Frauen sind im internationalen Spitzenmotorsport bis heute deutlich unterrepräsentiert. Dabei fehlt es nicht an Talent oder Leistungsfähigkeit – sondern häufig an Sichtbarkeit, gezielter Förderung und klaren Entwicklungsmöglichkeiten. Genau hier setzte der erste Equal Racing Day am Red Bull Ring an: Am 1. Juni 2026 brachte die Equal Play Initiative von win2day und den Österreichischen Lotterien erstmals Experten, aktive und ehemalige Rennfahrer sowie Nachwuchstalente zusammen, um über Chancengleichheit im Motorsport zu sprechen.
Seit 2024 setzt sich die Equal Play Initiative von win2day und den Österreichischen Lotterien für mehr Sichtbarkeit und bessere Rahmenbedingungen für Frauen im österreichischen Sport ein. Mit dem Equal Racing Day wurde der Fokus nun gezielt auf eine Sportart erweitert, die traditionell besonders stark von Männern geprägt ist.
Im Mittelpunkt stand dabei eine zentrale Frage: Warum schaffen es trotz vorhandenen Talents noch immer so wenige Frauen bis an die Spitze des Motorsports?
„Mit Equal Play wollen wir nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern konkrete Zukunftsthemen im Sport sichtbar machen. Gerade im Motorsport sehen wir enormes Potenzial – aber auch strukturelle Hürden, die bis heute bestehen. Unser Ziel ist es, Sichtbarkeit und Vorbilder zu schaffen und jene Menschen zusammenzubringen, die aktiv an Veränderung arbeiten“, erklärt Erwin van Lambaart, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Lotterien.
Diskutiert wurde am Red Bull Ring unter anderem mit der ehemaligen Rennfahrerin Corinna Kamper-Campisi, Formel-1-Experte Alexander Wurz, Nachwuchshoffnung Ivonn Simeonova und Fran Longstaff von der More than Equal Initiative. Unterstützt wurde der Equal Racing Day außerdem von Persönlichkeiten wie Virginia Ernst, Conny Kreuter, Thomas Muster und Jakob Seeböck.
Für Alexander Wurz ist klar, dass die grundsätzliche Leistungsfähigkeit von Frauen im Motorsport nicht mehr zur Diskussion stehen sollte:
„Die Diskussion darüber, ob Frauen Motorsport auf höchstem Niveau betreiben können, sollte längst vorbei sein. Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern ob Talente früh erkannt, professionell gefördert und auf ihrem Weg unterstützt werden.“
Damit rückt eine andere Frage in den Mittelpunkt: Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit talentierte Fahrerinnen überhaupt die gleichen Chancen erhalten, sich bis in den Spitzenbereich zu entwickeln?
Genau damit beschäftigt sich die internationale Initiative More than Equal, die von Karel Komárek und dem ehemaligen Formel-1-Fahrer David Coulthard gegründet wurde. Ihr langfristiges Ziel ist ambitioniert: die erste weibliche Formel-1-Weltmeisterin hervorzubringen.
Die Arbeit der Initiative setzt unter anderem auf wissenschaftliche Erkenntnisse und gezielte Nachwuchsförderung. Nach Einschätzung von More than Equal verfügen Frauen über die körperlichen und kognitiven Voraussetzungen, um auch auf höchstem Niveau im Motorsport erfolgreich zu sein. Entscheidende Hürden liegen vielmehr in den Entwicklungsbedingungen – etwa beim Zugang zum Sport, bei Förderprogrammen, Netzwerken, Finanzierung und öffentlicher Wahrnehmung.
„Die wissenschaftliche Evidenz zeigt klar, dass Frauen das Potenzial für Spitzenleistungen im Motorsport mitbringen. Die Herausforderung besteht nicht darin, Talent zu finden, sondern darin, die richtigen Entwicklungswege, Förderstrukturen und Chancen zu schaffen, damit sich dieses Potenzial entfalten kann“, sagt Dr. Fran Longstaff, Chief Innovation Officer bei More than Equal.
Wie wichtig diese Rahmenbedingungen sind, weiß auch Corinna Kamper-Campisi aus eigener Erfahrung. Talent und harte Arbeit allein reichen im Motorsport häufig nicht aus.
„Gerade für junge Fahrerinnen ist Sichtbarkeit entscheidend, denn sie schafft Vorbilder, Aufmerksamkeit und letztlich auch neue Möglichkeiten“, so Kamper-Campisi.
Damit wird Sichtbarkeit zu einem entscheidenden Bestandteil nachhaltiger Förderung: Je selbstverständlicher erfolgreiche Fahrerinnen wahrgenommen werden, desto leichter können neue Vorbilder entstehen – und desto realistischer erscheint eine Karriere im Motorsport auch für die nächste Generation.
Dass diese nächste Generation bereits bereitsteht, zeigte beim Equal Racing Day Ivonn Simeonova. Die österreichische Nachwuchsfahrerin ist Teil des Förderprogramms von More than Equal und verfolgt ein außergewöhnliches Ziel.
„Programme wie More than Equal zeigen jungen Fahrerinnen, dass große Träume im Motorsport realistisch sein können. Für meine Generation ist es wichtig zu sehen, dass es Menschen gibt, die an uns glauben und uns auf diesem Weg unterstützen. Und mein Ziel ist klar: Ich möchte die erste weibliche Formel-1-Weltmeisterin werden.“
Der Equal Racing Day machte damit nicht nur bestehende Herausforderungen sichtbar, sondern auch das Potenzial einer neuen Generation von Fahrerinnen.
Der Equal Racing Day war bewusst mehr als ein Tag auf der Rennstrecke. Mit dem Austausch zwischen Nachwuchstalenten, Motorsportprofis, Wissenschaft und prominenten Unterstützer schuf Equal Play eine Plattform, auf der es um die zukünftigen Rahmenbedingungen des Sports ging.
Denn die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, ob Frauen im Motorsport auf höchstem Niveau erfolgreich sein können. Entscheidend ist, ob sie früh genug die Chancen, Förderung und Sichtbarkeit erhalten, um ihr Potenzial auch tatsächlich ausschöpfen zu können.
Mit Initiativen wie dem Equal Racing Day will win2day gemeinsam mit den Österreichischen Lotterien genau dort ansetzen: Barrieren sichtbar machen, Vorbilder stärken und dazu beitragen, dass im Sport langfristig Leistung und Talent über Chancen entscheiden.