donk Bet am Flop machte und sich auf diese Weise an den Pot band. Falls er ein "normales" Donk Bet von 7-8k gemacht hätte und ich all-in gegangen wäre, wäre es für ihn sehr schwer gewesen zu callen, aber nur vielleicht! Was meinen sie, liebe Leser?

Euer Ivo "The Chessmaster"


Ivo Donev

Strategien gegen loose Gegner

Ivo Donev, 21.2.2012

Hallo alle miteinander,
es ist kein Geheimnis, dass ich und auch viele andere Spieler eine große Liebe zu Deep Stack Turnieren haben. Irgendwann habe ich von meinem Pokerfreund Daniel Schweizer über die Deep Stack Pro Turniere in Nova Gorica erfahren. 50 K starting Stack, eine Stunde Levels und ein drei Tage NL Holdem Turnier für nur 550€ buy-in, das ist wohl ein super Preis Leistungs Verhältnis! Manche Organisatoren können dabei nur neidisch durch die Röhre gucken ...
Wenn man beispielsweise ein großes Turnier wie die EPT mit ähnlicher Struktur (wobei dort mit 30k gestartet wird) spielen will, muss man über 5000€ hinblättern!
Warum bin ich von solchen Deep Stack Strukturen begeistert? Weil meiner Meinung nach der Glücksfaktor bei solchen Turnieren extrem klein ist und erst gegen Ende des Turniers bei den letzten 2-3 Tischen offensichtlich steigt. Deshalb ich bin überzeugt, dass ein guter Spieler, der überwiegend solche Deep Stack Turniere spielt, im Schnitt mindestens 2-3 mal von 10 Turnieren im Geld landen kann und ab und zu sogar den Final Table erreichen wird! Natürlich muss auf lange Sicht gesehen ein guter Spieler bei solchen Turnieren "Money Winner" sein!

Das Turnier Feld: Obwohl dieses schöne Turnier im wunderbaren vier Sterne Hotel Perla in Nova Gorica - Slowenien stattgefunden hatte, war das Feld überwiegend zu 90% von italienischen Spielern dominiert, meistens Freizeitspieler und ab und zu Profis. Es ist bekannt, dass die Südländer nicht lange auf gute Karten warten können und sehr loose spielen. Meine persönliche Beobachtung ist, dass die meisten Südländer (Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland, ...) und Freizeitspieler (auch typisch für Turniere mit kleinem buy in) einfach zu viele Startblätter spielen und oft nach dem Flop und Turn zu weit gehen. Dazu bluffen sie viel zu viel.

Deshalb meine Strategie gegen solche Spieler:
a) Etwas tightere Startblätter wählen, um so zu sagen vom Start an einen Vorteil gegen loose gewählte Startblätter meiner Gegner zu haben.
b) Meine ganz großen Hände slow zu spielen, denn wenn ich checke, setzen die loosen Gegner meistens.
c) Meine guten Hände value setzen, weil die loosen Spieler oft bezahlen.
d) Ich selber weniger bluffen und semibluffen, weil die loosen Spieler oft callen.
e) Mehr Draw Hände besonders in früherer Turnierphase zu spielen, weil ich oft Multiplay Pott bekomme, und dazu gute implied odds! Besonders steigt der Wert des Suitet Connectors.
f) Mit zwei Worten das wichtigste: Einfach tight spielen und meine loosen Gegner auf falschem Fuß erwischen.

3 Februar 2012, Tag 1 mit 243 Startern
Im Turniersaal ist die offizielle Sprache italienisch! Ich mache einen Fall Start und verliere 30% von meinem Stack mit K K gegen AQ. Dann verliere ich noch einmal über 30% von meinem Stack mit A K gegen A 9. In beiden Fällen hatte ich sehr kräftig vor dem Flop geraist, aber meine Gegner hatten Glück am River. Plötzlich in Level 4 hatte ich weniger als 20 000 vor mir, was ein Drittel des Average entsprach!
Am Anfang des Turniers ist es also gar nicht gelaufen, und wenn das Turnier nicht extrem deep gewesen wäre, hätte ich sicher noch an Tag 1 nach Hause fahren müssen.
Trotz meines schlechten Laufs an Tag 1 hatte ich den Tag im Level 10 - Blinds 600/1200+100 - mit nur 51 000 beendet.
An Tag 2 ist es dann wesentlich besser gelaufen. Mein Stack hatte sich wie ein rollender Schneeball ständig vergrößert!
Hier die Schlüssel Hand: Es lief Level 16. Die Blinds 2500/5000+500, mein Stack um die 150 000.
Ein junger Italiener (Stack circa 55 000) raiste in späterer Position UTG auf 11500, ein weiterer Italiener (circa 57 000) auch in späterer Position war sofort mit dem Angebot einverstanden. Alle anderen folden zu mir im Big Blind, wo ich JcTc fand. Wie oben erwähnt spielte ich in diesem Turnier bei jeder Gelegenheit suited connectors, jedoch mit einer Voraussetzung: Einen guten Preis vor dem Flop zu haben. Hier musste ich nur 6500 nachzahlen um 35 000 zu gewinnen. Dazu kamen auch die implied odds, die ich mit den besten suited connectors JcTc hatte, also ein klarer Call.
Der Flop 3c 4c 5d. Jetzt aber wurde es interessant. Wie ich gesagt hatte, semibluff gegen zwei Gegner
a) die vor dem Flop Stärke gezeigt hatten und
b) dazu loose spielten
bringt keine positive Erwartung. Darum checkte ich logischerweise. Dann passierte folgendes: Der UTG Raiser schob sein Stack All-in, und der zweite Italiener sprang vom Stuhl und sprach etwas auf Italienisch. Nach kurzer Zeit schob auch er sein Stack in die Mitte. So jetzt war ich an der Reihe.
Was sollte ich tun? Ich begann meine Erwartungen auszurechnen, falls ich callen würden, auf Basis der Pot odds und der Range meiner Gegner. Die gute Nachricht war, falls ich dieses Risiko einging, verlöre ich eventuell nur etwa mehr als ein Drittel meines Stacks. Aber ehrlich gesagt, ich war sicher, dass ich jetzt gegen zwei All-in Spieler weit hinten lag und meine einzige Frage, die mich beschäftigte, war, ob nicht einer meiner Gegners auf Nuts Flush draw war mit etwa Ac Kc oder Ac Qc. Das war mein Albtraum-Szenario, alles andere wäre nicht so schlimm, sogar wenn beide Spieler ein großes Paar hätten wie AA, KK oder QQ. Gegen die großen Paare hätte ich immer noch circa 35% Chance, meinen Flush zu vervollständigen, und die Pot odds waren ziemlich gut fast 3 zu 1! Genau in dieser Situation kamen mir ... "meine Ohren" zu Hilfe. Die beiden All-in Italiener hatten eine heftige Diskussion über ihre und meine Hand begonnen, und trotz meines mangelhaften italienisch, war die Pokersprache nicht schwer zu verstehen. Ein Satz hat mir ganz gut gefallen, dass der UTG Raiser etwas sagte wie: Er hat eine starke Hand und "no draw", und fragte seinen Opponenten, ob er eine draw Hand hätte. Der antwortete stolz, dass er ein großes Paar hätte. Wow! Diese "gratis" Info hatte mich sehr gefreut. Jetzt war meine Entscheidung einfacher, weil ich nicht gegen Nuts flush draw spielte - darum Call! Beim showdown lag ich wie vermutet hinten. Der UTG Spieler drehte ein Paar 77 um und der zweite Italiener drehte zwei rote Buben JJ um. Am Turn aber tauchte wie gewünscht 6c auf, somit machte ich meinen Flush vollständig und gewann einen Monster Pot. Nach diesem Pot hatte ich einen kleinen Lauf bekommen und dazu noch einige Gegner auf dem falschen Fuß erwischt, schlussendlich hatte ich Tag 2 mit 1,8 Millionen als klarer Chipleader beendet:

An Tag 3 nach einer wilden Achterbahn hatte ich den Final Table als einer der Short Stacks erreicht. Bald aber konnte ich mich verdoppeln. Ich schob mit TT im Small Blinde All-in, und der Big Blind callte mit A7. Danach kam folgende Schlüsselhand. Ein Spieler raiste kräftig in früherer Position und ich pushte mit AcKc All-in. Mein Gegner callte mit QQ, und dieses Mal hatte ich den wichtigsten Coin Flip des Tages gewonnen.

Danach war es nicht sehr schwer, mit meinem Stack es bis zum Heads Up zu schaffen.

Mein Gegner Alesandro Luciani - ein sehr talentierter junger Spieler - hatte im entscheidenden Moment die bessere Hand und so wurde ich Runner-up. Hier das offizielle End Ergebnis:
1. Luciani Alessandro 30.900€
2. Donev Ivo 19.800€
3. Conversi Claudio 13.100€
4. Cannizzaro Andrea 8.800€
5. Zanatta Diego 6.800€


Wieder Rozvadov:
Am 10. Februar 2012 hatte ich mich entschieden, das Main Event des GCOP (2,5k Buy in) im Rozvadov zu spielen. Bis Level 4 war alles gut gelaufen, als folgende wichtige Hand kam. Rechts von mir war ein sehr aktiver bekannter Spieler - Edgar Stuchly mit etwa 60 000. Die Blinds waren 100/200+25. Edgar war am cutoff und raiste wie eine defekte Schallplatte zum dritten Mal in Folge auf 600. Ich (mit etwa 56 000) sah am Button A 7 und begrüßte meinen loosen Gegner mit 3 Bet 1700. Die Blinds foldeten vernünftig und alles lief nach meinem Plan - nur Edgar callte. Flop 3h 7c 3s, Edgar checkte ich Bet 1700, er zwei Bet 3800, ich 3 Bet 6900, er 4 Bet 14 000. Jetzt bremste ich mich etwas, überlegte kurz und callte. Turn 4c. Edgar checkte, was mir gefallen hatte. Nun gedachte ich zu checken zur Pot Kontrolle und ließ mir für den River die wichtigste Entscheidung. Ich spielte zum ersten Mal mit Edgar am gleichen Tisch und ich konnte ihn sehr schwer einschätzen. Der River Ks, Edgar setzte 14 000. Hm, was nun? Meine ersten Gedanken waren, jetzt müsste ich wahrscheinlich callen, denn wenn er ein mittleres Paar hatte, hätte er vermutlich gecheckt. Oder hat ihm etwa der König geholfen, falls er KQ, KJ oder eventuell AK hatte, aber mit einer solchen Hand 4 Bet am Flop zu machen? Wenn ein Internet Kid solche Spielchen mit mir gemacht hätte, hätte ich eher gecallt, aber gegen Edgar? Mit solchen Gedanken vergingen einige Minuten, und bevor ich mich entschied call oder fold, war meine Zeit abgelaufen und mein Hand war tot. Edgar sammelte den großen Pot ein und zeigte mir stolz....A2 offsuited! Wow, das hatte ich nicht erwartet. Nice Play Edgar! Nach dieser Hand lief alles talwärts, und schon bald war ich ausgeschieden (wieder gegen Edgar). Als kleine Nachspeise hatte ich das 100k garantiert mit 1000€ Buy in am 12.02 gespielt und als Chipleader die letzten zwei Tische erreicht. Leider waren die Blinds in dieser späten Turnierphase ziemlich hoch, und ich hatte so zu sagen 3 Coin Flips hintereinander verloren. Somit war ich nur in the Money als 14ter von etwa 120 Gegnern für 1600€ (Preis) gelandet.
Es kommen 2012 viele Deep Stack Turniere, zuerst CAPT im Bregenz, und ich bin sicher, dass bald wieder bessere Zeiten kommen!

Euer Ivo "The Chessmaster"

http://www.ivodonev.com


Ivo Donev

CAPT Seefeld-Spiel gegen Tight - Passive Gegner

Ivo Donev, 31.1.2012

Hallo alle miteinander,

in meinem Blog beschreibe ich meine Erfahrungen und Erlebnisse bei verschiedenen Pokerturnieren und über vieles mehr rund um Poker. Ich behaupte sicher nicht, dass alles was ich denke und spiele absolut richtig ist, da sind die Übergänge von richtig und falsch auch viel zu schwammig, auf jeden Fall wesentlich unklarer als beim Schach. Ich berichte einfach meine Gedanken, meine Meinung, meine Erfahrung u.s.w. Natürlich mache ich wie jeder Mensch einige Fehler, aber der Sinn der ganzen Sache ist, diese Fehler zu erkennen, zu lokalisieren und zu versuchen sich zu verbessern!

Spiel gegen Tight Passive Gegner
Solchen Spielern begegnet man meistens in Turnieren mit niedrigem buy-in. Wie spielen solche Spieler? Ganz einfach geradlinig. Mit zwei Worten gesagt - haben = mitgehen, oder nichts haben = folden. Solche Spieler sehen hauptsächlich die eigenen Karten, das Board und treffen auf diese Konstellation geradlinige Entscheidungen.

Die erste Station der CAPT 2012 beginnt in Seefeld. Und es ist Tradition, dass alle Turniere hier gut besucht werden.
Zuerst erzähle ich etwas über meinen Verlauf des Deepstack-Turniers an Tag 1 B. 20 000 Chips bei 30min Level, Start bei 25/50, dies waren gute Voraussetzungen für einen langen Turnierpokerabend. So weit so gut. Das Turnierfeld, bunt gemischt mit vielen Italienern - welche schon Stammgäste, wegen der Ski Saison in Seefeld sind. Es war sogar eine Gruppe Pokerspieler aus Belgien mit dabei, die extra für diese Turnierwoche angereist ist.
Mein Tisch war o.k., Poker pro Thomas Hofmann aus der Schweiz, zwei belgische Spieler aus der Poker Gruppe und einige unbekannte Italiener und Österreicher.

Wissen sie, warum mir seit der WSOP 2004 ein paar 2 2 sympathischer geworden sind? Das ist die Lieblingshand von meinem „poker Buddy“, dem berühmten Backgamon Pro Paul Magriel. Sein Spitzname X_22. Mit ihm habe ich oft in Vegas bei der WSOP gespielt und er liebte es mit 22 zu spielen oder raiste oft auf eine Zahl die eine Zwei beinhaltete z.B.: Raise 220; Raise 2200 ,22200. Wenn er auf einen solchen Betrag raiste, dann mit Lauten einer Ente "Quack Quack“. Hier ein Link mit mehr Info, für diejenigen, die noch nie von dem intelligenten Paul gehört haben:
http://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Magriel

Anfang des Level 1: Ich bekam in früher Position Pauls Lieblingsenten: 22. Unser Tisch ist noch nicht voll besetzt, und ich schätze diese Gelegenheit, die Blinds zu klauen (einzustreichen). Darum setzte ich bescheidene 125 Chips. Statt sofort die Blinds zu kassieren, bekam ich plötzlich drei Kundschaften, der Button, Sb und Bb.

Der Flop: 2h 6c Ad
Boom Botton Set, ein Traum! Logischerweise haben die beiden Blinds zu dem pre Flop Aggressor gecheckt. Ich verlangte standardmäßig die halbe Potgröße 250, was zwei von meinen drei Gegnern in die Flucht trieb. Nur einer, nämlich der small Blind callte schnell. Einer aus der belgischen Gruppe, ein älterer Herr, der mir auf den ersten Blick nicht als Profi in die Augen stach, sondern als ein "tight passiver“ Spieler. Denken Sie nach, mit welcher Hand eine solche Art von Spieler in dieser Situation callen kann? Es ist leicht zu vermuten, dass er nach diesem Flop zu 80% mit einer Ass und einer Beikarte callt, und ganz selten mit einem kleinen Pocketpaar, oder wenn er 6 getroffen hat.
Turn As.
Der ältere Herr checkte wieder. Mein Gedanken waren jetzt:
a) Die Hand meines Gegners noch genauer zu erkennen
b) Einen grossen Pot aufzubauen und gewinnen
Im Pot waren 1000 und alle Bücher empfehlen, dass man Maximum Potgröße spielt, also in diesem Fall wäre ein Einsatz von 500 bis 1000 normal. Ich wettete 2000 was ein Overbet war und dies aus folgenden Gründen:
a) wenn ein tight passiver Gegner jetzt callt, hat er zu 99% ein Ass in der Hand, somit Drilling Asse und zahlt das Overbet sicher.
b) ich gebe ihm kein A2 oder A6 oder 66(Full Hause), weil er hätte bis jetzt vermutlich geraist. Also ich gebe ihm ein Ass mit mittlerem Kicker, weil er vor dem Flop aus dem small Blind mein Raise bezahlt hat.
c) Goldene Regel: mit großer Hand, großen Pot und mit kleiner Hand kleiner Pot spielen!
Also mit dem Overbet die erste große Stufe in meinem Plan setzen. Dieser große Einsatz, 2000 Chips, beeindruckte meinen Gegner überhaupt nicht. Er wollte also um diesen großen Pot mittanzen.
Was wird diese Art von Spieler vermutlich überlegen. Ich habe ein Ass in meiner Hand und im Flop liegen noch zwei Asse, also gehe ich ohne Bedenken mit. Er denkt wahrscheinlich nicht, dass der ursprüngliche Raiser ein Ass mit top Kicker haben kann oder noch besser …
Hm, trotz meines fertigen Full House läuteten die Alarmglocken bei mir. Hoffentlich trifft er seinen Kicker nicht. Theoretisch ist sein Kicker mein Hauptgegner. Wenn am River noch eine 6 kommt oder eine Ass landet, bekommt er keinen Pfenning von mir. Weil dann sein Full House bzw. Poker Asse offensichtlich sind.z.B.: das Bord A6 2 A 6 oder A 6 2 A A. Also im diesem Fall hat er nur drei Outs (sein Kicker) die mich echt im Schwierigkeiten bringen können

River 4c
Jetzt checkte mein Gegner erneut. Gott sei Dank ist eine kleine Karte gekommen und mein Gegner checkt dazu, wahrscheinlich ist sein Kicker viel größer als vier dachte ich. Trotzdem jetzt war es kritisch, soll ich checken oder wieder setzen? Gegen einen sehr guten Spieler hätte ich wahrscheinlich gecheckt, weil die guten Spieler trickreich und gefährlich sind. Was mache ich, wenn er mich all-in reraist?
Aber gegen diese belgische passive calling Station überlegte ich ein großes value Bet zu machen, denn ein passiver Spieler raist am River meistens nur mit Nuts! In diesem Moment war ich fast sicher, dass mein Gegner kein Full House hat, weil sonst hätte er spätestens am River ein value Bet gemacht. Im Pot waren 5000 und ich überlegte wie hoch die Schmerzgrenze ist, was man mit Drilling Asse in einer solchen Situation bezahlen kann. Wahrscheinlich etwa 7000, was wieder ein Pot overbet war, aber in erträglichen Grenzen. Nach kurzem überlegen callte mein Gegner.

"Gott sei dank“ dachte ich glücklich, endlich habe ich mit meinem baby Full House das Maximum aus diesem geizigen alten Herrn geholt“ und drehte mein paar 22 um. Mein Gegner drehte seine Ass um und ich musste sehen, wie diese Monsterpot (19 000 bei Blinde 25-50!) zu meinem Gegner wanderte. Ich stand auf und kuckte wie ein „Uhu“. Erst jetzt sah ich seine Karten richtig, dass neben seinem Ass eine 4 mich auslachte, also A4 für das bessere Full House! Wow was für eine kalte Dusche - in den ersten 5 Minuten habe ich fast die Hälfte meines Stacks verloren mit Set 22 gegen nur ein Paar Asse, wobei am Flop war ich fast 96% Favorit.

Sehr enttäuscht von meinem Start kämpfte ich erfolglos weiter. Irgendwann in Level 2, Blinds 50/100, raise ich in mittlerer Position mit ein paar 77 "seven from heven" auf 250. Hinter mir schreit ein Italiener unbeeindruckt "reraise auf 600“. Alle folden zu mir und ich zahle die 350, um den Flop zu sehen. Der Dealer öffnete schnell AcDh7d. Boom Jackpot drei Mal die 777! Ich checkte überzeugt, dass mein Gegner 100% conti Bet machen wird. Er war nicht zu bremsen und wir schaukelten uns schnell bis zu meinem All-in, für etwa 8000 hoch. Der Südländer zeigte eine wesentlich bessere Hand als der Belgier nämlich AK. Ich war wieder gigantischer Favorit und trotzdem musste ich am Turn zittern, weil noch ein Ass gekommen war. Zum Glück am River blankte 3s und nach diesem schönen Pot hatte ich fast wieder mein starting Stack.

Jetzt merkte ich, wie wichtig der erste Pot war, als ich mit Set zweier verloren habe. Wenn ich am River gecheckt hätte, hätte ich mir 7000 sparen können, die ich jetzt in dem Pot gegen den Italiener auf zusätzliche 14 000 umwandeln hätte können.
Fazit. Im Nl Holdem Turniere ist es extrem wichtig die erste Verdopplung, den ganzen Stack deines Gegner zu fressen.
Jetzt war für mich die Welt wieder in Ordnung.

Level 7 300/600+75. In mittlerer Position finde ich As Js und ich bekomme Lust, die Chips in der Mitte zu verspeisen. Also raise ich auf 1400. Am cut off, ist ein solider Spieler nicht mit meinem Angebot zufrieden und verlangt noch mehr, 2900. Auch ein weiterer solider Spieler, ohne mit der Wimper zu zucken, callt das große Reraise. Was nun? Callen oder folden das ist die Frage? In solchen Situation sind zwei Faktoren wichtig:
a) Die Pot Odds sagen unbedingt call. Im Pot sind 8250 und ich muss nur 1500 bringen um den Flop zu sehen. Also Pot odds 5,5 zu 1!
b)Die Kartenkonstellation sagt unbedingt fold. Ich kann in einem falschen Film landen, wenn z.B. einer der beiden ein großes Paar hat JJ, QQ, KK, AA und der andere AK oder AQ. Dann stecke ich richtig in der Scheiße.

Nach langem hin und her folde ich ungern. Der Flop Jc 9h 4h und ... beide gingen rasch all-in. Der small Blind zeige Ah Kh und der cut off QQ, Turn Qc River 2h! Ich war sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, denn nach dem Flop hätte ich vermutlich alle meine Chips investiert und schlussendlich verloren.
Mit meinem unter Average Stack konnte ich nur bis Level 13 (15000/3000+400) überleben. Als short Stack um die 36 000 (mit M =4) bekam ich ein Paar 44 in früherer Position, eine ganz schwere Situation, folden oder All-in raisen, das ist die Frage? Ich nahm die aggressive Spielweise und rannte gegen Reinhard Dersch Assen Paar.
Das wars… Die alte Regel hat sich wieder bestätigt: Als schort Stack ist es nur eine Frage der Zeit, wann du von einer besseren Hand überrollt wirst, oder von einer schlechteren Hand ausgesuckt wirst.

Euer Ivo ,,The Chessmaster"


Ivo Donev

Der letzte Schrei im Poker: Deep Stack Turniere

Ivo Donev, 23.1.2012

Hallo alle miteinander,

heute habe ich mir gedacht, dass es einmal interessant wäre, für Turnierspieler etwas mehr Licht in die Zukunft der Pokerturniere zu werfen.
Da ich viele Turniere spiele, beschäftigte ich mich ausgiebig mit deren Strukturen. Eigentlich sind die Turnier-Strukturen ausschlaggebend für die Erhöhung oder Reduzierung des Glücksfaktors.
Die Deep Stack Turniere werden immer beliebter bei vielen Pokerspielern, und allmählich beherrschen diese Turniere die Szene. Und das ist logisch, denn die meisten Spieler möchten Spaß bei Pokerturnieren haben und nicht nach kurzer Zeit auszuscheiden!
FAZIT: Genug Starting Chips + Genug Level Zeit + langsame Blind-Steigerung = größerer Spielraum und mehr Freude am Spiel!

Dadurch aber vermindern sich die Gewinnchancen für Gambler und es erhöhen sich die Gewinnchancen für gute und geduldige Spieler!
Mit anderen Worten ausgedrückt: Turnier-Poker ist ein Wettkampf zwischen der Materie (den Chips) und der Zeit (den Levels). Somit wird man in Poker-Turnieren bei zeitlich fortgeschrittenem Spiel allmählich immer mehr unter Druck gesetzt.
Ein vorbildliches Beispiel ist Casino Austria. Dort gibt es bei jedem CAPT Event einige günstige Deep Stack Turniere mit Buy-in von 500 € oder 800 €, aber mit 20 000 Startingstack. Diese Struktur hatte man kürzlich eingeführt. Es wurde damit an Spieler mit kleiner Bankroll gedacht, die nicht beim Main Event mit 2000€ investieren wollen oder können.

Jetzt habe ich auf Basis der Blind-Steigerungen bei den größten Pokerturnieren unsere Epoche, nämlich beim Main Event des WSOP (Buy in 10k), bei der EPT (Buy in meistens 5k) und bei der WPT (Buy in meistens 3,5k) einen Vergleich angestellt. Die meisten großen Turniere starten extrem Deep mit M=200.
Zum Erinnerung: M – bezeichnet das Verhältnis ihres Stacks in Bezug zur aktuellen Gesamtsumme der Blinds und Antes!

Noch einige Details: Bei der EPT und der WPT spielt man am Tag 1 nur Ein-Stunden-Levels und ab Tag zwei beim EPT Eine-Stunde-und-15-Min.-Levels, bei der WPT werden es ab Tag drei Eineinhalb-Stunden-Levels. Bei der WSOP beginnt man von Anfang an mit 2 Stunden Levels. Aus der Sicht der Blindsteigerung ist die Struktur der EPT am besten, weil am flachsten, also die langsamste Level-Steigerung! Für die Spieler ist aber von wichtigster Bedeutung, nach wie langer Zeit man in die "All-in-Gefahr“ Zone landet. Es ist eine hypothetische Rechnung falls man keinen Pot spielt und wenn zu uns, falls wir in den Blinds sind, immer gefoldet wird. Jetzt aber schneidet die WSOP dankbar mit zweistündigen Level am besten ab. Erst nach 18 Stunden Spielzeit landen wir als Short Stack in der "All in Gefahr" Zone.

Die allgemeine Regel mit kleinen Ausnahmen: Umso teurer das Buy-in für ein Turnier ist, desto besser ist die Struktur. Natürlich gibt es in letzter Zeit immer mehr billige Turniere mit Superstrukturen. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch, wie viel Zeit der Veranstalter für die jeweiligen Turniere geplant hat. Bei 1 Tag Turnieren ist es fast unmöglich, eine gute Deep Stack Struktur anzubieten. So ist es logisch, dass die EPT eine gute Struktur anbieten kann, denn das Turnier dauert ja 6 Tage.

Jetzt möchte ich den TV-Liebling EPT mit den vier anderen "günstigen" Turnieren vergleichen.

Dabei sind wieder zwei Komponenten wichtig:
a) In welchem Level erreicht man die Zone "All-in Gefahr“? Ich sage, wenn mein M unter circa 10 fällt
b) Wie viel Zeit habe ich mit meinem Spiel, bis ich in dieser Zone lande?

Ich habe dazu einige Turniere verglichen: win2day, Big Sunday (15 und 20 min Levels) und Sunday Storm (10 min Levels) haben die flachste Struktur, wobei win2day eine bessere Level-Zeit hat und ein klar schwächeres Turnierfeld. Sogar bei der CAPT Deep Stack Struktur hat man über fünf Stunden, bevor man in der "All in Gefar" Zone landet. Man muss in Betracht ziehen, dass man bei Onlinen Turnieren zeitmäßig im Schnitt mehr Hände bekommt als im Vergleich zu den Live Turnieren! In diesem Fall kann man damit rechnen, dass man im Online-Turnier in 15 min soviele Hände bekommt wie im live Turnier in rund einer Stunde.

Hier ein frisches Beispiel zum Beweis, dass bei Online Turnieren viel looser als bei Live Turnieren gespielt wird: Ich spielte am 16. Januar, wie so oft am Sonntag, das Big Sunday auf win2day. Wir waren schon in Level 6, und von den gestarteten 44 Spielern (es gab sechs Gewinne) war fast nur noch die Hälfte im Spiel. Nach einigen schlechten Entscheidungen und Bad Beats kam mein mageres Stack in die "All in Gefar" Zone (M war weniger als 6). Ich bekam am Button die Phill Helmuth Lieblings-Hand: zwei schwarze neuner 9c9s. An meinem Tisch gab es immer ein oder mehrere Limper. In diesem Pot war nur ein Limper, und ich dachte, einen guten Pot zu pushen. Falls ich auf "Standart" 450 raiste, was fast 25% von mein stack bedeutete, und jemand mich all in reraiste, gab es keinen Weg mehr zurück. Also gedacht getan, ich Pushte All-in für 2019 und bekamm nur einen Call vom Small Blind, von „feliceko“.

Nach dem Showdown war ich erstaunt, mit welcher Hand mein Gegner einen so großen Teil von seinem Stack riskiert hatte. Von einer Seite her war es OK, dass er gegen mein Paar 99 nur 4 hoch (dazu 2) vorweisen konnte,von der anderen Seite aber hatte das Ergebnis mir nicht gefallen (247 am Flop). Ob er mit Absicht oder aus Versehen gecallt hat, ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass ich solche "seltsamen" Situationen online oft erlebe. Und Live? Hm, ehrlich gesagt diese Spielweise sehe ich nur bei blutigen Anfängern, und das auch ganz selten. Ah, so nebenbei, "feliceko" hat schlussendlich zwischen den besten vier Spielern landen können. Somit qualifizierte er sich für das Main Event beim CAPT Seefeld. Trotzdem war es mein bitteres Ende, herzliche Glückwünsch "feliceko"!

Für demnächst habe ich geplant, die Deep Stack Turniere in Seefeld zu spielen. Hofentlich erlebe ich interessante Situationen, über die ich in meinem nächten Blog berichten werde. NL Holdem ist eine Mode und ein leicht zu erlernendes und sehr schwer zu beherrschendes Spiel. Ich glaube, viele neue Spieler denken nach ein paar Tagen: ,,Wow, ich kann NL Holdem spielen, es ist so einfach“. Das ist sehr trügerisch: Man kann das Spiel in ein paar Tagen lernen, aber um es zu beherrschen braucht man viele viele Jahre!

Euer Ivo,,The Chessmaster"

Ivo Donev

WPT - die „Wunder Poker Tour“

Ivo Donev, 19.12.2011

Hallo Miteinander,

erinnert Ihr euch an meinen letzten Blog? Ich hatte viel Kritik über meine Online-Hand As Qs bekommen. Ich muss zugeben, dass ich diese Hand nicht gut gespielt hatte, und natürlich mache ich auch weitere andere Fehler. Gerade darum poste und versuche ich in meinem Blog meine Gedanken über meine Fehler und verlorenen Hände zu analysieren. Natürlich gab es auch viele interessante Hände, die ich gut gespielt hatte, aber solche Hände poste ich weniger und nur, wenn es etwas Lehrreiches in solchen Händen zu finden gibt. Manche haben sich wirklich gewundert, wie ich so oft bei Live-Turnieren cashen konnte. Aber ich möchte euch auch sagen, dass mir persönlich viele Leute überwiegend bestätigt haben, dass mein Blog vollkommen o.k. ist. Mir gefällt der Spruch: "Neid ist die höchste Stufe der Anerkennung".

Anfang Dezember war Prag ein Magnet für viele Poker Spieler aus ganz Europa
Es war fast ein Wunder, wie viele Spieler bei der World Poker Tour Prag teilgenommen hatten. Mit 571 begeisterten Pokerfans und 3.500 € Buy-in wurde bei dieser WPT ein neuer Teilnehmerrekord verzeichnet. Somit war es die größte WPT, die in Europa je stattgefunden hat. Zur Erinnerung: Bei der ersten WPT in Slowakia-Bratislava 2009 waren nur 100 Teilnehmer am Start.(http://en.wikipedia.org/wiki/World_Poker_Tour_season_8_results)
Vielleicht hatte heuer auch die Second Chance geholfen, etwas mehr Teilnehmer zu generieren. Viele Profis, die an Tag 1A ausgeschieden waren, hatten die Möglichkeit genutzt, am Tag 1B wieder einzusteigen.
Dank des Hotel-Managers Frank Koopmann hatte ich einen besonders günstigen Preis in dem gehobenen Fünf-Sterne-Hotel Corinthia Tower (http://www.corinthia.com/en/Prague/home/) bekommen, wo auch das Kings Casino beheimatet ist. Das Hotel bietet alle möglichen Annehmlichkeiten: Super Spa-Bereich inkl. Fitness Center, Swimming Pool und Sauna und überall Internet Anschluss! Dies ist übrigens zukünftig immer über Frank Koopmann vom Kings Casino zu einzigartigen Konditionen buchbar!

Ich spielte am Tag 1 B. Die Struktur war ungefähr so gut wie bei der EPT: 30 000 Startkapital, eine Stunde Level, der erste Level 50-100, also eine ziemliche Deep Slow Struktur. An meinem Tisch waren viele unbekannte Spieler und ein Weltmeister namens Fabrice Soulier. Nach dem zehnten Level hatte ich es geschafft, 120 000 einzutüten.

Tag 2
Ich fühlte mich ziemlich gut mit meinem 120 000er-Stack (über average 80k) und bekam einen neuen Tisch. Wir spielten Level 11, 600/1200+Ante 200. In mittlerer Position erhöhte ein junger Italiener Marco Bognanni (auf Platz 1) in mittlere Position auf 2500. Alle foldeten zu mir am Button und ich erblickte wie ein Uhu, wie zwei rote Asse in meiner Hand strahlten. Wie sollte ich nun spielen? Mein Gehirn rechnete auf einer hohen Stufe und meine Hände folgten den Gedanken: Reraise auf 7000, hoch genug um die Blinds zu verjagen, und nicht zu hoch, um den ursprünglichen Raiser in die Falle zu locken.Flop Js 9h 6d. Marco checkte, ich verlangte 10 000, Marco callte.
Hm! Dieser schnelle Call hatte mich etwas beunruhigt. Es wäre optimal, wenn er Top-Top (Top Paar, Top Kicker) haben würde (A J) und es bedeutete eine Katastrophe für mich, hätte er ein Set Buben, Neuner oder Sechser. Turn 2s; Vorsicht zusätzliche Flush-Gefahr! Er checkte brav zu dem Aggressor. Was nun? Er hatte in diesem Moment um die 70 000 und ich um die 100 000. Jetzt dachte ich: Falls ich setze und ein Raise bekommen würde, stünde ich fast sicher auf verlorenem Posten. Aber wenn ich checke, um den Pot zu kontrollieren, vermeide ich das gefährliche Checkraise und verstecke damit meine Hand. Auf diese Weise wird mein Gegner fast sicher denken, dass ich den Flop nicht getroffen hätte und selber am River setzen. River Kd. Plötzlich ,,ohne mit der Wimper zu zucken" schob Marco sein gesamtes Stack in die Mitte All-in für 70 000. Wow! Was bedeutete dieser gewaltige River-Bet, der um die doppelte Pot Größe war? Ich begann tief nachzudenken. Sehr schnell hatte sich herausgestellt, dass solch ein riesiger River-Bet eine Bombenhand in Richtung Nuts oder ein Bluff bedeutete. Je mehr ich nachdachte desto weniger fand ich einen Grund für Marco, so einen verrückten Bluff zu riskieren. Was könnte ihm dieser König am River helfen? Eine Straße vervollständigen? Nein, das darf nicht wahr sein, kann er mit Q T vor dem Flop und nach dem Flop zahlen? Da ich nun wirklich im Dunkeln tappte und große Bauchschmerzen bekam foldete ich offen meine Asse. Marco schnappte den riesen Pot und sagte: "Good Decision, I have QsTs".

"Gute" gegen "schlechte" Coin-Flips
Im Turnier-Poker in späteren Phasen Coin-Flips zu gewinnen, ist extrem wichtig, weil oft der Ausgang von solchen Schlachten bedeutet: Raus aus dem Turnier oder rein in das Preisgeld. Ich unterscheide zwei verschiede Arten von Coin-Flips. Nehmen wir an, eine Seite hat A K oder A Q, die andere ein gutes Paar wie z.B. J J oder T T.
a) Gute Coin Flips, wobei man selber das letzte große Raise macht und die andere Seite vor die Entscheidung stellt, All-in zu callen. In diesem Fall arbeitet das fold equity auf unserer Seite.
b) Schlechte Coin Flips - mein Gegner hatte das letzte große Raise gemacht und mich All-in gestellt. Jetzt bin ich verzweifelt, ob er nicht ein größeres Paar hat und ich in einer ganz schwierigen Lage bin.

Fazit: Wer den letzten Schlag im Coin-Flip-Battle setzt, der hat leichte Vorteile!
Bis Level 13, 1000/2000+300 hatte ich mein Stack leicht aber kontinuierlich entwickelt. So hatte ich bei den letzten 150 Spielern leicht über Average mit um die 140 000. Alle foldeten bis zum Cut off, außer einem jungen Russen, der auf 4500 erhöhte. Alle foldeten bis zu mir im Big Blind und ich fand meine "Angst-Hand“ A K suited. Weil ich out of Position war, wollte ich den Pot sofort gewinnen. Ich begrüßte meinen Gegner mit 13 500 Reraise. Mein sturer Gegner wollte nicht aufgeben und reraiste wieder auf 38 000. Ich warf schnell einen Blick auf sein Stack - etwa fast so groß wie meines. Jetzt könnte ich nur folden oder All-in pushen. Ich hatte mich für die zweite Option entschieden und nach kurzer Überlegung sagte der Russe: "i have to call" und sprang auf den "All in Zug". Dann öffnete er sein rotes Damen-Paar Qd Qh. Das Bord half mir leider nicht und der Russe gewann einen Pot von circa 280 000. Mit diesem Stack (average war gegen 110 000) schaffte er es locker in das Preisgeld, ich dagegen ging in Richtung Swimming-Pool, um meine negativen Gefühle zu kühlen.
Trotzdem hatte mir dieses Turnier Spaß gemacht, und 2012 werde ich sicher wieder einige WPTs spielen.

Win2day - Online Hand des Tages
Es ist der erste Sonntagabend im Dezember und ich spielte die „Winter Night“ mit 55 000 garantiertem Prizepool. Irgendwann nach circa 2,5 Stunden Spielzeit bei Blinds 150/300 raiste ich UTG mit Paar 77 auf 825.

Ich bekam zwei Mitspieler, die klar einen größeren Stack hatten als ich. Nach dem Flop machte ich keinen conti-bet. Denn mit dem lediglich dritthöchsten Paar, ist das gegen zwei Gegner, die oft callen, einfach zu gefährlich.
Nach dem aber meine beiden Gegner am Flop gecheckt hatten, folgte der so genannte verspätete "conti bet" 2418 am Turn:
Nur ein Gegner war geblieben, der, so vermutete ich, in einer Drawing-hand war.
Am River kam eine unbedeutende 2h, die meinem Gegner höchstwahrscheinlich nicht helfen konnte. In solchen Situationen finde ich am besten, gegen eventuell geplatzte Draws zu checken. Mein Gegner schoss circa Pot Größe hinein, um mich All-in zu setzen. Er könnte eventuell auch eine große Hand haben wie Full House, aber warum mit Full House mich All-in setzen, fragte ich mich? Darum war mein Call nicht schwer, er zeigte mir Qc 7c für einen geplatzten Flush Draw.

Dankbar, durch diesen Pot habe ich es später doch ins Geld geschafft und schlussendlich konnte ich auf 41 Platz (von 970) beenden.

Euer Ivo ,,The Chessmaster"

http://www.ivodonev.com


Ivo Donev

Texas Holdem - sieht so einfach aus und ist doch so kompliziert!

Ivo Donev, 1.12.2011

Hallo alle miteinander,

Die WPT, wohl ein Begriff für jeden Pokerspieler, war am 16.11.2011 zu Gast im Kings Casino Rozvadov; was Anlass für mich war, ein drittes Mal in diesem Jahr an die deutsch-tschechische Grenze zu fahren. Ich habe mich für Tag 1A eingekauft und 6 Levels ohne besondere Vorkommnisse überlebt. Zu guter Letzt bin ich ohne jede Chance ausgeschieden. Das Gute war hier aber, dass ich an Tag 1B wieder spielen konnte und zwar mit vollem Stack von 20.000. Ich persönlich finde eine second Chance eine gute Idee, die viele Spieler auch gerne in Anspruch nehmen.

Optimistisch startete ich in Tag 2, an einem Tisch mit mehreren für mich bekannten sowie unbekannten Gesichtern.
Leider sind Poker Turniere keine Wunschkonzerte und schon in Level 2 bei Blinds 50/100 verliere ich einen Monsterpot mit AA (small Blind) gegen AT (Button) - etwa 18 000, was fast meinen halben Stack kostete.

Es läuft schon Level 3, die Blinds 75/150 und ich versuche mich aus dieser misslichen Lage zu befreien. Alle folden zu mir und ich finde in später Position A Q, ich verlange Standard 400, unmittelbar hinter mir, ein online Qualifikant hat aber andere Pläne und hebt die Flop Latte auf 800. Der Rest foldet und ich nehme dieses Angebot gerne an. Mit diesen hervorragenden Pot Odds (400 für 1425) und meinem mageren Stack (um die 9 000), ist dieser Call am Flop sogar wenn ich gegen KK spielen muss eine Pflicht.
Der Flop ist wie ein Wunschkonzert A 2 3 Rainbow. Ich checke vorsichtig gegen meinen unerfahrenen Gegner, der nach kurzer Überlegung nur 800 setzt. Hm - Was soll dieser bescheidene Bet bedeuten - KK, QQ als conti Bet ... oder AA als fishi Bet...

Das sind nur Vermutungen, ich brauchte noch mehr Infos, um die Lage klarzustellen: darum calle ich einfach. Der Turn bringt eine 7. Ich checke am Turn wieder gegen den Aggressor, weiß aber nicht, was ich machen werde, wenn mein Gegner jetzt hoch setzt. Wahrscheinlich muss ich dann folden ... Zum Glück checkt auch er. Wenn er checkt, ist meine Hand mit AQ im Moment sicher die bessere Hand. Der River brachte das Ass - Yuppie! Jetzt aber bin ich mir absolut sicher, dass ich gewinne. Meine Aufgabe war nun zu überlegen, wie ich das maximale aus dieser Situation hole. Im Pot waren um die 3000 - ich darf aber nicht gierig sein, sonst werde ich meinen Gegner mit großem River value Bet erschrecken. Ich biete ihm nur 1600 an und er beginnt nachzudenken. Das war ein gutes Zeichen. Jetzt war ich mir sicher, dass mein ,,read" richtig war. Also er hat entweder ein großes Paar wie KK, QQ, JJ oder ein Ass mit schwächerem Kicker.

Schlussendlich callte mein Gegner mit tiefem Seufzer, ich drehte stolz meine AQ um. Aber was geschah da, mir wurde schwindlig der Pot wanderte in die falsche Richtung! Der Däne drehte doch tatsächlich AK um. Das einzig Gute war, dass ich noch am Leben bin, am River war ich nämlich bereit ein All-in zu zahlen!
Schlussfolgerung: ,,Nicht alles was glänzt, ist Gold“; also nicht immer eine anscheinend sehr starke Hand gewinnt!"

Nach nur 10 min. bekam ich in mittlerer Position Js Jd und raiste wieder auf 400, dieses Mal callte mein Schattenmann - der Däne - nur, sowie noch zwei weitere Optimisten. Der Flop J Q 9 Rainbow. Bingo! In dieser Situation gebe ich meinen Gegnern kein Set off QQQ, weil alle drei mit Mühe vor dem Flop callten. Ich feuerte einen ,,fischi" Bet, um die 900. Wieder stellte sich mir mein Schattenmann in den Weg - raitse auf 1900, beide andere foldeten, für mich mit meinem short Stack gab es keinen Weg zurück, also All-in um die 5000. Dieses Mal callte er prompt und zeigte mir, was ich mir nie erträumt hätte, nämlich K T fürs Nuts. Keine Hilfe am Turn und River und Feierabend! Nach diesem kurzen Harakiri fühlte ich mich wie ein Schauspieler der im falschen Film gelandet ist! So schnell wurde ich noch nie bei einem Deep Stack Turnier (20k Start Chips 1h Level) vernichtet.

Trotzdem habe ich auch positive Erlebnisse von diesem Turnier gespeichert.
Ich war kurz am Tisch mit einem besonderen Spieler, der sogenannte ,,Magic Man". Er spielte wie immer mit weißen Handschuhen (ala Michael Jackson).Hier ein kurzes Video mit Magic Man: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=LSWpsTw6bCA#!

Eine traurige online Hand
Bei Online Spielen läuft die Zeit brutal schnell ab ... An einem klassischen Turnier im November ist mir neulich folgende Hand untergekommen: Ich habe sehr lange mit gutem Stack überlebt und es sind von fast 1600 Startern noch genau 201 Spieler im Feld geblieben, wobei nur 200 belohnt werden. Es war also die berüchtigte Bubble Phase.
Das Average liegt bei 157 000 und ich fühle mich gut mit meinen 190 000 Stack bei Blindes mit 3000-6000+Ante 600, eine Runde kostet mich 15k, was für mich ein M 13 ist. Mein Tisch ist ziemlich loose und aggressiv und ich kann mich nicht viel bewegen. So weit so gut .Es läuft der sogenannte Hand-for-Hand Modus und ich bin im Big Blinds mit AsQs. UTG+1 raist auf Minimum 12 000, alle folden bis zum Button (ein extrem loose aggressiver Spieler mit einem Stack von 400 000) der auf 30 000 reraist. Der SB folded und jetzt war ich an der Reihe. Bei Holdem gibt es nicht viele Situationen, wo man drei mögliche anscheinend ,,vernünftige" Entscheidungen treffen kann.
a) folden. So vermeide ich jedes Risiko und lande sicher im Geld.
b) reraisen All-in 190 000 mit AsQs, so werde ich in den meisten Fällen das tote Geld in der Mitte 57 000 gewinnen, aber auch manchmal gegen KK, AA oder AK rennen und Pleite gehen. Natürlich hat ein solcher Move gegen meinen loosen Gegner einen positiven Erwartungswert; aber die Frage ist, ob man in der Bubble Phase ein solches Risiko eingehen muss?
c) callen und nur wenn ich den Flop gut treffe, aggressiv fortsetzen! Hier ist der Nachteil, out off Position gegen das größere Stack zu spielen, was mich vernichten kann.
Also wie Sie sehen alle drei Fortsetzungen haben plus und minus. Nach langem hin und her habe ich mich schlussendlich für den Call entschieden, es war mir zu schade eine so schöne Hand vor dem Flop gegen einen offensichtlichen Räuber zu folden. Der Flop 4s Jd 7s, Wow super Nuts Flush Drow plus zwei Overcards. Jetzt aber muss ich Gas geben. Ich checkte und der loose Räuber setzte erwartungsgemäß um die halbe Pot Größe (40k). Ich puschte All-in und er war blitzschnell einverstanden. So wuchs der Pot knapp über 400 000. Turn 6s River Jc.
Jetzt musste ich wie betäubt sehen, wie dieser Monster Pot zu meinem Gegner wanderte. Logisch weil mein Nuts Flush second best Hand war. Wie ich vermutet hatte, hatte mein Gegner mit Schrott Jh7c drei Bet vor dem Flop gemacht und am Ende wurde er mit einem Full-House belohnt. Ich verspreche euch nächstes Mal werde ich mit großem Stack in der Bubble Phase einfach geduldig abwarten ... immerhin war der 200te Preis 1300$.

Ich freue mich schon sehr auf Anfang Dezember. Dann spiele ich die WPT&EPT in Prag. Ich verspreche euch schon heute viele interessante Hände und Fotos!
Online werde ich auf win2day sicher das €55.000 garantierte Winter Night am 4.12 spielen sowie auch die Big Sunday-Turniere, wo es am 18.12 auch ein €250 Bounty auf mich gibt.

Euer: Ivo ,,The Chessmaster"


Ivo Donev

Poker EM - Das Main Event

Ivo Donev, 11.11.2011

Heute ist ein interessantes Datum, nämlich der 11.11.2011, und ich habe noch dazu gerade um 11.11 Uhr begonnen, meinen ersten November Blog zu schreiben. Es geht hier um das Main Event bei der Poker EM in dem schönen Baden bei Wien. Mein täglicher Weg zum Casino begann für mich immer mit einer Stunde in der Römer Therme.

Zum Event selbst: 4.000€ Buy-in ist doch relativ eine ziemlich hohe Summe, deshalb waren bei diesem Turnier wohl kaum Fische sondern eine bunte Mischung von überwiegend Profispielern, live Sattelite- und Online win2day Qualifikanten.
Die Struktur war ziemlich deep, fast wie bei der EPT: 30 000 Chips und 1h Level. Gestartet wurde sogar bei 25/50, ein Traum für geduldige Spieler! Trotzdem konnte ich am ersten Tag nicht mein bestes geben und hatte daher mit nur 17 900 den Tag 1 beendet.

Am zweiten Tag setzte sich die Achterbahn in die falsche Richtung wieder fort, bis ich schon das Messer an meinen Knochen spürte, ich hatte nur 3500 Chips bei Blinds von 300/600+Ante 75, was bei einem Average von über 65 000 theoretisch den klinischen Tod bedeutete. Endlich bekam ich in Level 8 Jc Jd und schob All-in, was meinen jungen Gegner Johannes Holstege mit seinem Big Stack nicht beeindruckte und er mich bei diesem bescheidenen Betrag unterstützte. Beim Showdown gewann ich gegen seine 6d 7d und somit bekam ich wieder etwas Luft. Es folgte noch eine Verdopplung mit 9c 9d gegen Bobby G mit 8c 8d, somit war ich back in the Game. Schlussendlich war Tag 2 wesentlich besser gelaufen, und nachdem ich mit 6h 6s gegen Sandra Najokos Ad Jc gewonnen hatte, beendete ich diesen Tag mit 121 100. Jetzt war meine Welt plötzlich wieder in Ordnung!

Wir waren am Ende von Tag 3 und spielten im Level 16 mit 2000/4000+Ante400.
Robert Zipf, bekannt als Tarzan, raiste UTG auf 8000 und alle foldeten zu mir im BB. Ich sah bei mir Qs Ts und hatte wunderbare Pot Odds, darum callte ich. Aber Vorsicht! ich bin out of Position, und mein tighter Gegner lag momentan sicher vorne. Nach dem Flop aber hatte sich alles geändert: A d K d Jd, leider alle in Karo. Ich checke vorsichtig mit meiner Straße und sah, wie Robert seine Karten erneut anschaute. Dann folgte eine gewaltiges Overbet, All-in für circa 60 000! Was konnte das wohl bedeuten? Er schaute seine Karten wiederum an, wahrscheinlich ob ein Karo in seiner Hand war. Wenn er zwei Karo hielt, hätte er sich das sicherlich leicht gemerkt und nicht wieder kontrollieren müssen! Und weiter glaubte ich, dass er kein Set hatte, denn wenn er eines hätte (z.B. AA, KK, JJ) dann suchte er sicher kein Karo. Er hatte wahrscheinlich ein Ass und ein große Beikarte in Karo wie Qd, weshalb er All-in spielte. Mein Call war leicht, denn ich lag mit meiner fertigen Nuts-Strasse gegen seine Drawing-Hand vorne. Turn: 6h River 8d. Robert war überglücklich über seinen Flush (As Qd) und hatte mich freundlicherweise gefragt, ob er einen Tarzanschrei loslassen könne. Ich hatte zugestimmt und seine tolle Stimme genossen! ( siehe ab min 1,30: http://www.hochgepokert.com/2011/10/30/poker-em-tag-3/)

Bald war Tag 3 zu Ende. Ich konnte zum zweite Mal (2008 war ich Sechster) den TV Final Table erreichen.
Am Final Table hatten fast alle Spieler sehr zurückhalten gespielt. Die Gründe warum die Spieler am TV Table meistens tight spielen sind logisch:
a) ,,Die ganze Welt" schaut auf deine Karten und kontrolliert, wie du spielst. Also keinen Blödsinn machen!
b) Die Preise steigen gewaltig an. Jeder Fehler kann dir tausende an Euros kosten.
c) Am Finaltisch sind die Blinds sehr groß im Vergleich zu den Stacks, darum gibt es meistens raise - fold oder raise - reraise all in, also bleibt nicht viel Spielraum.

Ich hatte nicht besonders gute Karten bekommen und konnte meinen Stack nicht gut nach oben entwickeln. Im Level 19 waren nur 6 Spieler geblieben. 10k/20k+Ante 3k, also kostete eine Runde 48 000! Ich, Khiem Nguyen und Chris Lastiwka waren short Stack mit unter 300 000 Chips.
Plötzlich in UTG pushte Khiem für etwa 280 000 All-in. Alle foldeten zu mir, und ich fand eine ziemlich starke Hand mit Ah Kh für Short Hände. Was nun?
Die Gründe für ein Fold:
a) Mit Ah Kh hatte ich in dieser Situation kein Fold Equity bei meinem Gegner.
b) Der fünfte Platz brachte 11 000 Euro mehr, also konnte man auch abwarten, denn eventuell schieden die anderen Short Stacks vor mir aus.
c) So ein hohes Raise von einem UTG Spieler wies auf eine sehr starke Hand hin wie ein großes Paar A A-J J oder A K , A Qs. Gegen diese Range schneidet mein AKs mit 45% gegen 55% als Underdog ab.

Die Gründe für ein Call
a) Meine Hand war sehr stark. A K suited ist auf der dritten Stelle mit QQ hinter AA und KK.
b) Mit meinen 300 000 hatte ich leicht über 6 M, außerdem war es schwer, so ein gute Hand zu folden.
c) Wenn Khien UTG All-in spielte hatte er wahrscheinlich kein AA oder KK, und er ist ein Spieler, der überhaupt sehr schwer zu einzuschätzen ist.
d) Khien war für mich der beste Spieler (meistens bis Tag 4 Loose Aggressiv) am Tisch, und wenn ich ihn ausschalten würde und mich verdoppeln könnte wäre ich sehr weit nach vorne gekommen.
d) Ich werde 5 Karten sehen, was für ein Preflop All-in mit Ah Kh gut ist.

Das waren meine Gedanken, bevor ich den Call in Erwägung zog. Hier eine Erweiterung von Gründen, um einen fragwürdigen Call von jemand, den ich in meiner Pokerkarriere erlebt hatte:
„Ich habe die Schnauze voll von schlechten Karten darum calle ich mit any two cards, um meine Leiden zu beenden“.
„Ich wollte nach Hause gehen, da ich mich am Abend bei einem anderen onlineTurnier angemeldet hatte u.s.w."

Der Rest ist Geschichte. Ich callte und stand mit meinen Ah Kh als underdog (34% gegen 64%) gegen Khiens KK. Nachdem ich diesen Schlüssel-Pot verloren hatte, war bald Feierabend und ich war wieder als Sechster ausgeschieden. Hier ist der Link für das Endergebnis: http://www.casinos.at/uploadNew/98df0293-0005-4b3e-a6f5-2a58ba863e64.pdf

Später hatte ich meinen Poker-Kollegen Jeff Lisandro angerufen und ihm die Hand detailliert beschrieben. Er sagte mir, dass All-in mit AKs in dieser Situation richtig gewesen wäre! Das hatte irgendwie mein ungutes Gefühl ruhig gestellt. Nachdem ich das November-9 Final Table mit Heinz Pius gesehen hatte, erkannte ich einige neue gute Ideen von Heinz und versuche nun bei meinem nächsten Final-Tisch diese Ideen anzuwenden!

Super Hyper Blitz extrem Turbo Tripple shootout Turnier - The Winner takes it all
Im Oktober hatte ich erwähnt, dass es theoretisch möglich ist, für kurze Zeit ein Online Turnier mit 1000 Spielern durchzuführen.
Hier ein Beispiel:
Zuerst spielen 1000 Leute an 100 Tischen das so genannte ,,One Hand Sattelite", also alle All-in vor dem Flop. Der Sieger geht dann weiter in der nächste Runde. Falls sich Split Pot ergibt, wird noch eine Hand auf gleiche Weise gespielt.
Im so genannten Halbfinale werden die überlebenden 100 Spieler auf gleiche Weise Ein Hand Sattelite spielen und die glücklichen 10 Sieger bilden das Final Table. Am Final Table wird auch im gleichen Modus gespielt und am Ende gewinnt der superglückliche Sieger das gesamte Preisgeld.
Das ganze Theater kann sogar nur einige Minuten dauern, und logischerweise ist hier der Glücksfaktor 100%!
Die positiven Aspekte bei so einem ,,Tombola" Turnier sind gering, aber trotzdem, man muss noch nicht einmal die Pokerregeln kennen, man erspart sich viel Zeit und viele Bad Beats usw.
Ich habe selber mehrere solche ,,Ein Hand Sattelite" vor dem LIDO Turnier im Amsterdam erlebt! Und glauben sie es oder nicht, es gab sogar eine Warteliste, und viele Gambler haben sich echt amüsiert!
Ähnliche Systeme gibt es auch bei Casinos Austria mit den gratis grünen Paroli Jetons. Wenn man eine Zahl drei Mal hintereinander trifft, bekommt man 7.777€.
Mein Plan in näherer Zukunft beinhaltet das WPT Rozvadov, Anfang Dezember bin ich für eine Woche in Prag, wo ich mehrere Turniere rund um das WPT und die EPT spielen werde.
Hoffentlich läuft es in Prag wie in meinem Haus Casino Bregenz, wo ich letzte Woche das 300€ Wochenende Turnier gewonnen habe.

Der letzte ,,Full Tilt Pro"
In Baden bei der 250€ Bounty (hatte ich sogar als Zweiter beendet) war an meinem Tisch der letzte Full Tilt Fan. Er präsentierte stolz seine T-Shirt: I knocked out A Pro AT, und erzählte mir, dass solche T-Shirts sehr schwer zu bekommen sind, und zwar nur, wenn man beim Bounty Online Turnier einen Full Tilt Pro eliminiert hatte. Es war lustig, mit so einem echten Gambler zu spielen.

Auch andere Poker Giganten hatte ich an den Tischen bei der Poker EM getroffen wie den allerersten WSOP Bracelet Gewinner aus dem deutschsprachige Raum, nämlich Matthias Rohnacher:
http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Rohnacher


Viel Glück und gute Karten am grünen Tisch wünscht
Euer Ivo,, The Chessmaster"


Ivo Donev

Capt Baden and the „New Poker Generation“

Ivo Donev, 4.11.2011

Hallo alle miteinander,

Die Capt Baden ist ein Muss für jeden Poker Freund im deutschsprachigen Raum! Egal in welchem Bereich, ob Turniere, Cash Games oder Gastronomie, Casinos Austria ist da ein echter Europameister!

In der letzten Zeit dominieren bei den Pokerturnieren die jungen, so genannten New Poker Generation Spieler. Ich beobachte immer wieder, wie sie spielen und stelle fest, dass sie teilweise absolut furchtlos sind, typisch dafür sind Moves wie beispielsweise hyperaggressive Spielweisen mit sogar 3, 4 oder 5 Bets vor dem Flop mit heißer Luft! In bester Erinnerung habe ich die 6 Bet vor dem Flop von Max Heinzelman mit A 6 gegen AA von Shaun Deep bei der WSOP 2011. Hier können Sie es selber sehen: http://www.youtube.com/watch?v=gGijqHx1dDA

Ich bin der Meinung, dass es beim Poker nicht wie im Sport ist. Nehmen wir z.B. das Generationenduell im Oktober zwischen Thomas Muster (44 Jahre, Ex-Nr.1 der Tennis Weltrangliste ) und Dominik Thiem (18 Jahre), Ergebnis 2 : 6, 3 : 6. Das älter werden ist beim Poker hingegen nicht mit einer Chancenlosigkeit verbunden. Der Grund dafür ist sicher, dass bei Poker wie auch beim Schach die geistige Vitalität im Vordergrund steht, dessen Verfall Gott sei Dank viel länger dauert. Das beste Beispiel für geistige Fitness ist und bleibt Altbundeskanzler Helmut Schmidt. http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Schmidt

CAPT 2k Buy-in, Tag 1
An meinem Starttisch saßen hauptsächlich mir unbekannte junge Spieler. Links von mir war ein zirka 19-jähriges Poker Talent, Gerald K.– ein typischer Vertreter der „New Generation“.

Er hatte mit Abstand die meisten 3 Bet vor dem Flop gemacht. Es lief Level eins 25/50 und immer wenn ich raiste, bekam ich als Begrüßung eine 3 Bet von diesem jungen Spieler. Diszipliniert foldete ich, weil „… und täglich grüßt das Murmeltier“. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll von diesem Jungen und ich bastelte folgendes Kunststück: Es war Zeit, ihn nun zu bremsen und raiste in später Position mit 3c 4c auf 150, er wie eine kaputte Schallplatte 3 Bet auf 400, ich 4 Bet 1300, er 5 Bet 3500. Ich wollte ihm weiter von meiner Geschichte, dass ich eine absolute Bombe haben würde, weiter überzeugen, also 6 Bet 8200. Endlich überlegte er lange und … foldete missmutig. Absichtlich zeigte ich ihm eine 3 in Kreuz. Er traute seinen Augen nicht und schüttelte den Kopf – diese meine Strategie hatte gesessen. Ab diesem Zeitpunkt wurde es ruhiger am Tisch, vor allem hatte er mich und meine Bets dann respektiert. Ich möchte dazu sagen, dass ich so eine Schaukelei mit Luft ganz selten mache und natürlich nur bei bestimmten Situation gegen bestimmte Gegner! Somit hatte ich Tag 1 erfolgreich mit über Average von rund 48.400 beendet.

Nun zu Tag 2 - Level 11 – 1.000/2000, Ante 300
Rechts von mir am Button saß „New Generation“ Clemens Manzano. Inzwischen war mein Stack auf ca. 35.000 geschrumpft. Alle foldeten bis zum Cut-off Mario Puccini, der mit 2.500 ein Steal versuchte. Clemens war noch gieriger als der andere gefräßige Geier und erhöhte auf 6.500. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, was da in meinem Kopf vorging, als ich zwei Könige im Small Blind erblickte. Während ich meine Chips zählte und sortierte überlegte ich, wie hoch das beste Reraise aussehen könnte. Und dann kam das unglaubliche Statement von Geier Clemens, er sagte wortwörtlich: „Ivo, wenn du ein paar Könige in den Händen hältst dann schieb alles rein!“
Ein kurzer Gedanke schoss durch meinen Kopf, hatte er tatsächlich die Asse, nein, das konnte doch nicht sein. Ich folgte seiner Beratung und ging All-in. Big Blind und Mario foldeten sofort, aber Clemens callte und zeigte mir tatsächlich die Asse. Somit war ich ausgeschieden und Clemens erreichte mit meinen Chips den zweiten Platz. Dafür ein großes Kompliment und herzlichen Glückwunsch, Clemens!

EM Super Sattelite
Als wir an den letzten beiden Tischen angelangt waren (13 Tickets wurden vergeben), entstand folgende Situation. Die Blinds waren bei 1200/2400 mit 300 Ante. UTG erhielt ich ein paar Asse und erhoffte eine Action, aus diesem Grund machte ich ein Raise auf 5.000, was an diesem Tisch zu dieser Zeit Standard war. Alle bis zum Big Blind muckten ihre Karten außer im Big Blind ein „Big Ungar“ der versuchte (fast immer), seine Blinds zu verteidigen. Am Flop kam Q J J rainbow, und wie erwartet checkte er zu mir. Ich machte ein Contibet von 5.000 und er callte instant. Bei mir läuteten die Alarmglocken … ich dachte, er hat entweder Q oder J getroffen. Am Turn kam eine weitere Dame. Als der Ungar checkte, dachte ich mir: Sollte er eine Dame oder Buben haben, ist das Spiel für mich vermutlich verloren, also checkte ich ebenfalls. Am River kam unglaublicher Weise noch eine Dame, somit lag folgendes Bord: QJJ Q Q. Der Ungar checkte wiederum. Als ich so am Grübeln war, fiel mir die letzte Partie von Scotty Nguyen gegen Kevin McBride beim WSOP 1998 ein. Damals lag ein Full House auf dem Bord (8 9 9 8 8), und Scotty(J 9) stellte Kevin am River All-in, nach kurzem überlegen callte Kevin (mit Q T) und sagte „I play the board“. Scotty aber könnte das Bord verbessern und gewann somit den Weltmeistertitel und 1.000.000 Dollar.
Hier sehen sie selber: http://www.youtube.com/watch?v=IY8qMqTM7dE

Aus diesem Grund setzte ich am River sehr hoch circa 30.000 und war von seinem schnellen Call überrascht und der Ungar sagte ,,i have Full House“ und präsentierte stolz J T. Somit gewann ich mit etwas Glück diese Schlüsselhand, aber im Nachhinein verstand ich auch seine Spielweise gut.
Punkt 1: Vor dem Flop callte er wegen seiner guten Pot Odds, 2.600 für 11.000.
Punkt 2: Am Flop checkte er mit seinem Bubendrilling, um mich in das Spiel zu locken.
Punkt 3: Am Turn checkte er, da er vor A Q Angst hatte.
Punkt 4: Am River callte er meine große Bet, da er auf eine Teilung hoffte.
Somit hatte ich mich für das Main Event wieder qualifiziert, da der Ungar anschließend ziemlich schnell als Bubble ausschied.
Viel Glück am grünen Tisch wünscht euch allen

Euer Ivo ,,The Chessmaster"

Ivo Donev

GCOP VI und einige interessante Hände!

Ivo Donev, 25.10.2011

Hallo liebe Leser,

Das Leben ist wie ein Kartenspiel. Die Hand, die du gedealt bekommst, ist Schicksal, wie du sie spielst, freier Wille!" Jawaharlal Nehru - Ministerpräsident Indiens (1947-1964).

Pokerturniere ziehen viele Spieler in die Casinos, wenn ein großer Preispool garantiert wird. Zum Beispiel fand im Oktober ein Turnier mit garantiertem 200 000€ Preisgeld und 1100€ Buy-in im Kings Casino in Rozvadov statt.

Aber auch online gibt es diese positiven Aspekte, wie win2day zeigt: Eine Jaguar XF 2,2D im Wert von 56.000 Euro als erster Preis am 6. November 2011, und dies bei einem bescheidenen Buy in von 35 Euro, erlaubt sind aber fünf freiwillige Rebuys. Ich habe mich für dieses Turnier selbstverständlich angemeldet, weil ich sicher bin, dass diese Chance von vielen Spielern wahrgenommen wird.

Zurück zum „Kings“: Besonders hat mich die Idee des Kings Casino Besitzers beeindruckt, dass direkt an der Grenze bei der Anreise nach Tschechien ein großer Werbebanner über der Straße hängt.

Interessant hier bei dem deep stack Turnier ist die Second Chance. Ich habe darum extra an Tag 1 A gespielt, denn dann kann ich falls ich ausscheide an Tag 1B noch einmal starten.

Vor dem Flop oder nach dem Flop - das ist die Frage!
Eine der wichtigste Entscheidung bei NL Holdem ist oft, ob man seine Chips vor dem Flop All-in bringen sollte beziehungsweise den Kampf auf das Post-Flop Spiel vertagen sollte. Hier ein Beispiel von Tag 1A, wo ich die ,,falsche" Entscheidung getroffen hatte.

Nach zirka eineinhalb Stunden war mein Stack brutal zusammengeschrumpft, ich hatte einige Fehler gemacht und zwar von 20 000 auf circa 8400. Dann bekam ich endlich im Level 2 bei Blinds 50/100 in mittlerer Position AK und raiste Standard auf 300. Meiner Meinung nach muss man nicht mit AK sehr hoch vor dem Flop raisen, weil damit oft im Spiel Hände wie AQ, AJ und andere schwächere Asse zugelassen werden. Es ist nämlich ein sehr wichtiger Punkt in NL Turnieren, dass man noch vor dem Flop die gegnerischen Karten dominieren kann. Alle foldeten zum Big Blind, der sich plötzlich gierig zeigte und den Flop Preis auf 1000 anhob. Jetzt war ich mir irgendwie fast sicher, dass er etwas wie AQ oder AJ halten würde, um nun das Maximum aus dieser Situation herauszuholen, brachte ich 4 Bet 8400 All in. Er callte aber sofort für rund seinen halben Stack und zeigte mir AQ. Der Flop war K Q 2, dann folgte 3 und ...Q! Offensichtlich ist, wenn ich nicht vor dem Flop All in geschoben hätte, wäre nach dem Flop oder am Turn (weil ich Chips hatte, um meine Hand zu schützen!) wahrscheinlich der Pot zu mir gewandert! Auf der anderen Seite ist es mit AK mathematisch betrachtet meistens gut, alle fünf Karten zu sehen.

Aber wie oft hat jeder von euch Situationen gehabt, die sich erst im Nachhinein als richtig oder falsch herausstellten, dass vor oder nach dem Flop die schweren Angriffe gelegt werden sollten?
Als Tipp nur eine einfache Hilfe. Wenn man Position hat, ist es besser, den Angriff nach den Flop zu verlegen. Wenn man keine Position hat ist meistens besser, vor dem Flop schwer anzugreifen, denn ein Pre-Flop All in neutralisiert den Positionsvorteil des Gegners. Natürlich gibt es auch andere Faktoren wie Größe des Chip Stacks, wie gut mein Gegner nach dem Flop spielt, die Möglichkeit einer Second Chance und so weiter.
Aber allgemein ist Holdem ein Positionspiel, und oft beeinflusst die Position die Entscheidungen, wie man bestimmte Karten zu spielen hat.

Nachdem mein Auftritt an Tag 1A kurz und schmerzlos war, bin ich am nächsten Tag 1B wieder eingestiegen. Und startete wieder mit 20 000 Chips bei einstündigen Levels.
Noch im Level 3 hatte ich mich verdoppelt, weil ich einen Nut Flush floppte und mein Gegner sein Top-Paar nicht folden konnte. So hatten wir uns bis ins All in hochgeschaukelt.
Im Level 4, Blinds 100/200, hatte ich circa 36 000 und es passierte folgendes:
Alle folden zu mir am Cut off, wo ich mit zwei schwarzen Zehnen Tc Ts 500 verlange. Nur die beiden Blinds unterstützten meinen bescheidenen Betrag. Der Flop war wie gewünscht: Td 6h 2c Rainbow, also absolutes Nuts. Beide Blinds checkten brav zu dem Preflop-Aggressor und ich....checkte ebenfalls. Warum? Weil bei solch einem Flop die Blinds wahrscheinlich gar nichts getroffen hatten. Egal wie klein ich wette, diese würden fast immer folden. Natürlich kann jemand denken, dass einige Straßen am Turn vervollständigt werden könnten, aber ich hatte fast den zweifach größeren Stack als meine Opponenten und ich wollte mit einer großen Hand einen großen Pot spielen! Turn Ac. Jetzt plötzlich wurde da etwas gerochen, und der Small Blind wettete 800, und es kam ein Instant Call vom Big Blind. Was für eine angenehme Musik für meine Ohren! Jetzt war für mich Ende mit dem Slowplay. Ich raiste auf...2400, das war wohl nicht zu viel, um meine Kundschaft zu verjagen, dachte ich. Beide callten sofort! Wow! Was könnten sie wohl haben? Ein paar Asse, zwei Paar Asse oder Flush draw - das war meine Überlegung. River Jc. Jetzt packte der Small Blinde die schwere Artillerie aus und schoss 6 000 hinein. Der Big Blind verschwand sofort. Ich stand nun wie ein fauler Schüler vor dem Lehrer, der eher schlecht als recht seine Mathe - Hausaugabe gemacht hatte!
Es war mir klar, dass mein Gegner
a) zu 80% Flush
b) zu 20% zwei Paar Asse
haben sollte .Trotzdem glaubte ich nicht, dass ich bei so einem Monster-Flop mein Top-Set gegen backdoor flush verlieren würde. Call, und wie erwartet zeigte mir der Small Blind, was ich nicht sehen wollte: Kc 9c.
Schlussfolgerung: Vor dem Flop Raise auf 500-gut. Nach dem Flop Check-OK. Nach dem Turn Raise auf 2400-schlecht, einfach zu wenig. Nach dem River call 6000-schrecklich. Fold war ein Muss!
Trotz einiger Fehler hatte ich es in Tag 2 geschafft und konnte ( Level 9 400/800 +100) mit einem komfortablen Stack von 78 500 in den Top 12 Chipcount starten.
In Level 12 (800/1600+200) war ich leider schon unter Average mit circa 55 000, ich bekam UTG Ah Qh und raiste auf 4000. Alle foldeten bis zum SB, einem loosen Russen, der ziemlich schnell callte. Am Big Blind war ein solider Rumäne (mit 60 000 Total), er war nicht einverstanden mit uns und hob die Floplatte auf 11 800.
Meine erste Gedanken waren, All in zu schieben. So könnte ich ein Monster repräsentieren und den fetten Pot eventuell ohne Showdown schnappen. Dann nach kurzer Überlegung kam ich zu der Schlussfolgerung, dass der Rumäne sicher eine bessere Hand als meine AQ suitet haben könnte. Nach langem hin und her foldete ich schlussendlich. Der Russe aber war stur wie ein Esel und callte. Flop: J 9 2, es folgte ein kurzer Schlagabtausch: bet, All in, call. Showdown. Der Russe K J off der Rumäne QQ. Jetzt kam das Pikanteste von dieser Geschichte: Turn A, River 2.
Somit hatte der Rumäne den großen Pot gewonnen. Na ja, man kann sagen: wenn ich falsch gespielt hätte, also All in vor dem Flop mit der schlechtesten Hand, hätte ich einen riesigen Pot gewonnen ...
Es lief Level 13 (1000/2000+200), ich fand keine Möglichkeit mich zu verdoppeln. Stattdessen verlor ich die Hälfte meines Stacks mit QQ gegen AT. Jetzt mit den verbliebenen rund 22 500 (M = 4,5) hatte ich ,,leichtes" Spiel: Hopp oder Tropp, also All in oder folden. Es waren nur 35 Spieler ( von 194 Starter) geblieben, und die Preise waren nicht so weit entfernt, 25 Plätze kamen in das Preisgeld. Ich wartete geduldig und alle foldeten zu mir am Button. As 8s war ein Monster für mein mageres Stack, also All in. Falls die beiden Blinds foldeten, würde ich 5000 ohne Showdown gewinnen - ein wunderbares Ergebnis in solch einer Situation. Leider hatte der Big Blind etwas dagegen und sagt etwas wie ,,my Blinds are no free Dinner" und callte. Er zeigt mir AJ. Das war meine letzte Hand im diesem Turnier.

,,Magic Man" ist Stammgast im Kings Casino Rozvadov
Im Turnierpoker muss man Optimist sein, weil immer wieder neue Turniere vor einem liegen, also neue Hoffnungen! Für mich heißt die nächste Hoffnung Casino Austria Poker EM, die ab 24. Oktober stattfindet...
Am Ende eine interessante Aufgabe: Wie kann man in sehr kurzer Zeit ein NL Texas Holdem Pokerturnier mit 1000 Spielern durchführen? Hier einige Voraussetzungen:

a) Jeder kann spielen
b) sogar ohne die Regel zu wissen(!)
c) Schnell und Schmerzloss
d) Spart viele Bad Beats
e) Der Glücksfaktor steigt Richtung 100%
f) Das ganze Turnier kann nur einige Minuten dauern
g) Es wird einen Spieler geben, der alle Chips gewinnt

Euer Ivo ,,The Chessmaster" Donev


Ivo Donev

Bodensee-Championat und eine Online-Win2day-Hand

Ivo Donev, 30.9.2011

Hallo liebe Leser,

„Die Todsünde aller Spieler ist es, schlechtes Spiel und Pech zu verwechseln!“
(Jan Fleming)

Bei Pokerturnieren trifft man immer wieder auf neue und alte Situationen. Ich versuche ihnen überwiegend über fehlerhafte Situationen meinerseits oder meiner Gegner zu berichten. Es ist nicht so schwer, mit ein Paar Assen zu spielen, im Gegensatz dazu ist es aber sehr schwer, mit schlechteren Karten gegen bessere Karten zu gewinnen, oder anders gesagt: Mit einem erfolgreichen Manöver bei einem großen Pot, eine bessere Hand zum folden zu bringen.

Bregenz-Bodensee Championships 13.-18. September
Ich bin schon seit über 13 Jahren Stammgast in meinem Haus-Casino Bregenz. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich wohne genau in der Mitte zwischen Bregenz und Lindau, für die vier Kilometer Entfernung nehme ich gerne mein Fahrrad und kann somit den ständigen Stau in Richtung Bregenz umgehen und genieße dazu noch einen herrlichen Panoramablick auf die Bregenzer Bucht.
Zuerst spielte ich im Casino Bregenz die zwei kleinen Turniere 300€ am 13.09. und 350€ am 15.09. Bei beiden hatte ich gute Chancen, schied aber schlussendlich kurz vor dem Geld als 20. bzw. 26. von circa 170 Spielern aus.

Das Main Event
Es ist sehr lobenswert, dass sich das Casino Austria bemüht, die Struktur bei den großen Turnieren den "Depp Stack" Turnieren anzupassen. Für 1500€ Buy in erhält man schon 15 000 Start Chips, beim CAPT Baden für 2000€ Buy in bekommt man 20 000 Startchips. Sogar bei der Poker EM bekommt man für die 4000€ Buy in 30 000Startchips, genau wie bei den teuren EPT Turnieren!
Wenn die Spieler am Tisch aggressiv-loose spielen, ist meine Strategie solid-tight zu spielen und umgekehrt, wenn die Spieler solid-passiv sind, dann spiele ich loose-aggressiv. Mit anderen Worten: Ich versuche mich an meinen Tisch anzupassen! Es war Level 2 (50/100) und ich hatte einen relativ guten Tisch mit passiven Spielern. In mittlerer Position bekam ich Ks Js und raiste auf 300. An einem loosen Tisch mit vielen aggressiven Spielern hätte ich niemals mit KsJs geraist, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass ich ein reraise bekomme! Zwei Spieler hinter mir, der SB und der BB waren sofort mit meinem Vorschlag einverstanden.
Der Dealer öffnete einen interessanten Flop: D-9-2 Rainbow. Na ja, bei so einem Flop hatte wohl kaum jemand etwas starkes getroffen und dazu hatte ich vier nuts outs. Die beiden Blind Spieler checkten zu mir, und ich machte logischerweise ein Conti Bet mit 600, so wurden die beiden Calling Stations nach mir verscheucht. Nur der Small Blind, ein in der Schweiz lebender Italiener, callte. So stand ich mit ihm Heads up in Position, und zwar gegen einen Hobby-Spieler. Turn - Boom! Zehn. Das Bord D-9-2-T Rainbow, damit hatte ich die absoluten Nuts.
Mein Gegner checkte wieder. Jetzt wollte ich definitiv einen Call, darum wettete ich nur 1000 in den Pot von 2700, wobei mein Gegner den Köder schnell angebissen hatte. Perfekt, dachte ich, schon in Level 2 würde ich einen hübschen Pot gewinnen. Der River brachte Q. Er checkte, und trotz des gepaarten Boards hatte ich immer noch das Gefühl, dass ich vorne liegen würde. Jetzt war der letzte Zeitpunkt gekommen, etwas mehr mit meiner Nuts Straße zu verdienen. Im Pot waren schon 4700, ich verlangte nun 3000. Plötzlich packte der Italiener die schwere Artillerie aus und raiste auf 6000! Wow! Was war los hier? Diese ruhige Calling Station hatte bis jetzt keine Stärke gezeigt, und plötzlich war er so aggressiv. Also dachte ich, er könnte …
a) Full Haus haben
b) oder eventuell drei Damen mit gutem Kicker, etwa QK, QA oder QJ.
Mein erster Instinkt sagte mir, dass ich folden sollte, weil ein doppeltes Raise am River fast immer eine Bomben-Hand bedeutete. Dann aber kamen die Gedanken: Super Pot Odds und ein Amateur, der könnte eventuell drei Damen auch so spielen. Ungern callte ich und sah Quads-Damen. Ich musste sagen, dieser Amateur hatte seine Damen super gespielt, und ich hätte nie im Traum gedacht, dass er so stark war. Vielleicht nur sein Call mit QQ bevor der Flop out of Position gegen vier Gegner war fraglich!? Trotzdem ist dieser Monster Pot mit fast 17 000 in die falsche Richtung gewandert.
Im Level 4, 150/300, war ich im Big Blind mit AJ. Alle foldeten bis zum Cutoff, der auf 800 raiste. Der Button ging mit, und ich wollte ebenfalls mit tanzen. So waren wir zu dritt auf den Raise-Zug aufgesprungen, und die erste Station war A 7 6 Rainbow. Ich checkte brav zu dem Raiser, der aber ebenfalls checkte. Jetzt hatte der Button wohl gedacht, dass es freies Futter gäbe und wettete 1500. Zuerst dachte ich mir: Mit meinem unter average Stack um die 10 - 11000 müsste ich raisen, dann aus irgendwelchen Gründe dachte ich: er hat kein besseres Ass als ich, weil er vor dem Flop am Button mit AK oder AQ geraist hätte. In einem solchen Fall hatte ich Top Paar mit gutem Kicker und läge sicher vorne, also könnte ich langsam spielen. Gewisserweise hatte ich Recht, weil mein Gegner wirklich keine Ass hätte sondern ein Paar Zehn. Am Turn, aber war sein Traum erfühlt A-6-7-10 - und somit war ich auf verlorenem Posten. Dies war mein letzter Fehler (am Flop nicht zu raisen), und so bin ich zurecht ausgeschieden.

Das 500€ Super Sattelite für die Poker EM
Ich hatte gut gestartet mit einem schnellen double up und konstant meinen Stack entwickelt, bis ich am Final Table landete. Es waren fünf Tickets je 4000€ zu gewinnen. Irgendwann waren wir noch sechs Spieler, beim Blind 4000/8000 mit Ante 500 passierte folgendes: Apo, ein deutscher Spieler mit griechischer Abstammung war UTG und raiste auf 20 000. Thomas Hoffman reraiste hinter ihm auf etwa 100 000. Bei dieser Action waren alle automatisch fold. Für keinen am Tisch gab es einen Grund, etwas zu riskieren, weil der Small Blind extrem short war mit circa 12 000! Apo mit 60 000 total staunte und staunte und schaute traurig zu dem Short Stack: Das gibt es doch nicht, ich darf mit keinem Blatt callen, und foldete offen KK. Ich denke, in solchen Situation, bei einem Sattelite ist es eine Ausnahme, wo man jedes Blatt inklusive AA vor dem Flop auf ein Reraise wegwerfen muss, weil es einen extremen short Stack Spieler gibt! Fairerweise hatte ihm Thomas Hoffman AA gezeigt, und alle, besonders der Shorti, waren enttäuscht, dass keiner ausgeschieden war. Bald war dann das Drama zu Ende, weil der Shorty ausgeblindet wurde, und ich hatte mich über das Ticket für die Poker EM gefreut.

Sonntag 25.09 eine interessante online Hand auf Win2day
Um 20h spielte ich das Big Sunday mit 109€ Buy in.
Von gestarteten 128 Spielern waren um die 40 Spieler geblieben bei einem Average um die 16 000.
Es war Level 10, 200-400, Ante 40.
Wir waren acht Spieler am Tisch, und der Big Blind spielte keine Hand, weil er offensichtlich nicht online war. UTG+2, Stack 18 000, Raise auf 1172. Ich war im Small Blind mit A 9 und hatte nur einen Aggressor gegen mich. Mit meinem M=circa 9 konnte ich nur folden oder All-in pushen.
a) auf der einen Seite war ich gegen den frühen Raiser, der das doppelte Stack von mir hatte,
b) auf der anderen Seite konnte er auf steal sein und mit irgendwelchen verdächtigen spielbaren Karten raisen.
Ich hatte entschieden, All-in zu puschen, und das aus zwei Gründen:
a) falls mein Gegner folden würde, gewänne ich 1800 ohne Risiko, also über 20% meines Stacks
b) falls er callte, glaubte ich nicht, dass ich weit hinten liegen würde, weil er für das stehlen von toten Blinds eine breite Range von Händen hatte, die von meinem A mit der 9 dominiert wären!
Nach dem All-in Call sahen wir beide fünf Karten, und er hat keinen Positionsvorteil mehr
Immerhin, falls mein Gegner mit schwacher Hand callen würde, riskiert er die Hälfte seines Stacks.
Mein Gegner aber war unbeeindruckt von der Höhe meines Raises und callte schnell mit....
K-T offsuited. Flop: 4QJ, am Turn die Zehn und River 6. Auf Wiedersehen.

Das war ein typisches Beispiel für Online Poker. Man erkennt oft, dass bei Online die Spieler mehr looser spielen, da die meisten Spieler anonym sind und niemand sie wegen falscher, verrückter oder überzogener Spielweise auslacht im Gegensatz zum live Spiel, wenn man da dämliche und verrückte Pokerentscheidungen trifft. Ich meine, dass es bei Win2day extrem viele Spieler gibt, die sehr locker spielen. Genau das macht diesen Poker Room noch attraktiver!
„Keine Ehefrau erträgt das Zusammenleben mit einem Pokerspieler sehr lange. Es sei denn, er ist ein stetiger Gewinner!" ( Lord Dewar)

Euer Ivo "The Chessmaster"


Ivo Donev

Interessante Hände aus IPT Slovenia

Ivo Donev, 22.9.2011

Hallo liebe Leser,

Für mich ist Turnierpoker viel reicher und interessanter als Cash Game. Es kommen immer wieder neue und auch alte Situationen, man lernt einfach immer wieder etwas dazu. Meiner Meinung nach ist der Skill Faktor, besonders bei Deep Stack Turnieren, höher. In Slowenien haben bei der Mini Italien Poker Tour 399 Spieler teilgenommen, davon waren circa 90% (!) Italiener.
20 000 Starting Stack - 1 Stunde Level - und 4 Tage Event, bei so einem niedrigen Buy-in (€ 400) - das trifft sehr man selten.
TELLS!
Irgendwann am Tag 2 war ich in späterer Position mit einem Paar 9 9, ein ziemlich aggressiver Spieler rechts von mir raiste wie immer auf drei BB. Nun überlegte ich zu callen oder zu reraisen, dabei kontrollierte ich den Chipstack meines Gegners. Wir lagen beide über double Average, also hatte ich in dieser Situation mehrere Optionen. Plötzlich vibrierte das Handy meines Nachbarn links von mir, dem aktuellen Chipleader. Er reagierte nicht sondern blieb bewegungslos wie eine Statue. Warum nimmt er den Anruf nicht an. Da war doch was faul? Ich foldete meine beiden Neuner, und der Chipleader ging mit der Präzision eines Gewehrschusses All-In. Ein klassischer "Handy" Tell.
Tag 3
Ich konnte meinen Stack schon sehr früh verdoppeln und führte mein Schiff ganz vorsichtig durch viele Minen Richtung Final Table. Am Tag 3 war ich Chipleader bei verbleibenden 24 Spielern.

Sehr schnell schmolz das Feld auf zwei Tische und ich bekam am Button Poket Jacks. Die Blinds waren 5000-10000/Ante 1000. Der Tisch foldete zu mir und ich raiste 24000, während sich im Small Blind die bildhübsche CECILIA PESCAGLINI befand, die mit meinem Angebot einverstanden war. Der Big Blind foldete, so stand ich dann im Heads Up gegen den Second Chipleader am Tisch. Flop: 4 8 8 Rainbow. Die ungläubige Dame feuerte eine Wette von 25000 in den Pot. Dieses Bet hat mich beinahe erschrocken, was für eine Hand sollte ich ihr geben, wenn sie die 8 getroffen hat, hätte sie wahrscheinlich gecheckt. Entweder hatte sie die Vier getroffen oder ein pocket Middlepair. Um die Lage direkt klarzustellen raiste ich kräftig am Flop auf 85 000. Doch die Dame ließ das völlig kalt und machte den Call. Am Turn nun eine unangenehme Karte, das Ass. Sie checkte, um Pot Kontrolle zu betreiben, war mir das sehr recht. Der River brachte die Zwei, das Board immer noch Rainbow und sie feuerte 100 000 in die Mitte. Wegen ihres Bet am Flop dachte ich: Sie hält ein Paar in ihren Händen, welches schwächer als meine Jacks ist und darum, Call. Leider zeigte sie A4, was ich nicht sehen wollte. CECILIA hatte einen tollen Lauf, und es war daher keine Überraschung, dass sie später den ersten Platz mit einem Preisgeld von 36.000 Euro für sich beanspruchen konnte.

Eine Runde später erhielt ich am Button ein Paar: 9 9. Der Tisch foldete erneut zu mir und ich wiederholte mein altes Lied; Raise auf 24000. Erneut callte CECILIA im Small Blind. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schob der Big Blind (Marko della Monica - erfahrener langjähriger Pro) sein Shortstack All-in. Es waren ca. 200 000, was nun? Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ca. 600 000 an Chips und begann tief nachzudenken. Die Pot-Odds waren ziemlich gut. Aber irgendwie hatte ich keine Lust, ein Drittel meines Chipstacks für einen eventuellen Coin-Flop zu riskieren. Nach langer Überlegung, verbunden mit Bauchschmerzen, hatte ich dann gefoldet wie auch die Dame im SB. Marko zeigte stolz A3. Dieser Fehler war im Nachhinein sehr teuer für mich.
Nach kurzer Zeit hatten wir endlich den Final Table mit neun Leuten erreicht.

Ich hatte etwa 480 000 Chips, was unter Average (circa 880 000) lag bei Blinds von 10000-20000/Ante2000. In späterer Position bekam ich AQ und raiste auf 45 000. Hinter mir brachte ein unbekannter junger Italiener mit rund 600 000 ein bedrohliches Raise auf 120 000, der Rest des Tisches foldete. Nun stand ich vor dem Dilemma.
a) Reraise All-in - In diesem Fall, wenn er callte - würden wir beide 5 Karten sehen und er verlöre den Positionsvorteil. Es war gut möglich, dass er mich in späterer Position mit schwächerer Hand als meine AQ reraisen würde!
b) Call - großer Positionsvorteil für meinen Gegner, wenn ich aber nicht treffen würde, gäbe es Schwierigkeiten.
Aus Sicherheitsgründen hatte ich mich für den Call entschieden, um den Flop zu sehen, auch weil ich dem Italiener keinen Range zuordnen konnte, womit er mich reraisen würde. Am Flop Kc Qd 8s Rainbow, checkte ich brav zu dem Preflop-Aggressor, und er gab mir den Check Behind. Hm? Hatte er da ein Paar J J oder Paar T T und hatte er bei diesem Flop Angst wegen den Overcards? Der Turn: 7s , welche den Flashdraw in Pik brachte. Der Pot war groß fast 290 000, und mein Gegner checkte sogar in Position. Angriff in diesem Moment war meine Pflicht. Mein erster Instinkt sagte All-in für 360 000, was ein leichter Overbet war. Nun dachte ich: Ich werde schlau spielen, und um noch größere Stärke zu zeigen brachte ich einen großen Teil meines Stacks in die Mitte, ca. 200 000 mit der Absicht: ,,Hey, bluff mich nicht, weil ich Pot committed bin "!
Ich erwartete natürlich einen Fold..., was für ein Schock: Wie aus der Pistole geschossen ging er All-In. Wow, da stand ich nun da wie ein begossener Pudel. Mit meinem großen Bet hatte ich ihm zwar signalisiert, dass ich committed war, jedoch begann ich nach diesem Schuss nachzudenken, was er für eine Hand haben könnte.
Mögliche Hände, die er Slowplay machen konnte:
AA, AK, KK, QQ
Diese Hände machen mich komplett kalt. Wenn ich nun foldete mit meinen 160k left hätte ich immer noch eine Chance, in einem guten Spot All-In zu kommen, dachte ich. So stellte ich ihm die Frage: What do you have? Er sagte locker: I have a big hand, Sir, I will show you, no problem. Mit einer schweren Last auf den Schultern, hatte ich schlussendlich gefoldet. Und er zeigte mir wie versprochen etwas, was mich komplett aus der Spur warf, nämlich AQ off. Nach diesem riesigen Fehler wurde ich in der nächsten Hand, als ich mit A 8s erfolglos versuchte die Blindes und Antes mit einem Al-in einzustreichen, aus dem Turnier gebustet.. Schlussendlich hatte ich für den neunten Platz nach drei Tagen Kampf exakt 2090 Euro erhalten. Ein Kollege meinte ironisch: „Ivo, du hast nach drei Tagen hartem Kampf das Buy-In für das Main Event herausgeholt, während ich das selbe in drei Stunden bei einem One-Table-Satellite erreicht habe.“
Das Main Event- 2200€ Buy in, 284 Spieler, erster Preiss 150 000€
Die Struktur? Wunderbar, so ungefähr wie bei der Mini IPT, nur mit 25 000 Startingstak. Ich konnte bis Level 5 mein Stack auf circa 67 000 aufbauen und war unter den Top drei Chipleadern. Dann passierte dies.
Level 5 150/300 und Ante 25. Ich saß am Button mit As Ks, links von mir war ein extrem looser junger Italiener, der oft Squeeze machte. UTG+1, der second Chipleader (circa 60 000) eröffnete auf 775, alle foldeten zu mir, und ich stand vor dem bekannten Dilemma zu reraisen oder nur callen. Ich callte, und es war keine Überraschung, dass der Small Blind reraiste auf 2750, nach kurzer Überlegung callte der second Chipleader. Jetzt war die Situation extrem heiß. Im Pot lagen schon über 6000, und ich hatte keine Ahnung, mit welcher Hand der UTG Raiser callte. Sollte ich nur callen oder kräftig reraisen, um den Pot sofort einzustreichen? Ich dachte ich habe ein gutes Stack und es wäre nicht schlecht, in Position den Flop zu sehen.
Der Flop war weich, gesagt ein MONSTER: Ac 7s 2s (Top Paar mit Nuts Flush Draw), ich und der second Chipleader waren irgendwie in dieses Board verliebt und hatten uns hoch geschaukelt, bis es nicht mehr ging. Leider war er mit seinem Set 22 vorne, und das gewünschte Pik war nicht in Sicht. So wurde ich zum short Stack und schied bald aus.
Im Nachhinein wurde mir klar, dass, wenn ich mit meinem Monster As Ks preflop kräftig reraiste, den Pot sicher hätte gewinnen können, um dann als Chipleader das Turnier fortzusetzen....
Fazit: Turnier Poker ist manchmal brutal: Oft sieht man bei irgendwelchen Situationen zwei vernünftige Wege zur Fortsetzung, aber im Nachhinein wird klar, dass nur ein Weg richtig war!

In meinem nächsten Blog werde ich über interessante Situationen von der Bodensee Championship berichten und wie ich mein Ticket beim Supersattelite für die Poker EM gewonnen habe.
Bis bald
Euer Ivo,,The Chess Master"
P.S. Falls jemandem mein Blog nicht gefallen sollte, bitte ich einfach darum, diesen nicht mehr zu lesen oder wertungsfreie Kritik zu üben und die ,,anonymen“(!) und massiv respektlosen Kommentare zu unterlassen!


Ivo Donev

Der August Tripp: Von Rozvadov über CAPT Kitzbühel nach Nova Gorica

Ivo Donev, 1.9.2011

Hallo liebe Pokerfreunde,

Zuerst möchte ich kurz etwas über das Main Event im Kings Casino Rozvadov erzählen. Im August 2011 war ich zum ersten Mal in Rozvadov und wurde sehr positiv überrascht. Die Organisation war sehr gut. Non-stop warmes Büffet und gratis-Getränke. Die Struktur einfach wunderbar: Mit 20 000 Start-Chips, 1 Stunde Level und 25-50 in Level 1 hat man viel Spielraum, um schwächere Gegner zu überspielen. Ich saß an einem Tisch mit meinem Poker-Freund Jeff Lisandro - Spieler des Jahres der WSOP 2009. Ich kenne ihn seit 11 Jahren gut und arbeite seit einiger Zeit mit ihm eng zusammen.

Ich bin sehr begeistert von seinem genialen Turnierwissen! Ich saß auf Platz 8. Zum Glück war Jeff auf Platz 6 und somit hatte ich also Position auf den klar besten Spieler am Tisch. Jeff spielt sehr "tricki" und ich musste extrem gut aufpassen, wenn ich mit ihm in einen Pot verwickelt war. Es lief Level 2 bei Blinds von 50/100 und bis auf Jeff in High Jack Position (Position vor dem Cut-off) haben alle gefoldet.

Jeff sang sein Lieblingslied "raise" und brachte 300 in die Mitte. Zwischen uns beiden saß eine junger Tscheche, der ziemlich solide spielte aber eher in Richtung Calling-Station ging. Er war wie ein ,,Terrier": Wenn er einmal angebissen hat lässt er nicht mehr los. Heutzutage gibt es solche Spieler oft und es ist angenehm, diese Gegner am Tisch zu haben. Der Tscheche callte und ich war erstaunt von meinem Glück am Button: Ich sah King Kong; also zwei schwarze Könige. Was nun? Call kommt nicht in Frage weil ich damit super Odds für die Blinds geben würde und nicht gegen vier, sondern gegen einen Gegner spielen will. Raisen - JA - aber wie hoch? Meine Regel in solchen Situationen: Nicht zu wenig, dass ich mehrere Gegner locke und nicht zu viel, sodass nicht alle folden. Ich denke ein Raise in Potgröße ist optimal, also 1650. Die beiden Blinds foldeten sofort. Aber Jeff und der Terrier bissen an. Jetzt passte die Situation zu der Poker-Weisheit: Mit großer Hand großen Pot spielen! Jetzt war ich mir sicher, dass Minimum ein Ass unterwegs ist. Bitte Dealer dachte ich: Kein Ass am Flop! Und der brave Dealer brachte einen wunderbaren Semiaktion-Flop . Jeff ist sehr diszipliniert und checkte brav zu dem Preflop Aggressor. Der offensichtlich unerfahrene Tscheche schoss aber ohne Angst eine kräftige Wette von 4000 ab.
Meine Erste Aufgabe war, dassa ich den ,,Terrier" auf eine Hand-Range setze.
a) mit einem Set hätte er wahrscheinlich gecheckt, um mein Conti-Bet zu provozieren
b) mit einem Draw checkt er wahrscheinlich auch
c) er hat die Dame getroffen und zwar mit großem Kicker, wahrscheinlich Ass, weil er vor dem Flop ein kräftiges Raise bezahlt hat
Ich schaute seinen Stack an, um die 25 000. Meiner um die 24 000. Was nun? Wenn er wirklich AQ hat (mit QT bezahlt er wahrscheinlich kein großes Raise vor dem Flop) bin ich großer Favorit (80%). Die Frage ist jetzt: nur callen, oder reraisen? Ich dachte, es ist besser, wenn ich in diesem Moment als Favorit ein Maximum an Chips rein bekomme. Außerdem waren im Pot schon über 9000. Wie hoch soll ich raisen? Wenn ich melken will, sollte ich wenig raisen, so um die 9-10k die er mit Sicherheit bezahlt. Wenn ich den Pot sofort einstreichen sollte ich all-in reraisen. Aus vielen Jahren der Erfahrung habe ich gelernt: "Lieber einen kleineren Pot sicher, als einen großen, aber unsicher". Mit anderen Worten: "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach."
Gedacht getan. Ich raiste all-in für circa 22 500. Jeff war sofort raus aus der Nummer und der Terrier begann nachzudenken. Jetzt war ich mir fast sicher, dass er AQ hat. Er dachte solange nach bis der Floorman ihm eine Zeitbeschränkung von einer Minute gab. Bevor die letzten Sekunden abliefen, callte er mit einem tiefen Seufzer. Der Rest ist nur noch eine banale Geschichte: Er drehte wie erwartet AQ um und ich meine KK. Am Turn kam leider die nächste Hexe (Q) und ich hatte Feierabend.
Kurz und schmerzlos. Na ja besser so – entweder ein früher double-up (circa 50 000 Pot im Level 2 ) oder raus.
Trotz dieses Fehlstarts werde ich irgendwann wieder in Rozvadov das GCOP Main Event spielen.

CAPT Kitzbühel

Die CAPT zum ersten Mal in Kitzbühel und wie immer mustergültig von den Casinos Austria organisiert.

Zur selben Zeit gab es die Hansi Hinterseer Woche mit Konzerten. Die ganze Umgebung war im Ausnahmezustand. In vielen Geschäften gab es sogar 10% "Hansi-Rabatt"! Ich fragte einen Einheimischen nach dem Grund der Beliebtheit von Hansi. Er sagte stolz: Hansi ist hier wie ein Gott!

Ich spielte in Kitzbühel nur das Main Event, weil es mit Abstand die beste Struktur hatte. Es waren 78 Teilnehmer, davon fast ein Drittel win2day-Qualifikanten. Mit den Online-Qualifikanten ist das so eine krumme Sache, meistens sind sie jung und spielen loose, andere sind wieder unberechenbar. Einer vernichtete meine Buben. Er callte mit K9 off ... trotz meines Raise UTG von 3BB und trifft seinen König. Der Schaden war zum Glück nicht so groß. Die Aktion zeigt allerdings deutlich, dass typisch loose Call-Verhalten der Onlinequalifikanten. Gegen Ende des ersten Tages hatte ich nur noch ca. 30K Chips bei Blinds 800/1600 Ante 100. Entsprechend meines Stacks und der Möglichkeit am nächsten Tag nach Slowenien zur IPT (Italian Poker Tour) zu fahren, spielte ich aggressiv und suchte die Entscheidung. Entweder Chips oder IPT! So pushte ich in später Position mit J 9 All-In und bekam einen snap-call von einem anderen Short-Stack, Onlinequalifikant Martin Pölzl. Er zeigte ein Paar Sechsen! Ich verlor leider diesen Coin-Flip und mir blieben nur noch 6000 Chips. Martin hat meine Chips weiter gut verwaltet und einen tollen 2. Platz erreicht. Hierfür herzlichen Glückwunsch an den Win2day-Qualifikanten!

Am nächsten Morgen beriet ich mich mit meinen Pokerfreund, Daniel Schweitzer. Dabei wägten wir ab, wie meine realistischen Chancen tatsächlich sind, aus diesem extremen Shortstack (3 BB bzw. M1/tote Zone) wieder einen gut spielbaren Stack zu machen. Da ich nur noch circa 10% des Average an Chips hatte, musste ich also schon mindestens dreimal hintereinander verdoppeln, um überhaupt wieder nur in Nähe des Averages zu kommen, um ein relativ normales Spiel weiterspielen zu können. Also meine Chancen standen realistisch gesehen bei ungefähr "Null Komma Nix". Um es ehrlich zu sagen, ich bin kein Anhänger der Legende: "a chip and a chair"! Ein weiterer Grund für meine vorzeitige Seat-Open Entscheidung war wie oben bereits erwähnt auch die IPT (letzter Starttag), die halt auch am selben Tag bereits um 14.00h begann und zudem lag noch eine Fahrzeit von vier Stunden vor uns. Selbstverständlich habe ich mich telefonisch beim Pokermanger Marcel Pipal ordentlich abgemeldet.
So stand unserem Trip nach Nova Gorica zur IPT in Slowenien nichts mehr in Wege. Mehr dazu in meinem nächsten Blog.

Hier aber schon eine kleine Anekdote als Vorgeschmack:
Bei Daniel wurde beim Check-In nach Vorlage seines Ausweises der Bundesrepublik Deutschland festgestellt, dass es sich bei der Nationalität doch um die "Repubblica democratica di Germania" handelt?! Also die DDR.....:-) Die nette junge Dame war sehr überrascht, nachdem Daniel sie informierte, dass es diesen Staat seit 20 Jahren nicht mehr gibt....
Ich selbst wurde am Beamer im Spielsaal im Ranking des Chipcounts mit Australischer Fahne aufgeführt....

Dies passiert im Ausland sehr häufig insbesondere in den USA. Aber in Slowenien ist mir das noch nie passiert.

Vielleicht sollte ich mir in Zukunft ein Mini-Känguru und Daniel "Hammer und Sichel" als Glücksbringer zulegen!

Euer

Ivo "The Chessmaster"


Ivo Donev

Strategien bei NL Holdem Poker Turnieren

Ivo Donev, 24.8.2011

Hallo liebe Pokerfreunde,
ich muss zugeben, dass ich in der letzten Zeit Live- sowie Online-Pokerturniere dem Cash Game vorziehe. Pokerturniere machen mir mehr Spaß und ich denke, dass die Vorteile, besonders bei den Deep Stack Turnieren, größer sind.
Für mich sind die interessantesten Online-Turniere bei win2day
a) am Dienstag um 20.45 Uhr die CAPT Qualifikation mit € 218,- Buy-in
b) am Sonntag um 20.00 Uhr das Big Sunday mit € 109,- Buy-in und € 15.000,- Preispool garantiert. Am 11. September 2011 gibt es das Big Sunday-Bounty-Turnier. Wer mich aus diesem Turnier rauswirft bekommt eine Extraprämie von € 250,-!
c) Ich liebe besonders die Summer-Night-Turniere mit € 27,5 Buy-in (5 Rebuy+1 Addon - 5000 Startchips, Level eins 10/20) mit sage und schreibe € 40.000,- garantiertem Preispool! Bei diesem Turnier starte ich automatisch mit Rebuy und versuche, den Vorteil des größeren Stacks auszunützen. Meiner Meinung nach ist dies das beste Preis-/Leistungs-Turnier im Netz. Das nächste Summer Night Turnier ist am 4. September 2011...
Weil ich diese Turniere oft spiele, habe ich folgende Vorteile entdeckt:
a) die Struktur ist sehr gut, 5.000 Starting Chips und das erste Level 10/20, also M=166
b) das Niveau der meisten Spieler ist nicht sehr hoch. Es sind nur Österreicher gemeldet und
es gibt viele unerfahrene Spieler und auch einige Gambler, das macht die Turniere noch attraktiver.
Die Strategien, die ich bei diesen Turnieren verwende:
a) Aufgabe Nummer eins: Meinen Tisch gut zu beobachten. Folgende Fragen gehen durch meinen Kopf…
Mit welchen Karten hat der Gegner geraist und in welcher Position? Mit welchen Karten callt er ein Raise? Wie oft verteidigt er seine Blindes und so fort. Über alle Informationen, die nützlich sind, mache ich mir Notizen und passe mein Spiel dementsprechend an.
Fazit: Je mehr Infos ich im NL Holdem habe, um so mehr erfahre ich über meine Gegner, und um so weniger Infos ich über mich preisgebe, desto besser ist dies für meine Strategien!
b) die normale Spielweise in der Anfangsphase eines Turniers ist, tight zu spielen.
Der Grund ist einfach: Die Blinds sind im Vergleich mit der Stackgröße viel zu klein. Es gibt noch keine Ante, darum ist es mathematisch positiv, wenn man nur gute Hände spielt.
c) allmählich mit der Steigerung der Blinds ändert sich mein Stil von tight aggressiv zu loose aggressiv.
Mit so einem Turnierstil habe ich bei win2day einige Male CAPT -Tickets gewonnen und diverse Finaltische erreicht.
Hier möchte ich meine Meinung über zwei grundsätzlich verschiedenen Spielstile erläutern, die ich oft live und auch beim Onlinespiel beobachte.
a) Da sind die Spieler, die geradliniges und solides Poker spielen, also nur mit guten Karten in das Spiel gehen. So ist es leicht zu spielen, man trifft viel weniger Entscheidungen, macht auch weniger Fehler. Grundsätzlich macht man kaum Bluffs und große Calls, die die Gegner bei Bluffs erwischen! Es kann sein, dass ein solcher Spielstil beim Cash Game erfolgreich ist, aber beim Turnier Poker führt eine solche Spielweise nicht zum Erfolg. Solche Spieler werden früher oder später ausgeblindet.
b) Der kreative und etwas loose aggressive unberechenbare Spielstil
Man spielt viele Hände, macht viele Trick-moves und hat viele schwere Entscheidungen. Der Bluff und Semibluffs sind die Hauptwaffe! Viele skandinavische Spieler benützen einen solch ähnlichen Turnierstiel in Richtung Gus Hansen.
Es ist leicht, solch einen Spielstil zu erklären und sehr, sehr schwer, diesen anzuwenden! Man braucht viele Jahre an Erfahrung und hunderte Turniere, bis man das Gespür für solch einen loosen und aggressiven Stil bekommt!
Für mich ist es keine Überraschung, dass immer wieder Spieler, die solch einen Stil anwenden, auf den vorderen Plätze bei großen Turnieren landen!

Die kleinen Freitag-Turniere in Bregenz.
Nach der langen Abwesenheit im Sommer (einen Monat Las Vegas, eine Woche CAPT Velden) habe ich ab Ende Juli drei kleine Turniere im Casino Bregenz gespielt: Am 29.7.2011 das € 250,- Bounty Turnier, am 5.8. und 12.8.2011 die € 300,- Buy in Freezout Turniere. Hier am Bodensee sind im Sommer die Pokerturniere nicht sehr gut besetzt, ausgenommen die Bounty-Turniere, die immer am letzten Freitag des Monats stattfinden. Das Niveau ist nicht sehr hoch, weil mache Urlauber und Hobbyspieler aus der Schweiz kommen.
Beim Bounty-Turnier (70 Teilnehmer) habe ich 11 Bounty (je € 50,-) und den 1.Platz erreicht (knapp € 4.000,-). Hier die Schlüsselhand, die ein großes Geschenk war:
Ich mit rund 400.000 Chips war im Heads-up gegen einen deutschen Spieler, Herr Dauber (circa 300.000 Chips).Die Blinds waren sehr hoch (10.000-20.000). Ich fand am Button J 7, eine Hand, mit der ich in Position billig den Flop sehen wollte. Ich callte und mein Gegner erlaubt mir freundlicherweise den Flop zu sehen: 7 5 2 Rainbow.
Na wunderbar! Im Heads-up Top Paar mit Jack Kicker ist eine starke Hand. Mein Gegner checkte und ich fand keinen Grund, ihm freie Karten zu geben, darum wettete ich etwa 22.000. Plötzlich schob mein Gegner alle seine Chips in die Mitte, All-in für circa 280.000. Ich war sehr verwundert, welche Hand er so stark spielen würde.
Straßen Draw, zwei Overcarten, big Paar ...
Obwohl ich mit meinem unbekannten und unberechenbaren Gegner mehrere Stunden an einem Tisch spielte, hatte ich in diesem Moment keine Ahnung, was er haben könnte. Schlussendlich dachte ich, dass ich in dieser Situation gegen viele Hände vorne liegen würde und callte. Er sagte „guter Call" und drehte AK um. Mein top Paar hat gehalten und so habe ich das Bounty Turnier gewonnen. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass mein Gegner in diesem Spiel zwei Fehler gemacht hat.
a) vor dem Flop hat er mit AK nicht erhöht und dadurch einer schwächeren Hand ( J 7 ) den freien Flop gegeben
b)nach dem Flop hatte er ein gewaltiges Overbet mit Ass hoch gemacht, also no Paar no Draw, nur zwei Overkarten.
Am nächsten Freitag, den 5. August 2011 hatte ich den 2. Platz erreicht (Deal mit dem Erstplatzierten) und am 12.8.2011 war ich kurz vor dem Final Table ausgeschieden.
Fazit: Je größer das Buy-in eines Turniers umso besser sind deine Gegner, je kleiner das Buy-in desto schlechter sind deine Gegner. Natürlich gibt es Ausnahmen. Beispielsweise bei der EPT Budapest 2008 mit € 4.300,- Buy-in hatte ich an Tag 1 an meinem Tisch viele unerfahrene und schwache Spieler erwischt, schnell Chips akkumuliert und sogar den neunten Platz erreicht!
Ich habe geplant, demnächst das Main Event beim CAPT Kitzbühel und die Italien Poker Tour Nova Gorica zu spielen. In Kings Casino Rozvadov spielte ich das Mein Event (€ 1.500,- Buy-in) ohne auch nur eine Chance zu haben, trotzdem lernte ich wieder etwas Neues von Jeff Lisandro.
Am Ende eine extrem verrückte Situation beim Poker, die ich an meinem Tisch in Las Vegas - Casino Golden Nugget erlebt habe! Vor dem Flop waren drei Spieler mit AA, TT, 99 All-in und der Dealer brachte am Board 5 Karo (Flush), also Split Pot!

Ich freue mich auf Eure Kommentare, wenn jemand Fragen hat, diese bitte einfach ruhig stellen!

Gute Karten wünscht Euch: Ivo ,,The Chessmaster"


Ivo Donev

CAPT Velden besser besucht als die WPT Slowenien!

Ivo Donev, 26.7.2011

Hallo alle zusammen,

bei meinem letzten größeren Las Vegas-Event, dem Deep Stack Extravaganza im Venetian mit 1500 $ Buy In, hatte ich Tag 1 als Chip Leader beendet. Am Tag 2 folgte eine ausgeprägte Achterbahn, an den letzten beiden Tischen ereignete sich dies:

Ich hatte Average Stack und es waren nur noch 20 Spieler von 286 im Wettbewerb. Ein junger UTG-Spieler raiste Standard auf 3 BB. Der Spieler in mittlerer Position, ein älterer Mann, callte, der Rest des Feldes foldet. Ich im BB fand Ad Jd und stand vor zwei Möglichkeiten: Entweder calle ich, um einen guten Flop zu treffen oder reraise kräftig mit der Absicht, meine Gegner zu verscheuchen und den Pot sofort zu kassieren.

Aus Sicherheitsgründen hatte ich mich nach kurzer Überlegung für die erstere Möglichkeit entschieden, also Call. Der rote Flop 2h 4d 9d passte nicht schlecht zu meine Karten. Ich checkte brav zu dem Preflop-Aggressor, der erwartungsgemäß ein Contibet etwa halbe Potgröße machte. Der Mitläufer, eine Calling Station, callte wie immer. Nun stand ich vor einer schwierigen Entscheidung. Folden kam nicht in Frage. Entweder sollte ich callen, um meinen Flush zu komplettieren oder als Semibluff sollte ich All In raisen, da ich nur für circa dreifache Potgröße Chips hatte. Ich rechnete. Wie waren meine Chancen gegen die Handrange des ursprünglichen Raisers? Weil der Mitläufer sowieso vor und nach dem Flop keine Stärke gezeigt hatte gab ich ihm keinen Kredit für eine große Hand.

a. Falls der UTG-Aggressor ein großes Paar hatte, wie TT, JJ, QQ, KK, hatte ich 12 Outs mit 9x Karo und 3 Asse.
b. Falls er AK oder AQ hatte, hätte ich wieder 12 Outs, nämlich 9 Karo und 3 Buben.
c. Nur falls er AA oder einen Set wie beispielsweise 9-9 hatte, läge ich weit hinten mit rund 3 : 1 Underdog.

Man konnte nur vermuten, mit welchen Händen mein Gegner geraist hatte oder ganz genau, was er hatte, war nicht feststellbar. Allgemein hat AJs gegen die o.a. Rangehände rund 50% mathematische Erwartung. Das kann man online testen und zwar mit http://www.pokertools.com/simulations

Also schien der Semibluff All In Raise gar nicht so schlecht zu sein, womit sich die Chance erhöhte, dass meine Gegner foldeten.

Ich schob die dreifache Potgröße rein, der UTG callte. Der Mitläufer foldete As Qc (!) offen. Nun standen wir vor dem Showdown, ich mit meinen Nuts Flush Draw Ad Jd und mein Gegner mit 9c 4c, eine Hand, die ich überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Es ist eben selten, dass jemand UTG mit 9 4 raisen kann.

Da ich keine weitere Hilfe bekam wurde ich als 20ter ausgeschieden mit $ 4600.

FAZIT: Es ist manchmal frustrierend, dass meine ganzen Analysen und Vermutungen umsonst sind, da die heutigen jungen Spieler für mich unberechenbar spielen.


CAPT Velden

Nach Las Vegas machte ich eine Woche Pause und fuhr dann nach Velden, um CAPT zu spielen, wie letztes Jahr zog ich Velden vor und ließ das Main Event in Vegas aus.

Es liegen Vorteile auf der Hand. Velden ist optimal für Poker und Urlaub, alles ist perfekt organisiert, Gerald Golker und Casino Austria Pokerboss Edgar Stuchly führen alles bestens, darum auch die guten Besuche.

Außerdem waren viele win2day-Qualifikanten und urlaubsfreundliche Italiener da, die das Main Event mit 195 Teilnehmern attraktiv machten.

Bei NL-Turniern hatte ich in der Vergangenheit festgestellt, dass, wenn ich mich in der frühen Phase nicht schnell verdoppelte, bald das bittere Ende kam. Hier die wichtigste Hand beim Main Event mit 2000 EUR Buy In.

Level 2, 50-100. Ich finde Ah Qs in früher Position und raiste auf 300. Der Button und der BB, mein Kollege Pokerass Sigi Stockinger, callten. Flop: As Ac 2s, na wunderbar, dachte ich.



Sigi hatte noch die Hälfte des Start-Stacks und fand was Interessantes am Board. Plötzlich verlangte er 400, im Pot waren 900. Ich hatte ein Monster und dachte, wie ich wohl das Maximalste aus dieser Situation herausholen konnte. 800 war mein Einladungsraise. Ich wollte Action. Für den Button-Spieler wurde dies zu heiß, er strich die Segel. Sigi jedoch schob sein ganzes Stack in die Mitte, 7400 All In. Nun war ich am Zug mit meinem Average Stack von 15 000. Hätte Sigi AK, hätte er wahrscheinlich vor dem Flop erhöht.

Gegen welche Hände war ich vorne? Gegen AJ bis A3 oder sogar Flush Draw. Und gegen welche Hände wäre ich hinten? 2-2, A-2 und vielleicht AK.

Mit Bauchschmerzen callte ich und sah das, was ich nicht sehen wollte: Seine Hand war 2-2, geflopptes Full House.

Ich bekam keine Hilfe vom Board und schied als Short Stack aus.

Trotzdem: Ich hatte eine schöne Zeit in Velden und werde wiederkommen! Hoffentlich überschneiden sich 2012 WSOP Main Event und CAPT Velden nicht!

WPT Slowenien

Am nächsten Tag bin ich mit meinem Mannschaftskollegen von win2day Sigi Stockinger nach Portoroz gefahren. Wir hofften, dass die neue WPT-Station Slowenien gut besucht sein würde, vor allen Dingen von Italienern, weil bekannt ist, dass aus dem Nachbarland Italien viele Spieler anreisen.

Leider erfüllte sich unser Wunsch nicht, an Tag 1 waren es 46 und an Tag 2 95 Spieler. So gab es nur 141 Freiwillige, die das Buy In von 3300 EUR bezahlten. Scheinbar fasst das WPT schwer Fuß in Europa.

Positiv war die schöne Deep Stack Struktur ähnlich wie bei der EPT, jedoch mit zwei kleinen Änderungen: An Tag 2 waren die Levels 90 Minuten, und das Buy In war nicht so hoch wie bei den EPTs.

Ich spielte am ersten Tag relativ gut und beendete den Tag mit 77 000, das war über Average.

An Tag zwei baute ich konstant mein Stack auf, bis dann folgende Schlüssel-Hand kam:

Es waren die letzten drei Tische am Ende des zweiten Tages. Ich hatte um die 200 000, was zu diesem Zeitpunkt Average war. BB war im Level 12 1000-2000, Ante 200.

Alle foldeten zu mir im SB, wo ich Kd Qh fand. Sofort warf ich einen Blick auf den Stack des BBs, des Rumänen Flori Pandilica.

Er hatte gegen 100 000. Aus mathematischer Sicht hat KQ im Heads Up gegen zwei Random-Karten über 60% Vorteil. Da ich out of Position war, wollte ich den Pot sofort gewinnen und raiste auf 7000.

Mein Gegner war mit meinem Plan nicht einverstanden und callte. So sahen wir den Flop Ks 7s Jc. Na prima, Topp-Paar mit Superkicker! Da mein Gegner vor dem Flop nicht gereraist hatte, schloss ich AK von seinen Range-Händen aus. Auch K-7 oder J-7 waren vermutlich nicht in seinen Calling-Händen.

So machte ich logischerweise ein Contibet 8000. Plötzlich bekam ich dann Widerstand, Reraise 20 000. Hatte er Topp-Paar mit schlechtem Kicker, hatte er Flush- oder Strassen-Draw, hatte er Set getroffen? Es war schwer zu erraten. Ich sah keine andere Lösung als meinen Gegner mit ca. 90 000 All In zu stellen.

Es wäre super, gäbe mein Gegner jetzt auf, leider bekam ich sofort einen Call. Bei einem so schnellen Call weiß ich, dass mein Top Paar nicht gut ist.

Mein Gegner zeigte mir die einzige logische Hand Kc Jd für zwei Top Paare. So hatte ich 50% meines Stacks verloren.

Später konnte ich mich nicht mehr erholen und beendete kurz vor dem Geld – es wurden nur 14 Plätze bezahlt – als 26ter das Turnier.

Meine nächste Station ist CAPT Kitzbühel, wo ich hoffentlich einige von euch treffen werde.

Schöne Sommertage wünscht Euch:
Euer Ivo „The Chessmaster“

Ivo Donev

Beim Poker lernt man nie aus

Ivo Donev, 30.6.2011

Hallo liebe Pokerfreunde und Vegas-Fans,

ihr alle liebt Poker, spielt gerne und habt viel Spaß dabei. Ich selbst betrachte das Pokerspiel als Arbeit und darum gehe ich mit diesem harten Job etwas anders um. Ich lese viele Bücher, schaue passende Pokerfilme, notiere mir die verschiedenen Situationen, analysiere meine fort. So entwickle ich meine Pokerkenntnisse und versuche Schritte nach oben zu machen.

Mein Motto: Jeden Tag etwas Neues lernen, jeden Tag besser werden, auch was – so nebenher gesagt – mein Fitnesstraining anbelangt.

In Las Vegas ist der Arbeitstag des Pokerspielers sehr hart, vornehmlich für alle Turnierspieler. Die meisten Turniere starten um 12h zu Mittag. Es dauert meistens bis 1h in der Nacht, also ein 13 stündiger Arbeitstag, bis man fertig ist. Dann folgt der unverzichtbare Schlaf, in der Früh dann frühstücken und danach eine Stunde Fitnesstraining, dann etwas schwimmen und gegen 11.30 Uhr zum Tag 2 oder man startet das nächste Turnier - man hat kaum Freizeit. Klingt banal, aber einen ähnlichen Lebensrhythmus habe ich nur in Las Vegas während der WSOP. Es ist sehr hart, jeden Tag über 13 Stunden voll konzentriert zu sein und mehrere wichtige Entscheidungen richtig zu reffen. Beim Pokern musst du kontinuierlich Entscheidungen treffen, manche mit weniger aber manche mit gigantischen Bedeutungen. Und das Spannende hierbei ist sogar, dass wenn du mathematisch richtige Entscheidungen nimmst, kann es sein, dass der Glückfaktor gegen dich steht und du trotzdem verlierst. Eines aber kann ich bestätigen: Auf Dauer werden die richtigen mathematischen Entscheidungen immer belohnt!

Fazit: Im Turnierpoker, wenn man gut spielt, bedeutet nicht, dass man am Final Table landet, es ist sogar nicht sicher, dass man in den Geldrängen landet, aber im Gegenteil dazu, wenn man schlecht spielt, ist absolut sicher, dass man aus dem Turnier früher oder später ausscheidet.

Das Limit Hold'em Shootout
Ich hatte mich für das Limit Hold'em Shootout gemeldet, weil ich es liebe, One Table SitnGo-Turniere zu bestreiten. Meine letzte gute Erinnerung war das WSOP Shootout 2004, wo ich 6ter am Final Table war. Diesmal hatte ich am Tisch sehr harte Gegner, mehrere Bracelet Gewinner wie Dutch Boyd, David Bach (HORSE Weltmeister),Thor Hansen usw. Die Aufgabe ,,Last man Standing" war hart, aber nicht unmöglich. Die Struktur war aber sehr gut, und ich hatte nach einem Kampf von neun Stunden an meinem Tisch gewinnen können. Somit war ich für das Halbfinale qualifiziert und mit 4.100$ sicherem Preisgeld.
In vorletzter Hürde musste ich Shorthände spielen, also 6er-Tisch, und wieder gab nur der erste Platz das gewünschte Ticket zum Final Table. Mein Tisch war besetzt mit jungen aggressiven Spielern, einer davon die Onlinelegende Randy Lew bekannt als"nanonoko".
Leider war diesmal die Struktur viel schlechter als bei der Vorrunde, und unter Druck meines jungen Aggressors verschmolzen meine Chips wie Schnee unter der Sonne!

Weil ich schnell ausgeschieden war, hatte ich mich sofort für das nächte Turnier Deep Stack 235$ Buy-in angemeldet, das um 16h im gleichen Amazon Room begonnen hatte. Dort hatte ich zwei interessante Situationen erlebt, die sehr lehrreich waren.

Es war spät in der Nacht, von den rund 850 Startern waren um die 130 übriggeblieben. Mein Stack war von gestarteten 15 000 auf 125 000 gewachsen. Rechts von mir saß ein solider Spieler aus den USA, der kaum eine Hand spielte. Die Blinds stiegen brutal schnell und wir waren schon im Level 10: Blinds 1000-2000 + Ante 300, also eine Runde kostete 6000. Alle foldeten bis zum Small Blind, mein ,,Beton" Nachbar rechts von mir callte nach langer Überlegung offensichtlich ,,ungerne". Ich sah im Big Blind ein Paar 4 4 und kontrollierte die Chips meines einzigen Gegners - um die 24 000. Hm, was nun? Falls er eine starke Hand hätte, sollte er mit seinem Short Stack All-in spielen, da er nur M= 4 hatte und unter enormen Druck war. Ohne lange zu zögern schob ich ein kräftiges Raise auf 24 000. Jetzt begann mein Gegner zu bereuen, dass er gecallt hatte und begann lange zu seufzen. Nach ein paar Minuten(!) callte er mit offensichtlichen ,,Geburtsschmerzen" und drehte ein paar 7 7 um! Natürlich hatte ich verloren, weil er ,,falsch" gespielt hatte. Offensichtlich hatte mein junger Gegner nicht die Harrington NL Hold'em Bücher gelesen.
Im normalen Fall wird jeder Spieler mit seinem mageren Stack in einer solchen Situation zu 99% All-in vor dem Flop spielen, dann habe ich ein leichtes Fold, weil gegen 2 Overkarten (meistens) hat mein paar 44 gegen 50% und gegen anderes Overpaar ( 55 bis AA) nur 20%.
Nach diesem Unfall begann mein Stack zu schmelzen. Bald war ich bei etwa 77 000 und die ,,Tombola Time" war wieder gekommen - die Blinds waren auf 2000-4000 mit Ante 500 gestiegen. Eine Runde kostete somit 11000. Mein rechter Nachbar war wieder in früher Position mit seinem mageren Stack um die 38 000 an der Reihe und er sagte endlich die ,,Magischen Worte" All-in.

Ich sah in meine Karten, diesmal ein Paar Zehner 10 10 und dachte, na ja, er ist mit seinem Short Stack sowieso unter enormen Druck (M circa 3,5) und muss jedes Paar und jedes Ax All-in spielen! Gegen so eine breite Hand Range waren meine paar Zehner großer Favorit, so dachte ich wenigstens und ohne lange zu überlegen schob ich meinen Stack in die Mitte All-in. Merken sie, dass ich nicht nur calle sondern reraise, weil auf diese Weise ich Hände wie AQ, AJ oder sogar JJ vor dem Flop verjagen kann? Alle foldeten sofort und wir standen vor dem Showdown: Ich mit meinen armen Paar Zehnen und mein rechter ,,Beton"-Nachbar mit seinen... AA. Wieder hatte ich verloren und wieder bald vor dem Geld ausgeschieden. Hier war ich absolut selber schuld! Natürlich, gegen einen durchschnittlichen Spieler der Zug Reraise All-in mit 10 10 ist absolut ok, aber gegen eine ,,Beton"-Spieler war das ein großer Fehler!
Also, im Turnierpoker bei wichtigen Pre Flop Entscheidungen ist das Image eines Spielers wichtiger als die anderen Faktoren!

Eine kuriose Beispiel beim einem WSOP NL Holdem Turnier: Ein Spieler, der mehrfaches Average zu diesem Zeitpunkt hatte, wurde auf einen anderen Tisch umgesetzt. Bevor er Platz an dem neue Tisch nahm, geht er zur Toilette (mit dem Chips), weil er auf diese Weise den Verlust der Blinds vermeiden wollte. Als er von der Toilette mit seinen Chips an den Tisch gegangen war, hatte ihm der Floorman die Rote Karte gezeigt, also Disqualifikation! Es ist unvermeidbar, dass, wenn man mit solidem Chipstand so einen Blödsinn macht, vorzeitig das Turnier verlassen muss. Das Buy in bekam er nicht zurück!
Poker ist eine Wissenschaft, die man unendlich lange lernen kann.

Viele Grüße aus dem heißen Nevada wünscht:
Euer Ivo ,,The Chessmaster"

P.S.:
-Im Fitness-Gym habe ich oft Ted Forest und Jay Heimowitz getroffen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jay_Heimowitz
Jay hat mich erzählt, dass er sein erstes (von sechs!) WSOP Bracelets 1975 gewonnen hatte und es damals nur vier Tische WSOP NL Holdem Turnier gab!

Ivo Donev

Die brutale Realität der WSOP

Ivo Donev, 25.6.2011

Hallo alle zusammen,

vom „alten“ Europa nun in die Lichter- und Glitzerwelt im Nirgendwo, in die Welt der GoGos, der Supershows und der Chiphaufen, in den Ort der schnellen Dollars und der rasanten Vergnügen.

Aber die WSOP selbst ist das Gegenteil: Pure und brutale Realität. Da bleibt kaum Raum für Vergnügen und Spaß, sondern nur für das Spiel, den unentbehrlichen Schlaf, das nötige Essen und die Möglichkeiten des „Sich-Fit-Haltens“!

So, nun mal ganz langsam: Seit dem sechsten Juni bin ich in Vegas und habe in den ersten zwei Wochen so viele Turniere und Cashgames gespielt wie sonst in Österreich in drei Monaten! Hier geht alles nonstop: Die MTT-Turniere, die Satelliten sowie die Cashgames und natürlich auch die Küchen für warmes Essen.

Für mich gilt: Fit bleiben, also täglich ins Gym für eine Stunde bei harter Arbeit. Dazu gilt es, viel Wasser zu trinken.

Was Lustiges: Auf der Toilette fand ich einen Kleber im Becken: Tony G auf einem Bild und die Aufschrift: Dont Piss Me Off! Auf welche Gedanken man da alles in Vegas kommt!

Aber die Wirkung ist vollendet: Tausende männliche Pokerfreunde sind mehr oder weniger gezwungen, diesen Kleber anzusehen, und „treffen“ wollen sie ihn auch…!

Ich hatte einige größere WSOP-Events gespielt, die so zwischen 1000 und 3000 Dollar lagen.

Einige kleine Turniere hatte ich ebenfalls gespielt, so um die 230$, aber es gab nur ein paar kleine Cashouts. Macht nichts, ich bin sehr optimistisch für die kommenden Events gestimmt.

Man lernt ja immer wieder dazu, hier zwei lehrreiche Fehler beim NL Holdem. Es war die frühe Phase, die Blinds waren 50-100. UTG raiste ein aktiver und guter Spieler, der Chipleader am Tisch war, auf 300. Er hatte 10 K. Ich am Button mit 6 K callte mit As 5s, der Rest der Gesellschaft foldete. Mit solchen Karten spiele ich normalerweise nur in Position gegen frühere Raiser. Mein Ziel ist nicht, ein Ass auf dem Flop zu treffen, sondern die Möglichkeit zu schaffen, mir einen Flush oder Straight Draw zurechtzubasteln oder zwei Paare oder gar Tripps zu bekommen. Wahrscheinlich hatte der Raiser ein Ass mit big Kicker oder ein großes Paar.

Der Flop: Brillant! Mit dem wollte ich meinen Gegner eine maximale Menge Chips abzwacken: Ac 2s 4s.

Der Aggressor: Contibet mit 600. Was jetzt? Ich lud ihn mit einem Reraise von 1500 zu einem Weiterspielen ein! Die Folge: Er foldte!

Ist das eine ganz gewöhnliche Spielweise? Ich denke ja, viele hätten so gespielt. Die Situation beschäftigte mich lange, hatte ich optimal gespielt?

Tauchen wir in die Hand ein. Mein Gegner war ein guter Spieler, also sein Range für UTG waren im normalen Fall AK, AQ, ein 9er-Paar oder besser. Als was erreiche ich mit meinem Raise? Hat er 99 bis KK hat, vertreibe ich ihn, wobei er nur zwei oder sogar ein Outer hat, wenn sein Paar ohne Pik ist.

Falls er AK oder AQ hat spielt es keine Rolle, ob ich raise oder calle, das Geld geht sowieso in die Mitte, wobei ich gegen Ass mit großem Kicker 15 Outs habe (9 Pik, drei 3er, drei Fünfen)und kleiner Favorit bin mit 55% gegen 45%.

Auch wenn er ein Paar oder ein No-Ass gehabt hätte, konnte ich ihn verscheuchen.

Tiefer nachgedacht: Besser wäre es, nur zu callen und in guter Position den Zug am Turn abzuwarten. So kann mein aggressiver Gegner meinen Call als Schwäche interpretieren und am Turn einen weitere Bet platzieren.

Spiel gegen einen Maniac…
Level 5, 100-200, meine Chip 8000, in später Position mein Raise mit Ad Kd auf 500.
Der einzige Maniac, der im BB war, callte umgehend.
Flop Qd 8c 3c
Er checkte und ich stand vor einem Problem: Contibet oder Check, um in Position den Pot klein zu halten.

Ohne zu zögern machte ich ein Contibet 500. Der Maniac raiste auf 1500, und ich stand wieder vor einer schwierigen Entscheidung. Ich foldete und dachte, zu checken sei besser gegen einen solche Hyperaggressiven Gegner, der fast jede Bet raiste.

Auf diese Weise passierte folgendes:
a. Ich bekomme am Turn eine freie Karte
b. Ich halte in Position den Pot klein und reduziere die Hauptwaffe des Maniacs zu bluffen oder zu Checkraisen.
Darum war es in dieser Situation eine klar bessere Entscheidung in Position zu checken und nicht einen Contibet zu machen.

Fazit: Kleinvieh macht auch Mist“, besonders bei Pokerturnieren.

Bis zu meiner nächsten Reportage grüßt Euch Euer IVO, „The Chessmaster“.

Ivo Donev

WSOP 2011, mein Plan und einige Tipps rund um die größte Poker Show

Ivo Donev, 10.6.2011

Liebe Pokerfreunde,
wissen Sie, was ein Poker-Magnet ist? Ein gigantisches Pokerereignis wie die WSOP. Sie zieht jedes Jahr tausende von begeisterten Poker Fans aus der ganze Welt an. Am 5. Juni 2011 ist es wieder so weit. Ich fliege von Frankfurt nach Las Vegas, so wie jeden Sommer seit nunmehr 12 Jahren ...



Der Flug
Ich bin schon auf vielen verschiedenen Wegen nach Vegas geflogen, aber am angenehmsten finde ich folgende zwei Varianten:
a) Von Friedrichshafen nach Frankfurt, umsteigen Frankfurt-Las Vegas
b) Von Zürich nach London, umsteigen London-Las Vegas
Eine sehr gute Möglichkeit, um einen günstigen Flug zu finden ist der Flug-Supermarkt:
http://www.swoodoo.com/at/
Dieses Jahr werde ich am 5. Juni 2011 von Frankfurt abfliegen.

Die Unterkunft
Wahrscheinlich ist es am billigsten, ein Haus zu mieten, aber ich bevorzuge ein Hotel in der Nähe des Turniersaales, um nicht täglich mit dem Mietauto oder einem Taxi fahren zu müssen.
a) Es ist nicht selten, dass in Vegas Staugefahr besteht, die dann zu Verspätungen zum Turnier führt.

Ivo Donev

FOTO: Typisches Stau-Straßenbild zu Mittag in Las Vegas

b) Die Hitze, die zu Mittag sehr unangenehm ist, kann zu schaffen machen, was wiederum sehr müde macht. Da kommt mir mein Fitnesstraining zugute!
Für mich kommen drei Hotels in Frage, von denen der Turniersaal zu Fuß erreichbar ist:
a) Rio - fünf Gehminuten
b) Gold Coast - 10 Gehminuten. Hier sind die Preise für die WSOP Zeit mit Ende April plötzlich gestiegen. Trotzdem immer noch fast 50% billigerer als im Rio
c) Palms - 12 Gehminuten

Ivo Donev

FOTO: Vom Rio bis zum Gold Coast oder zum Palms ist es ein Katzensprung

Hier ein Link mit den aktuellen Preisen für einige Hotels während der WSOP 2011:
https://www.totalrewards.com/hotel-reservations/main/?&type=marketcalendar&view=marketcal&regioncode=LVM
Es ist bekannt, dass in Las Vegas am Wochenende viele Touristen nur zum Gambeln kommen. Das hat folgende Wirkung:
a) Die Hotelpreise sind am Wochenende (Freitag+ Samstag) viel höher als unter der Woche.
b) Am Wochenende werden viele Touristen Turniere mit kleinere Buy-in und Cash Game spielen, das macht für die Haie, die Profis, am Wochenende mehr Appetit auf Fische.

Die Turniere
Hier ist ein Paradies für gute Turnier Spieler
a) Im Rio die WSOP Events
http://www.wsop.com/tournaments/

Ivo Donev

FOTO: Hotel Rio

Täglich zu Mittag und am Abend unzählige Deep Stack Turniere mit kleineren Buy-ins:
b) Venetian - Deep Stack Extravaganza III

Ivo Donev

FOTO: Hotel Venetian

c) Caesars Palace - Mega Stack 2011. Hier gibt es zwei interessante Turniere. Täglich
1) um 12h NL Holdem
2) um 16h verschiedene Pokervarianten
d) Golden Nugget -The Grand Poker Series
e) Binions - Die WSOP Großmutter gibt nie auf. Zum fünften Mal wird die Binions Poker Classic durchgeführt

Ivo Donev

FOTO: Die Großmutter der WSOP- Das Casino Binions im Downtown ist immer noch attraktiv für Touristen

Hier ist das Main Event am 30. Juni 2011 besonders schmackhaft! Für 1.000$ buy in bekommt man eine Struktur fast wie beim EPT! Außerdem spielen im Binions weniger Profis und mehr Touristenspieler.

Mein Turnierplan
a) Limit Turniere
Weil die ganze Welt NL Holdem spielt, ist das Niveau von NL Holdem enorm gestiegen. So habe ich mir überlegt, viele Limit Turniere zu spielen, wo ich bessere Erfolg Chancen für mich sehe!
Hier ein Ausschnitt von den von mir geplanten WSOP Limit Events:
8. Juni Limit Holdem buy in 3000$
10. Juni HORSE buy in 1500$
13. Juni Eight Game Mix Buy in 2500$
24. Juni Limit Hold'em Shootout buy in 1500$
30. Juni Mixed Hold'em (Limit/No-Limit) buy in 2500$
Außerdem werde ich auch einige Limit Events im Golden Nugget und Cesars Palace mit niedrigen Buy in spielen.

b)NL Turniere
Hier ist die Auswahl sehr kompliziert, wegen den unglaublich vielen NL Holdem Turnieren. Sogar im Rio kann man mehrere NL Holdem Deep Stack Turniere pro Tag (!) spielen:
RIO Deep Stack No-Limit Hold'em Tournaments Every Day May 30 - July 16
$235 Buy-In No-Limit Hold’em Tournaments Daily at 2PM.
$185 Buy-In No-Limit Hold'em Tournaments nightly at 6 PM
$135 Buy-In No-Limit Hold'em Tournaments nightly at 10 PM.
Ich werde bestimmt einige des 235$ Deep Stack Turniere im Rio spielen.
Von den WSOP NL Holdem Events habe ich geplant, am 21 Juni das 2500$ Buy in und einige von mehreren NL Holdem 1500$ Buy in Turnieren zu spielen.
Ob ich das Main Event spiele weiß ich noch nicht. Alles hängt von meiner Form ab und von meinem Abschneiden bei den anderen Events im Juni.

Cash Games…
…sind am frühen Morgen im Rio besonders profitabel, weil viele undisziplinierte Spieler, die beim WSOP Event in der Nacht ausgeschieden sind, es ausprobieren, beim Cash Game nun Erfolg zu haben.

Ivo Donev

FOTO: In den Morgenstunden im Rio

Während der WSOP im Rio gibt es Non Stop Live Poker wie nirgendwo sonst! Die Leute ohne Disziplin und mangelhaftem Bankroll Management schweben in ,,Pleitegefahr“!
Fazit: Am besten ist es, die geplante Turniere sofort bei der Einreise zu bezahlen, so kann man nicht das eingeplante Turniergeld beim Cash Game verlieren!
In den Casinos gibt es die Möglichkeit, Geld in ein eigenes Depot einzuzahlen, man kann dann nach Bedarf darüber verfügen und täglich beispielsweise $ 1.000 abheben. Das verhindert, dass man "kopflos" sein gesamtes Geld an einem Tag beim Cashgame verlieren kann.
Aus eigene Erfahrung kann ich sagen, dass bei der zweiten Hälfte der WSOP viele Pokerspieler,,Stier" sind. Dann beginnt die Suche nach Geld nach dem Motto: „Kannst du mir etwas borgen?“ Vielleicht klingt das komisch, aber beim Poker ist das Geld ein Arbeitsinstrument und darum verleihen die meisten Spieler nicht gerne ihr Arbeitsinventar.
Ergo wünsche ich euch eine gute Planung, weil es im Poker-Business äußerst hart ist, als Gewinner hervorzugehen!
An alle Leser viel Erfolg beim WSOP 2011 wünscht Euer Ivo „The Chessmaster" Donev.


Ivo Donev

CAPT Innsbruck- Die Leon Show und eine unglaubliche Cash Game Hand

Ivo Donev, 3.6.2011

Hallo liebe Leser,

als Casinos Austria Fan, die ich wegen der musterhaften Organisation und der vielen Winday-Qualifikanten sehr schätze, war es für mich Pflicht, die CAPT Turniere zu spielen. Im Mai war Innsbruck auch als Vorbereitung für die kommende WSOP für mich gedacht.
Ich spiele bei den CAPT Turnieren hauptsächlich die € 1.000,- und die € 2.000,- Buy-in Turniere, weil hier die Struktur wesentlich besser ist als bei den kleineren Turnieren.
Der Main Event: Das Teilnehmerfeld war klein aber fein. Mit 79 optimistisch eingestellten Leuten - jeder hoffte natürlich auf einen Gewinn - hatte das Schlüssel-Turnier begonnen. Es war eine bunte Mischung aus vielen Amateuren und einigen Profis, die um einen Preispool von über € 150.000,- kämpften.

An meinem Tisch wurden ab und zu Spieler ausgetauscht (wegen Chips mangel...LOL), aber im Großen und Ganzen war folgende Mannschaft an dem grünen Mini Stadion vertreten.
Platz 1: Tormann - Erich Kollman - Super Pro
Platz2 : Verteidigung - Ivo Donev
Platz3 : Verteidigung - Dani Studer - Inhaber eines Bowling Salons
Platz4: Win2Day Qualifikant - Solid
Platz5: Unbekannt
Platz6: Mittelfeld Bülend (Schweiz) - der Mann ohne Angst
Platz7: Mittelfeld - Vlado Sevo - hatte offensichtlich einen schlechten Lauf
Platz8: Angreifer - ein ungarischer junger Spieler - unberechenbar
Platz9: Leer
Platz10: Unbekannte Calling Station

Ich war über meine Tischauswahl zufrieden, weil es nicht so viele starke Spieler gab, und auf den besten Spieler, E.Kollman, hatte ich Position. Alles war O.k, 15.000 Startchips, 1 Stunde Level und bei der Hand Nr. 2, bekam ich Kh Kd. UTG, der ungarische Internet Kid raiste auf 150, die auf Platz 10 sitzende Calling Station callte, nun war ich an der Reihe. Ich erinnerte mich an eine alte Poker Weisheit: ,,Mit großer Hand großen Pot spielen, mit kleiner Hand kleinen Pot spielen!" In solchen Situationen raise ich nicht zu wenig, um nicht zu viele Spieler in den Pot zu locken, und nicht zu hoch, um dann nicht alle zu vertreiben. Optimal ist es, wenn ich nur einen Opponenten im Pot behalte. Ich raiste auf 725, das war hoch genug um alle, außer die zwei aktiven Spieler zu vertreiben. So sahen wir zu dritt folgenden Flop: 4d 6h 9h. Meine Opponenten checkten brav zu mir. Der Flop war nicht so schlecht (kein Ass!) für meine roten Könige, darum war es Zeit, meine Hand zu schützen, also setzte ich 1975. Beide Opponenten callten schnell. Wow! Was ist hier nur los, dachte ich. Turn 2d, beide checkten abermals. Die Board Textur sah gefährlich aus, zwei Flush draw und dazu zwei Gegner, die einen hohen Bet am Flop callten. Trotzdem der gefährliche Flush war nicht vollständig. Darum setzte ich jetzt kräftig - etwa die Pothöhe 6800. Der ungarische Junge gab endlich auf, aber die Calling Station konnte nicht los lassen. Der River brachte Qh.
Jetzt schob mein Gegner seine letzten 4200 in die Mitte, All-in! Wow was nun? Hatte er wirklich seinen Flush vervollständigt? Im Pot waren über 26 000, und ich musste 4200 bezahlen, was mir mehr als 6 zu 1 Pot Odds gab.
Was kann ich schlagen? Wahrscheinlich nur AQ, falls mein Gegner extrem loose Calls am Flop und Turn gemacht hatte.
Gegen welche Hände würde ich verlieren?
a) Gegen Flush - irgendwie glaubte ich aber nicht, dass man am Turn einen so hohen Bet bezahlen konnte auf einen Flush draw.
b) Gegen ein Set - 999, 666 oder 444
Ich war fast sicher, dass ich diesen riesen Pot verlieren würde, aber gezogen von den Pot Odds bezahlte ich mit Bauchschmerzen. Ich war sehr erstaunt, als mir mein Gegner zwei Damen zeigte. So hatte er am River sein Set gemacht und mich fast vernichtet, ich hatte nun circa 2000 Chips bei einem Average von 15 000!
Wahrscheinlich war mein Call am River ein Fehler, weil es fast klar war, dass er nicht bluffte, sondern mit einer fertigen Hand für Wert setzte!
FAZIT: Während eines Poker Turniers macht jeder Spieler mehrere Fehler. Manche Fehler bleiben unbestraft und bedeutungslos, andere aber können dir schweren Schaden zufügen oder sogar das Turnierleben kosten!
Jetzt musste ich meine Strategie total ändern. Mit einem Stack deutlich unter Average muss man etwas lockerer spielen und schnelle Entscheidung suchen: Entweder verdoppeln oder raus.
Bald hatte ich mich mit KD (Straße) verdoppelt. Es gab noch viele up and downs, aber am Ende von Tag 1 ( 20 Spieler) hatte ich 36.200 eingetütet, was trotzdem unter Average von 60.000 war. Der klare Chip Leader war der Boss vom Kings Casino in Tschechien, Leon Tsokernik, der folgendes Kunststück bastelte. Fast am Ende von Tag 1 gingen drei Spieler All-in mit einem Stack zwischen 16.000 und 5. 000 (bei Blinds von 600-1200). Leon sagte nach langer Überlegung, dass alle große Karten hätten, also hätte er zwei live Karten. Er callt und dreht stolz 6h 9h um. Es war klar, dass er hinten lag, nur wie weit, das war die Frage. Seine Gegner zeigten AK, AQ und AQ. Der Flop war 4h Tc 5d und dann folgte Qh mit noch einer Herz 3h, somit hatte Leon mit seinem runner runner Flush drei Spieler eliminiert und den Grundstein für seinen zukünftigen 2. Platz gelegt! Achtung, er heißt nicht Zocker sondern Tsoker...nik ;)
Trotzdem denke ich, dass es ,,fast" keine gebildeten Spieler gibt, die so große Raise All in vor dem Flop mit 9 hoch callen können!
An Tag 2 begannen wir mit 20 Spieler, um die 11 bezahlten Plätze zu kämpfen.
Mein Tisch war ziemlich O.k. Der gefährlichste Spieler, der WPT Champ Markus Lehman, war schnell ausgeschieden. Mein Stack hatte begonnen allmählich zu wachsen. Ohne Showdown hatte ich es geschafft, rund 69.000 aufzubauen. Dann kam die wichtigste Hand des ganzen Turniers für mich.
Es waren die letzten 11 Spieler, und wir waren 6 und 5 Spielern an zwei Tischen verteilt. In Level 11 (1000/2000 Ante 300) bekam ich UTG AK. Eine Bombe besonders in Shorthand, also raiste ich auf 6.000. Alle foldeten außer der Big Blind Ömer Kaya. Er begutachtete detailliert meine und seine Chips. Nach kurzer Zeit bekam ich eine klare Botschaft, Reraise auf 18.000. Ich schätzte bei meinem Gegner um die 60.000 Chips (bei einem Average leicht über 100 000) und hatte in dieser schweren Situation folgende mögliche Züge:
a) Fold und auf eine bessere Gelegenheit warten
b) Reraisen, aber wie hoch ? Falls ich auf z.B. 36.000 reraiste wäre ich theoretisch komittet. Darum: Wenn Reraise dann All-in!
c) Call kam nicht in Frage, denn bei einem eventuellen Call wäre der Pot in der Mitte fast so groß wie Ömers restlicher Stack.
Gedacht getan, ich schob meinen Stack in die Mitte ,,All-in", als Ömer (er beendete diese Turnier als Dritter!)sofort callte, war klar, dass seine Hand besser war. Showdown AsKh gegen Kh Kc.
Der Dealer drehte 7c6c5h um und am Turn passierte ein Wunder, ich erwischte eine von meinen drei Outs Ac. Jetzt hatte ich super Chancen am Final Table mit einem guten Stack zu landen. Leider hatte das Märchen aber noch ein böses Ende: 2c. Also einen Flush und ich hatte nicht gemerkt, wie dieser entscheidende Pot in die falsche Richtung wanderte! Danach war ich short Stack und auch blitzschnell ausgeschieden. Was soll ich sagen, eine von den vielen (seit 15 Monaten) banalen Geschichten mit meinem ,,Seat Open" kurz vor dem Geld.
Wahrscheinlich hatte ich die Reraises mit AK übertrieben, also selber schuld, gebe ich zu!
Trotzdem ich bin Optimist für die kommende WSOP, die ich seit über einen Monat nun geplant hatte.

Der chancenlose Bluff!
Beim Cash Game hatte ich folgende seltene Situation erlebt. Beim Cash Game hatte ich einen kleinen Omaha Pot Limit Tisch gesehen mit Blinds 2-4 und Minimum € 100,- Buy-in. Ehrlich gesagt ist Omaha Pot Limit nicht meine beste Poker Disziplin und ich spiele darum diese Poker Variante in kleinen Limits mit Blindes 2-4 bis 5-10. Der Tisch war gut und ich kaufte mich mit € 200,- ein. Bei diesem niederen Limit spielen viele Spieler extrem loose und callen oft nicht nur vor dem Flop, sondern sie gehen noch am Flop und Turn zu weit. So weit so gut, aber ohne Karten ist es schwer, gegen solche Spieler anzukommen oder zu bluffen, weil sie einfach callen. Nach circa 30 min. schrumpfte mein Anfangs-Buy-in auf circa € 150,-. Dann bekam ich am Button 5s 6c 8c 9s, und was sah ich? Sieben Limper! Ich wollte das Feld ausdünnen und raiste auf 38. Zu meiner Überraschung callten der BB und der UTG Limper, alle andere foldeten. So stieg den Pot um circa € 150,-. Der Flop brachte 4c 7s Js .
Meine Opponenten checkten zu mir, ich mit meinem gigantischen Draw setzte Potgröße.
Meine Opponenten callten, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt musste sich unbedingt mein Draw verbessern, weil ich nur noch nur € 8,- Rest hatte, was praktisch wie All-in aussah.
Turn Ac. Jetzt hatte ich 2 Flush draw und Straßen draw, also unendlich viele Outs. Meine Gegner checkten zu mir und ich fand keinen Grund, nicht die freie Karte zu nehmen, weil sie bei diesem Pot sowieso mit jeder Hand bezahlen würden. Der River 7d, brutal, jetzt waren alle meine Träume geplatzt. Ich hatte nur 9 hoch und... nur € 8,- Restgeld! Meine Gegner checkten wieder und ich entschied mich, die letzten € 8,- in den Pot von fast € 600,- zu werfen. Bitte nicht lachen, aber es bestand eine minimale Chance, dass meine Gegner auch auf draw waren, sie hatten ja immer gecheckt. Der Blind-Spieler schaute mit Frust auf das Bord und dann seine Karten an und foldete mit etwas wie ,,ich kann nicht kontrollieren". Der UTG Spieler war wie geschlagen, seufzte und foldete. Der Dealer schob den Pot zu mir und ich öffnete meine Karten. Als meine Gegner meine 9 hoch gesehen hatten, waren sie sehr wütend aufeinander, aber der Dealer hatte gelacht und sagte: „Ich deale seit 10 Jahren im Poker, aber so einen billigen Bluff hatte ich noch nie gesehen!"
Und wenn man überlegt, gab dieser chancenlose Bluff meinen Gegner fantastische Pot Odds über 1 zu 70! Für mich aber, es reicht, wenn ich einmal aus 70 solcher Versuche erfolgreich bin, um mathematisch ein gutes Ergebnis zu erzielen. Na ja, wie der Dealer schon sagte, so etwas passiert nur einmal in 10 Jahren.

Euer Ivo ,,The Chessmaster" Donev


Ivo Donev

WPT Montesino - Der Poker Boom in Wien

Ivo Donev, 18.4.2011

Hallo liebe Pokerfreunde,
schon seit langer Zeit versucht die World Poker Tour festen Fuß in Europa zu fassen. Leider hat dies bis jetzt noch nie so richtig geklappt, denn ihre kleine europäische Schwester, die European Poker Tour, hat die WPT immer in den Schatten gedrängt. Ein krasses Beispiel: Ich erinnere mich an meine Teilnahme vor zwei Jahren bei der WPT in Bratislava, wo mit großer Mühe knapp 100 Teilnehmer zusammenkamen, jedoch einige Monate zuvor bei der EPT San Remo über 1000 Pokerfreunde mitmachten.

Diesmal aber, in Wien von 20-25. März 2011 war es ganz anders: 555 begeisterte Spieler engagierten sich bei der größten WPT, die je in Europa stattgefunden hatte.
Ich entschied mich an Tag 1A zu spielen. Die Turnierstruktur war fast die gleiche: 30 000 Startchips, 1 Stunde Level und Start bei 50-100. Wenn jemand aber beide Strukturen genau unter die Lupe nimmt, dann ist zu sehen, dass die WPT Struktur langsamer steigt. Den Unterschied spürt man besonders ab Level 7, bei der WPT haben wir 250-500 mit 50 Ante und bei der EPT 300-600 mit 50 Ante. Ingesamt gesehen empfand ich persönlich die WPT Struktur angenehmer als die aktuelle der EPT.

Mein erster Tisch setzte sich wie folgt zusammen:
1) Manuel Blaschke - junger, guter Spieler aus Wien
2) Peter, ein erfahrener und solider Spieler
3) Ein russischer Businessmann und Schwergewicht, der oft seine Hände überschätzt
4) Euer Ivo
5) Michael Csango, Inhaber eine Caféhauses in Wien, High Limit Spieler
6) Ein Tscheche, der gigantische Wetten macht, vor als auch nach dem Flop, gefährlich!
7) Ein junger Internetkid
8) Ein unbekannter ungarischer Spieler
9) Ein unbekannter englisch sprechender bwin Spieler, machte auf mich einen soliden Eindruck

Level 2 (75/150), ich war am Hijack (so nennt man den zweiten Platz rechts vom Button) mit K K. Drei Spieler limpen für 150. Was nun? Klar – raisen, aber wie hoch? In solchen Situationen ist es optimal, nicht zu wenig zu raisen, damit man nicht alle Gegner behält, und nicht zu hoch, damit nicht alle Gegner verjagt werden, sondern so angepasst klein zu raisen, um seine Gegner im Feld zu behalten. So hatte KK für mich maximale Gewinnchancen:
KK gegen nur einen Gegner hat 82%, aber KK gegen drei Gegner hat nur 58% Gewinnerwartung!

Im Pot waren momentan 4x150 + SB 75=675, somit ist ein Raise in Potgröße ein gutes Hilfsmittel in solchen Situationen. Ich raiste auf 700, und überraschenderweise unterstützte mich der Small Blind, dazu Platz sieben und der letzte Limper, der russische Bär, mit diesem Betrag. Der Flop: Ts 2s 2h, super, ein Traum-Flop! Ich hatte nun ein Overpaar zum Flop und hatte keine Angst, dass jemand einen Drilling mit Zweien hatte, weil ich vor dem Flop kräftig geraist hatte. Ich hatte somit wahrscheinlich alle Hände, die eine Zwei hielten, zum Folden gebracht. Wie gut erzogene und brave Kinder haben meine Kontrahenten gleichzeitig den meistverbreiteten Poker Term ,,Check" als Schutzschild genommen! Trotz des ungefährlichen Flops wettete ich mit Absicht 2000:
a) um keine freie Karte zu geben
b) um den Pot mit meiner Monster Hand aufzubauen
Der,,grüne", sorry, der junge Spieler im Small Blind fand irgendwelche Ideen, und nach langer Überlegung callte er. Der russische Bär verließ hungrig geblieben das Schlachtfeld. Was denken Sie, was der Turn wohl brachte? Wie in einem bösen Märchen die schrecklichste Karte für mich aus dem gesamten Paket - nämlich noch einen Zehner, Td. Jetzt checkte mein Gegner glücklicherweise. Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte, wenn er am Turn eine hohe Wette schießen würde. Nun begann ich, Vor- und Nachteile abzuwiegen über Check und Bet am Turn. Am Schluss entschied ich, dass hier ein Check der wesentlich bessere Zug als eine Bet war:
a) vermeiden eines unangenehmen Checkraise
b) um Pot-Kontrolle gegen nur einen Gegner in Position zu haben
c) dazu könnte mein Gegner einen Check als Schwäche interpretieren und ich ihn am River zu einem Bluff verleiten.
Also Check! River Qc. Jetzt zeigte mein Gegner seine Krallen und schoss 3300 in einen Pot von 6400
Was nun? Fold, Raise oder Call? Bitte überlegen Sie selber, bevor Sie weiter lesen!
In dieser Situation erkennt man den großen Unterschied zwischen Limit und NL Holdem.
Im Limit Holdem wäre die richtige Antwort eindeutig ein Raise, weil mein Gegner im schlimmsten Fall nur noch eine Wette drauf setzen konnte. Bevor man im No Limit am River raist, muss man sehr gut nachdenken. Falls ich beispielsweise auf 8.000 raiste und mein Gegner All-In für 27 000 ging, stand ich vor einer sehr schweren Entscheidung - hatte er wirklich Drillinge mit Zehnen, hatte er QQ in der Hand oder AQ oder sogar AA slow gespielt. Oder hatte er seinen Flush Draw verpasst und wurde durch mein Check am Turn verleitet, sich mit einem Bluff den Pot zu schnappen? Mit einer solchen River-Bet setzte ich mir oft selbst einen ,,Igel in die Hose". Nein lieber nicht! Ich callte und sah, dass er mit Siegerpose mir stolz seine A Q off zeigte. Weil ich nur callte, hatte er gedacht, dass seine Top Paar mit Top Kicker gewinnen würde. Ich meinerseits mit meinen KK, den ,,haarigen Brüdern", strich diesen Pot mit Erleichterung ein:
FAZIT: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, in Pokersprache gesagt: Lieber den kleinen Pot sicher, als den großen Pot unsicher!!!

In Level 6 wurde ich an einen neuen, wesentlich schwereren Tisch platziert. Ganz kurz die neue Mannschaft. Platz 1 ich, Platz 2 Leo Margets, Platz 3 Daniel Schweizer, Platz 4 ein Pro aus Litauen, Platz 6 Pro aus USA, Platz 7 Marin, ein junger Pro aus Bulgarien, Platz 8 Johannes Strassmann, Platz 9 High Stake Pro Frederik Keitel.

Nach kurzer Zeit hatte ich in Level 7 wieder die ,,bärtigen Brüder" (so nenne ich die KK, oder besser noch King Kong?) am Button bekommen! Alle foldeten bis zum Cutoff zu Frederik Keitel, der 1300 verlangte. Das Problem war nur, dass er die Chips nicht eindeutig gleichzeitig gesetzt hatte (mögliche String Bet).
Meine Möglichkeiten: Call oder Reraise.
a) wenn ich callte verstecke ich die Stärke meiner Hand und bliebe nach dem Flop in bester Position. Die Gefahr bei einer solchen Spielweise bestand darin, dass ich gute Pot Odds an die beiden Blinds gäbe, die somit leicht in den Flop-Zug einsteigen könnten! Wie oben erwähnt, ein großes Paar spielt sich optimal nur gegen einen Gegner.
b) wenn ich raiste, verjagte ich vermutlich die beiden Blinds und pumpte den Pot auf. Außerdem konnte es sein, dass mein aggressiver Gegner dachte, dass ich ihn mit einer mittelmäßigen Hand verjagen wollte, da ich in Steal-Position war.
Hier hatte ich mich für Variante B entschieden und reraiste auf 3300, so zu sagen eine ,,komm friss mich auf"- Einladung.
Nachdem die Blinds schnell verschwanden, begann Keitel tief nachzudenken, und packte schlussendlich seine schwere Artillerie aus - Reraise auf 9500. Entweder hatte er wirklich eine starke Hand oder er glaubte nicht, dass ich etwas Seriöses vorzuweisen hatte.
Jetzt stand ich wieder an der Kreuzung: Call oder All-In für 33 000 - er hatte übrigens einen Stack von 30 000.
Falls ich callen würde, wäre es für ihn klar, dass ich eine Bombenhand hatte, und so würde ich nach dem Flop keine Action bekommen, außer er hatte gut getroffen. Darum entschied ich mich, auf 30.000 zu reraisen, was ihn überhaupt nicht geschmeckt hatte. Er seufzte tief und foldete, aber sehr bald hatte er seine Verluste mit folgendem Kunststück wieder wettgemacht. Johannes Strassmann saß am Button mit AK und alle foldeten zu ihm. Er raiste Standard, und nur Keitel im Big Blind hatte etwas dagegen – Reraise, weil er selber auch AK gehalten hatte. So schaukelten sich beide bis zum All-In hoch. Beim Showdown hatte der glückliche AK von Keitel gewonnen durch Runner-Runner-Flush! Johanes schied sehr verbittert aus! Schlussendlich hatte ich Tag 1 mit einem Stack über Average 86.600 beendet.

Am nächsten Morgen hatte ich Details über die neue Mannschaft, die mich am Tag 2 an meinem neuen Tisch erwartete, erfahren. Ich hatte meine Gegner unter die Lupe genommen und analysiert. Wie ich mich dann daraufhin vorbereitete, werde ich im kommenden Teil 2 meines WPT Wien Blogs darlegen!

Euer Ivo ,,The Chessmaster" Donev.


Ivo Donev

EPT Snowfest - Über sieben Brücken musst du gehen!

Ivo Donev, 11.4.2011

Hallo liebe Leser,
ich vermute, dass Sie alle wissen, wer Peter Maffay ist?
„Über sieben Brücken musst Du gehen
Sieben dunkle Jahre überstehen
Sieben mal wirst Du die Asche sein
Aber einmal auch der helle Schein!“

Dieses wunderbare Lied von Peter Maffay hatte mich begleitet, während ich short stack bei dieser EPT spielen musste.
Ich war sehr positiv auf diese EPT in Saalbach/Hinterglemm in Austria eingestellt, weil ich letztes Jahr hier ziemlich gut abgeschnitten hatte, aber dieses Jahr hatte ich nur bis Level 8 überleben können. Genug „bla bla bla“, jetzt an die Arbeit.
Punkt 14 Uhr stand ich an meinem Tisch 24 am Platz vier vor einem Stapel Chips 30 000. Nicht schlecht bei startenden Blinds 50-100 und einstündige Levels, ich konnte gut mit diesem Startkapital arbeiten!

Mein erste Aufgabe bei Turnieren war, immer möglichst viele Infos über meine Gegner zu sammeln.
Nach circa einer Stunde hatten sich meine ersten Eindrücke gebildet:
Platz 1: Venezuela Boy - solide zurückhaltende Spieler
2 Leere Plätze – wurden fast sechs Stunden ausgeblendet – sind einfach leer mitgelaufen
Platz 4: Junger hyperaggressive Finne, gute Spieler
Platz 4: Mein Platz
Platz 5: Alter einheimischer Spieler - offensichtlich unerfahren, Calling Station
Platz 6: Ein junge Salzburger - mit Brille, Mütze und ziemlich loosem Spiel
Platz 7: Ein Veteran aus Moskau - Hobbyspieler ohne Pokerinstinkt
Platz 8: Christian Fabri - ich hatte ihn extra nach seinen Name gefragt, weil er super gespielt hatte, ein echt gefährlicher Profi. Für mich der beste Spieler am Tisch
Platz 9: Junger Finne, extrem schwach. Offensichtlich ohne Erfahrung, er limpte fast 50% von seinen Händen!

Auf den ersten Blick hatte ich einen nicht sehr schweren Tisch. Trotzdem muss man ab und zu treffen oder seine Gegner auf dem falschen Fuß erwischen.
Level 1: Schon in Hand Nr. 2 bekam ich KK, ich raiste UTG auf 225. Manche fragen sich, warum ich auf 4,5 BB raiste. Der Grund war logisch. Mit Big Hand Big Pot spielen, also den ersten Stein, um einen big Pot aufzubauen, legte ich vor dem Flop. Im späteren Level ist es meistens nicht notwendig, hoch vor dem Flop zu raisen, weil es Ante gibt und die Blinds im Vergleich mit dem Stack genug hoch sind.
Gleich nach mir unterstützten meine zwei linken Nachbarn mich ohne Bedenken mit diesem bescheidenen Betrag. Der Italiener auf Platz 8 hatte aber schmutzige Pläne und hob die Latte Hoch - 900 war der Preis, um den Flop zu sehen. Es kam die Action zu mir und ich wollte gerne mit meiner Monsterhand im Heads-up spielen - also war 3000 meine Antwort. Die beiden Österreicher verschwanden auf der Stelle, und jetzt war der unbekannte Italiener an der Reihe. Ohne mit der Wimper zu zücken, schob er 11 000 in die Mitte. Wow, das war meine zweite Hand und gegen meine Könige wurden 4 Bets gemacht. Mir wurde heiß und ich war wie gegossen, hatte er wirklich Asse? Das war meine wichtigste Frage. Weil dies meine zweite Hand war und ich diesen Italiener überhaubt nicht kannte (offensichtlich war nur sein großes Tatoo am linke Arm) dachte ich mir:
„Die Südländer sind normalerweise ziemlich aggressiv und auch die Wahrscheinlichkeit, dass er AKs QQ oder sogar KK ziemlich hoch bewertete“. Ich schob All-In für 30k und --- wurde sofort gecallt! Jetzt war mir schlecht geworden, so früh war ich noch nie beim einer EPT ausgeschieden. Er drehte langsam seine Karten um, sicherlich wollte er mich quälen, zum Glück waren es keine Asse sondern … Könige. Am Board keine Überraschungen und somit Split-Pot. Huh, ich war etwas erschrocken von dieser Schaukelei bis zum All-in vor dem Flop.

Level 2, der russische Pensionist raiste auf 500 in früher Position, der Button auf Platz 3 - der Junge Finne, callte, ich fand im SB ein Paar 5 5 und callte, und der BB gab "Ring Frei“. Zu Viert sahen wir einen für mich angenehmen Flop mit 8 4 8. Ich checkte, der BB ebenfalls. Wir alle schauten auf die Reaktion des Pre Flop Aggressors, dem offensichtlich der Flop nicht gefallen hatte, er checkte mit. Das war wie ein grünes Signal für den hyperaggressiven Finnen am Button, der sofort mit 1200 (der Pot war 2000) geschossen hatte. Mein Instinkt sagte mir, dass ich momentan die beste Hand hatte, also Reraise ich auf 2500. Die anderen zwei foldeten, aber der Finne schlug noch einmal mit dem Hammer zurück: Reraise auf 5000. Hm, schwer! Ich callte ruhig, weil ich ihm einfach nicht glaubte. Wenn ein solider Spieler solch einen Move gegen mich machte, würde ich ohne Bedenken folden, aber gegen die jungen Internet-Kids ist das ein andere Sache. Turn 2, ich checkte und er ebenfalls. Problem wäre, wenn er jetzt wettete, dann wäre ich einfach fertig mit meiner Hand! River K, Check – Check, und beim Showdown gewann mein 5er-Paar gegen seine heiße Luft T 7 Karo.

Level 3: (100/200) Ich war Big Blind mit K 3, es gab drei Limper, und ich war froh, den Flop billig mit meinen Schrottkarten zu sehen, nämlich K K 8. Bingo! Ich checkte, und von den drei Limpern hatte niemand irgendeine Idee, darum checkten alle mit. Turn 2, ich wollte gerne Action und wettete 500. Alle foldeten sofort, schade. Hatten sie bemerkt, was für einen Fehler ich gemacht hatte? Weil am Flop alle gecheckt hatten, hatte wahrscheinlich niemand etwas getroffen. Darum musste ich unbedingt am Turn auch checken!!! Auf diese Weise könnte folgendes Passieren:
a) Jemand konnte die blöde Idee bekommen, den Pot zu stellen (weil alle vorher gecheckt hatten)
b) Jemand konnte am River ein Paar treffen und die zweitbeste Hand erhalten.
Fazit: Während eines Pokerturniers trifft man auf viele unklare Situationen, die eine Hand auf verschiedene Weise spielen lassen. Oft aber gibt es eine optimale Spielweise, die auf Dauer maximalen Gewinn erzielt! Die Betonung liegt auf „Dauer“!

Level 4: (150/300) Ich fand UTG meinen Alptraum mit AK und verlangte 900. Alle Spieler hatten Respekt gegenüber dem früheren Raiser außer Platz 9, dem loosen Mitspieler, dem Finnen, der auf 3500 reraiste. Die Action kam zu mir und ich hatte nur einen Gegner, der circa 20 000 hatte (ich momentan 29 000). Er hatte bei seiner früheren Spielweise viele schlechte Calls gemacht und überschätzte oft seine Karten. Wenn ich jetzt auf 10 000 reraisen würde und er eventuell All-In ginge würde ich circa 1 zu 3 Pot Odds haben, was gegen jede Art von seinen Karten (außer AA) einen klaren Call verlangen würde. Im Pot lagen 4850, und ich entschied mich, hier maximalen Druck auszuüben, also Reraise 20 000, um den Pot ohne Showdown zu gewinnen. Er begann tief zu überlegen. Ich war fast sicher, dass er jetzt nicht sein Turnierleben riskierte und folden würde. Leider nach etwa 2-3 min callte er und drehte Ac Kc um. Ok, dachte ich, der Split Pot ist fast sicher (in circa 92%). Der Flop aber war unsympathisch mit Kh 7c Jc. Ich machte meine Augen zu und hörte nur einen Schrei von meinem Gegner: "Yes, ship it Baby“. Es war klar, dass er seinen Flush gekauft hatte (Turn 3c River 5s), aber seine Brüllerei hatte mich echt geärgert! Hier nun noch ein interessanter Vergleich:
AK offsuited verliert gegen AK suited in 5%
AK offsuited verliert gegen AK off in 2,2 %
AK verliert gegen AQ in circa 24%
Nach diesem Unfall musste ich schon so früh als Short-Stack (mit circa 9.000, alle am Tisch hatten derzeit über das dreifache meines Stacks) das Turnier fortsetzen. Um mich zu beruhigen hatte ich das Peter Maffay Lied in ein Pokerlied geändert:
„Über sieben Level musst Du gehen
Sieben dunkle Stunden überstehen
Sieben mal wirst Du All-In sein
bist du irgendwann im Geld landen kannst!“

Ab jetzt hatte mich diese neue ,,Poker“-Lied ständig begleitet.
Level 5: (150/300+Ante 25) Es war 19.40 h, genau 5:40h nach dem Anfang des Turniers. Plötzlich auf Platz 2 (dem mitgelaufene Stack) kommt der Poker Stars-Pro Elky. Sein Stack war zu diesem Zeitpunkt von 30 000 auf 25 000 geschrumpft. Elky hatte sein Flugzeug in Frankreich verpasst, darum stieg er erst am Ende von Level 5 ein! Hm, dachte ich, wenn ich am Nachmittag geschlafen hätte und ebenfalls erst jetzt in das Turnier eingestiegen wäre, hätte ich auch 25 000 statt 9000 gehabt und viel Nerven gespart - LOL.

Bald wurde ich an einen neuen Tisch umgesiedelt. Ich saß auf Platz 3 und sehe zwei bekannte Gesichter, auf Platz 7 den EPT Kiev Gewinner Maxim Lukov und auf Platz 9 den Hight Stack Spieler Vladimir Geshkenbein. Besonders beeindruckend wirkte der Monster Stack auf Platz 9 mit über 200 000!
Er raiste fast jede Hand vor dem Flop. Die einzige gute Nachricht in dieser traurigen Lage war, dass ich Position auf den Chip-Leader hatte.

Level 8: (400/800+Ante 75) Mein Stack war mager, um die 10.000, und ich suchte dringend frische Chips - sonst würden mich bald die steigenden Blinds auffressen. Vladimir sang sein Lieblingslied und raiste auf 2000 und ich traute meine Augen nicht KK. Ohne zu überlegen schob ich 10 000 All-In. Alle foldeten und leider auch Vladimir, er zeigte mir 8 5 in Kreuz. Vielleicht sollte ich nur callen, um das eventuelle Conti-Bet (zu 99%) von Vladimir zu kassieren? Was meinen Sie?

Es war kurz nach Mitternacht und Level 8 ging bald zu Ende. Vladimir und Maxim Lukov raisten wie abgesprochen vor dem Flop regelmäßig, und jetzt war Maxim an der Reihe - UTG machte er Standard 2000. Alle foldeten zu mir im SB, wo ich Paar 99 (mit circa 12 000 Chips) gefunden hatte. Jetzt stand ich vor einer schweren Entscheidung:
a) Zu folden, weil der UTG Raiser möglicherweise ein bessere Hand als mein 99 Paar hatte
b) All-In zu raisen, weil Lukov mit einer breitem Range von Händen raiste und wahrscheinlich meine 99 Paar gut gegen solche Hände abschnitt. Außerdem hatte ich ein tightes Image und Lukov (wenn er nicht ein Monster hatte) könnte folden.
Ich verlangte 12 000 um den Flop zu sehen und war total überrascht als der Big Blind callte! Wie ich vermutet hatte, hatte Lukov mit heißer Luft geraist und foldete sofort. Der schnelle Call von Big Blind war aber Indiz für eine Bombenhand, und ich sah mit meinen Perlen 99 sehr alt aus gegenüber dem AA Paar des Big Blind. Es kam keine Hilfe von dem Dealer und so war ich raus.
Beruhigend war die Tatsache, dass ich am Tag 2 nicht mehr die Short Stack Qual ertragen musste, darum bin ich am nächsten Tag zur WPT Wien abgereist.
Über dieses WPT-Turnier werde ich in meinem nächsten Blog sehr interessante Situationen diskutieren.


Ivo Donev

Hurra, mein Blog ist wieder da!

Ivo Donev, 27.3.2011

Zuerst einmal möchte ich mich bei win2day und Hochgepoker.de ganz herzlich bedanken! Nun habe ich wieder die Möglichkeit, meine Gedanken und Analysen über und um das Poker Spiel fortzusetzen und für Sie, liebe Leser, zu veröffentlichen.

In der letzten Februarwoche hat im Casino Bregenz wieder wie jedes Jahr das größte Poker-Festival in West-Österreich stattgefunden. Es ist für mich natürlich absolute Pflicht, ,,Zu Hause" bei mehreren Events teilzunehmen. Bei so einer Turnierwoche gibt es mehrere kleine und ein großes Turnier - das sogenannte Main Event. Ehrlich gesagt bin ich von den kleinen Turnieren immer mehr enttäuscht und immer mehr begeistert vom Main Event ganz unabhängig von meinen Ergebnissen.

Die Vorteile des Main Events liegen auf der Hand:
a) Mehr Startchips- 15 000 statt 10 000
b) Längere Spielzeit, nämlich eine Stunde pro Level (statt 30 min)
Die Blinds starten mit 25-50 und somit hat man bei Level 1 des Main Events ein M=200

Also man startet mit einem 15 000 Start Stack: 75 sind die beiden Blinds = M200 Heutzutage ist dies wie eine unbeschriebene Regel für große Turniere: Minimum M=200 und Levels je 1 Stunde. Auf diese Weise ist der Glücksfaktor minimiert und die guten Spieler haben genug Spielraum, um die schwächeren Gegner auf dem falschen Fuß zu erwischen. Ich wurde für einen relativ guten Tisch ausgelost. Meine erste Aufgabe war, meine Gegner zu beobachten und richtige Diagnosen zu stellen: Wer ist krank (zu raisen) - Maniac, wer spielt loose, wer tight, wer klaut oft in späterer Position die Blinds, auf welche Weise spielen meine Kollegen die verschiedenen Hände und so weiter.

In Level 3 (100-200) hatte mein rechter Nachbar, Herr Cetindag, folgendes Kunststück zusammengebastelt. Am River lagen 9 7 9 9 Q und im Pot - circa 2000. Sein Opponent auf Platz eins wettete kräftig 30% von seinem eigenen Stack, ein Pot Overbet von circa 3000, und Herr Cetindag raiste ohne zu überlegen auf 8000. Sein Gegner hat ungefähr 10 000 total und ging All- In, also nur 2000 mehr! Jetzt wurde es spannend! Mein Nachbar schwitzte, aber nach langer Überlegung callte er, öffnete AQ und sagte dazu: „Ich weiß, dass wir teilen werden, hast du auch Full House?“ Sein Gegner dagegen öffnete 9 8 für Vierling 9,und strich den fetten Pot über 22 000 ein! Mein Nachbar meinte, dass er wieder Pech hätte: „Das gibt es doch nicht“, sagte er, „mit Full Haus gegen Vierling verliere ich 90% meines Stacks!“ Typische (grundlose) Bad Beat Story die oft von Pokerspielern erzählt wird.
Wenn wir aber realistisch nachdenken, werden wir seinen großen Fehler entdecken: Er sollte am River nur callen und niemals raisen, weil das Raise in einer solchen Situation mir klare Negative Erwartungen gibt: Entweder hat mein Gegner eine Dame, und somit spielt mein Ass Kicker keine Rolle - der Pot wird geteilt von Full House QQ 999, oder mein Gegner hat eine 9 in der Hand und somit einen Vierling. Dazu gibt es auch noch zwei Hände, die stärker als Damen full sind, nämlich wenn mein Gegner KK oder AA in seiner Hand hat und somit das bessere Full als meines bildet. Das war ein klassischer Fehler, den man am River oft bei unerfahrenen Spieler sehen kann.

Nach kurzer Zeit war Herr Cetindag nach Hause geschickt worden und an seinen Platz kam ein neuer Spieler - Oliver Bösch, der zu diesem Zeitpunkt ziemlich viele Chips (über 30 000) hatte.
Er spielte Poker mit viel Phantasie, darum waren seine Hände sehr schwer einzuschätzen. Wir hatten Level 6 (200-400 Ante 50). Ich war am Button mit Ks Ts mit circa 28 000, alle Spieler hatten gefoldet bis zum Cut off, nämlich Oliver, der auf 1200 geraist hatte. Ich dachte, dass könnte ein Versuch sein, die armen Blinds auszurauben und verlangte 3600, um den Flop zu sehen. Die Blinds verschwanden sofort, und Herr Bösch hatte mein Angebot freundlicherweise angenommen, also sahen wir zu zweit aus meiner Sicht einen wunderbaren Flop Kc Tc 8s an. Wow, ein Volltreffer! Jetzt war meine Hauptaufgabe: Wie kann ich Herrn Bösch von seinen Chips maximal erleichtern. Offensichtlich hatte er Pokerbücher gelesen und hatte brav gegen den Preflop-Aggressor gecheckt. Jetzt war mein erster Schritt, den Pot aufzubauen, mein Preis, den Turn zu sehen: 4000, die er sofort bezahlte!Offensichtlich hatte er bestimmt irgendwelche Ideen, wenn er schon so schnell bezahlt. So weit so gut. Turn 9h. Bei diesem Bord, und meinen Top Paaren konnte ich nicht mehr zurück von meinem Gaspedal. Er checkte wiederum. Der Pot war schon ziemlich fett mit 16 300, ich hatte circa 20 000 Rest. Was nun? Ich setzte meine Fishing-Strategie fort und verlangte den verlockenden Betrag von 8000. Erst jetzt begann Oliver zu grübeln, fragte nach meinem Chip Count und bezahlte nur. River: Boom! Q d! Plötzlich ertönte mein Gegner mit dem, was ich nie hören wollte: ,,All- In" Dies war für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel!
Jetzt lagen am Board Q 9 8 T K (Rainbow), und wenn er in seiner Hand nur einen Bube halten würde, hätte er einfach die Second-Nuts-Strasse.
Jetzt war ich wie gefroren, die Situation war simpel:

a) Entweder hatte mein Gegner mit Jx in der Hand eine Straße…
b) …oder er benützte diese gefährliche River Karte zu einem Bluff, falls er beispielsweise einen Flush Drow verpasst hatte, um seine Straße zu repräsentieren. Wow, echte Tombola.
Ich sah ihn genau an, als wollte ich eine Antwort bekommen. Er war ruhig und atmete ganz normal. Ich fand weder einen Grund zu callen noch einen um zu folden! Brutale Situation! Wenn ich recht hatte, gewinne ich einen Riesenpot und wäre einer von den Chipleadern, aber wenn ich falsch liege und er wirklich eine Straße hatte, wäre ich einfach weg vom Fenster – aus, Schluss, Feierabend! Ich war so unentschlossen und dachte und dachte, doch plötzlich kam die Erleichterung, nämlich in Form des Floormannes Edgar Stuchly, der mir eine Minute für meine Entscheidung gab. Ich fragte Oliver, ob er mir seine Karten zeigen würde, wenn ich foldete, aber es kam ein ruhiges und klares NEIN. Schlussendlich konnte ich keine Entscheidung treffen und meine Zeit war abgelaufen, somit war meine Hand tot. Jetzt strich sich Oliver den riesen Pot ein und muckte schnell seine Karten verdeckt. Hm, dachte ich, wenn er wirklich einen Super-Bluff durchgezogen hatte, hätte er doch stolz seine Karten offen gezeigt, oder? Was meinen Sie, liebe Leser? Wahrscheinlich sollte ich am Turn einfach All-In spielen und mir so die aufkommenden Kopfschmerzen zu sparen?
Ein US Poker Pro hat mir damals gesagt: Um ein NL Poker Turnier zu gewinnen, muss du bereit sein zu sterben...Hm, vielleicht hat er recht?
So bin ich zum Short Stack mit circa 12 000 geworden. Bald wurde ich an einen anderen Tisch umgesetzt, rechts von mir saß der bekannte wilde Italiener Vito Branciforte. Ich schaffte es mit großen Mühen, mein Stack auf über 17 000 aufzubauen. Es war Level 8, die Blinds 400-800 + Ante 100. Vito war zur diesem Zeitpunkt auch Short Stack und spielte sehr aggressiv. Ein interessantes Beispiel: Er war im Big Blind mit circa 10 000 Stack. Vlado Sevo raiste aus früherer Position auf circa 2000. Der Cut Off und der Button waren sofort mit dieser Einladung einverstanden. Der Small Blind foldete, und jetzt war Vito am Zug. Er wollte nicht einfach im Pot mittanzen, sondern verlangte für den Eintritt alles, 10 000 All-in. Die ersten zwei Spieler hatten Vito schnell geglaubt und gefoldet, aber der Button atmete mit Schmerzen wie eine Mutter bei der Geburt ihres Kindes und foldete offen Ks Qs. Vito sprang von seinem Stuhl auf und zeigte stolz Q 7 für erfolgreiche Squeeze! Hut ab!
Genau in der nächsten Hand war ich im Big Blind (800) und Vito Small Blind (400) Der Cut-off, ein ziemlich solider Win2day Qualifikant - Tobias Natter, raiste auf 2200, der Button und SB foldeten, und jetzt war Vito an der Reihe, der ohne mit der Wimper zu zucken sein gesamtes Stack in die Mitte platzierte: All- In für 17 700.
Ich schaute vorsichtig meine Karten und traute meinen Augen nicht: AK, eine von den Top vier Premium-Händen im Hold'em überhaupt. Es war die Zeit gekommen zu verdoppeln oder rauszugehen. Ich hatte genau 17 400 und sprang sofort auf den All-in-Zug. Tobias Natter, hatte keine Lust mehr mit uns All-in zu tanzen und foldete offen ein Paar 10 10. Und wieder sprang Vito vor Freude von seinem Stuhl auf und drehte seine Karten um - ein Paar,, Enten", so nenne ich Paar 2 2. Es war für mich immer faszinierend, diese klassische Konstellation mit kleinstem Paar gegen das größte Unpaar zu sehen. Also:
a) AK schneidet sehr gut ab gegen viele gegnerische Hände, z.B. hat AK einen großen Vorteil gegen jede Art Ax und ist fast 50% stark gegen jedes niedrigere Paar als QQ und ist darum in die Top vier Hold'em Hände überhaupt einzuordnen! Mit zwei Worten gesagt: Entweder bin ich vorne oder 50/50%.
b) 22 schneidet sehr schlecht ab gegen jedes Paar (20 zu 80%) und hat gegen irgendwelche Overkarten circa 50%. Darum ist das Paar 2 2 nicht in den Top 40 Händen! Mit zwei Worten gesagt: Entweder bin ich weit hinten oder habe Maximum 50/50%
c) Trotz dieser gewaltige pre Flop Unterschiede, wenn man Heads up AK gegen 22 spielt liegen die Gewinnerwartungen um die 50%!

Dieses Mal aber mit AK war ich wieder machtlos, denn das Board zeigte keine Bildkarten, und somit war ich bei den letzten sieben Tischen ausgeschieden. Ich war mir nur nicht sicher, ob Vito seine letzten zwei Hände gut gespielt hatte oder er einfach mehr auf der Glücksseite stand! Auf alle Fälle hatte sich sein riskantes Spiel gelohnt, er ist nur kurz vor dem Finaltisch, aber im Geld, ausgeschieden.

Am nächsten Tag bin ich also statt am Final Tisch auf dem Faschingsumzug in Lochau gelandet! Am Schluss einige Frage an die Leser: Was möchten Sie von meine Blog am liebsten lesen
a) Analysen von Poker Händen?
b) Themen rund um Poker?
c) Mehr Fotos sehen?
d) Andere Ideen?

Euer Ivo ,,The Chessmaster" Donev - Begeisterter Poker Analysator

http://www.ivodonev.com

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