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EM verschoben: Zweite Chance für verletzte Spieler (Teil 1)

(20.03.2020)

Einige wenige Gewinner

Auch wenn die Verschiebung der Europameisterschaft mit hohen Kosten verbunden ist, war die Entscheidung schlussendlich alternativlos. Es wäre undenkbar, eine Großveranstaltung dieser Art vor leeren Rängen als Geisterspiele auszutragen. Neben den Anhängern und den Vereinen, die nun zumindest eine Restchance haben, die heimischen Meisterschaften eventuell doch noch irgendwie fertig zu spielen, gibt es aber einige weitere Gewinner, die sich über die Entscheidung der UEFA wahrscheinlich am meisten freuen. Die Rede ist von verletzten Spielern, die im kommenden Jahr nun die Möglichkeit haben, doch noch bei der EM-Endrunde dabei zu sein.

Thomas Goiginger darf auf 2021 hoffen

Wir starten mit einem Akteur der österreichischen Nationalmannschaft, der sich nach der Verschiebung der Europameisterschaft ins Jahr 2021 nun plötzlich doch Chancen ausrechnen darf, sein Heimatland beim bevorstehenden Großereignis zu vertreten. Die Rede ist vom 27-jährigen LASK-Spieler Thomas Goiginger, der sich beim 1:0-Sieg gegen den SV Mattersburg einen Kreuzbandriss im linken Knie zuzog. Der Rechtsaußen verpasste nicht nur das Europa-League-Hinspiel gegen Manchester United, das aber schlussendlich aufgrund der Corona-Krise ohnehin nur noch ein besseres Testspiel werden sollte, sondern musste sich auch damit abfinden, die Europameisterschaft nur vor dem Fernsehapparat verfolgen zu können.

Thomas Goiginger absolvierte in seiner bisherigen Karriere bislang zwar nur ein Länderspiel, allerdings hätte er sich ohne seine schwere Verletzung durchaus gute Chancen auf einen Platz in Franco Fodas Kader ausrechnen dürfen. Immerhin absolvierte der LASK eine bärenstarke Saison und die formstarken Leistungsträger der Oberösterreicher hätten beim Teamchef durchaus gute Chancen auf eine Einberufung für die EM-Endrunde gehabt. Nun kann der gebürtige Salzburger seine Verletzung in Ruhe auskurieren und anschließend in der kommenden Saison wieder voll angreifen. Sollte Goiginger nach der Verletzung zu seiner alten Form finden, ist eine EM-Teilnahme im Jahr 2021 durchaus realistisch.

Mehr Optionen für Jogi Löw

Auch der deutsche Teamchef Jogi Löw wird im kommenden Jahr auf zwei Spieler zurückgreifen können, die in diesem Sommer aufgrund ihrer Verletzungen zumindest fraglich gewesen wären. Niklas Süle vom FC Bayern München erlitt wie Thomas Goiginger einen Kreuzbandriss im linken Knie und arbeitet derzeit an der Säbener Straße verbissen an seinem Comeback. Der physisch starke Innenverteidiger hatte bereits in den vergangenen Monaten gehofft, dass sich ein Einsatz bei der Europameisterschaft 2020 ausgehen könnte, allerdings lagen Zweifel in der Luft, ob der Abwehrspieler bis Juni zu seiner alten Form finden wird. Durch die Verschiebung der Endrunde hat der 24-Jährige nun genug Zeit, sich in aller Ruhe auf sein Comeback vorzubereiten. 

Manchester-City-Legionär Leroy Sané wird über die Verschiebung der Europameisterschaft ebenfalls nicht allzu böse sein. Der 24-jährige Flügelspieler, der im Sommer auch beim FC Bayern München im Gespräch war, riss sich vergangenen Sommer im Rahmen des Community-Shield-Spiels gegen den FC Liverpool ebenfalls das Kreuzband und absolvierte seitdem keine einzige Partie für die Kampfmannschaft. Für das U23-Team der Citizens feierte er Ende Februar 57 Minuten lang ein Comeback, allerdings ist der Flügelflitzer noch weit entfernt von seiner Bestform. 

Türkei-Teamchef atmet auf

Der türkische Nationaltrainer Şenol Güneş wird sich über die Verschiebung der Europameisterschaft ebenfalls freuen, da zahlreiche Leistungsträger verletzungsbedingt ausgefallen wären. Insbesondere im Abwehrzentrum wurden die Personalprobleme immer größer. Von dem Trio Caglar Söyüncü (Leicester City), Merih Demiral (Juventus) und Ozan Kabak (FC Schalke 04) ist aktuell nur Erstgenannter ganz fit. Juventus-Innenverteidiger Merih Demiral zog sich im Jänner einen Kreuzbandriss zu und hätte die Endrunde im Sommer damit fix verpasst. Der 22-Jährige avancierte während der EM-Qualifikation zu einer verlässlichen Stütze und wird nun genügend Zeit haben, um bis zum Sommer 2021 wieder in Form zu kommen.

Dasselbe gilt auch für den erst 19-jährigen Ozan Kabak, der im November 2019 beim EM-Qualifikationsspiel gegen Andorra für die türkische Nationalmannschaft debütierte und aktuell ein wichtiger Ergänzungsspieler ist. Kabak stellte mit dem Einsatz gegen Andorra sogar einen Rekord auf, denn er ist der jüngste Innenverteidiger, der jemals in einem Länderspiel für die Türkei auflief. Der Abwehrspieler zog sich Anfang März eine Wirbelverletzung zu und sah die Europameisterschaft schon in weite Ferne rücken. Schalke-Trainer David Wagner beschrieb den 19-Jährigen als eines der größten Abwehrtalente Europas. Für den Innenverteidiger bezahlten die Knappen stolze 15 Millionen Euro Ablöse, was für einen Abwehrspieler in Gelsenkirchen ein neuer Transferrekord war. Die Verschiebung des Turniers ins Jahr 2021 gibt Kabak nun die Gelegenheit sich weiterzuentwickeln und eventuell sogar zum Stammspieler im türkischen Abwehrzentrum zu reifen. Zuzutrauen wäre es dem Jungspund allemal. 

Die türkische Nationalmannschaft ist aber nicht nur in der Innenverteidigung vom Verletzungspech geplagt, sondern musste auch in der Offensive die Ausfälle zweier Leistungsträger verkraften. LOSC-Lille-Legionär Yusuf Yazici steht seit Dezember am Abstellgleis, nachdem er sich einen Kreuzbandriss zuzog. Der 23-Jährige absolvierte bereist 19 Länderspiele für sein Heimatland und war sowohl für die Türkei, als auch für seinen Verein ein unumstrittener Stammspieler im offensiven Mittelfeld. Ein Ausfall des polyvalenten Mittelfeldspielers wäre ein großer Verlust für das türkische Nationalteam gewesen, da kein anderer Mittelfeldspieler der Türkei über so eine konstant gute Entscheidungsfindung verfügt wie der Ligue-1-Legionär. 

Neben Yazici hätte auch Everton-Angreifer Cenk Tosun passen müssen, da sich der Stürmer Anfang März im Training einen Kreuzbandriss zuzog. Die Verletzung geschah jedoch nicht bei den Toffees, sondern in einer Trainingseinheit bei Crystal Palace, wo Tosun als Leihspieler tätig war. Der Leihvertrag, der ohnehin nur bis zu diesem Sommer gelaufen wäre, wurde daraufhin aufgelöst, sodass der türkische Nationalspieler nun bei Everton auf sein Comeback hinarbeitet. Der 42-fache Teamspieler erzielte insgesamt 16 Treffer für die Türkei und stellte seine Goalgetter-Qualitäten insbesondere in der türkischen Liga mehrfach unter Beweis. In insgesamt 205 Partien für Besiktas und Gaziantepspor steuerte der Angreifer 80 Treffer und 31 Assists bei.

... und einige weitere Erleichterte ...

Es gibt noch einige weitere prominente Nationalspieler, die sich aus Verletzungsgründen über die Verlegung der Europameisterschaft freuen werden. Im zweiten Teil werden wir über Memphis Depay, Donyell Malen, Nicolo Zaniolo, Marcus Rashford und Ousmane Dembele berichten.