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Corona: Wie geht es mit der Formel 1 weiter?

(08.04.2020)

Absagen nach anfänglichem Chaos

(Stand: 17.04.2020)

MEHR INFOS

Die Formel-1-Saison 2020 wäre ja fast schon losgegangen: Mitte März wurde das erste Saisonrennen in Melbourne, Australien nach einem peinlichen Vertrags-Hick-Hack nur wenige Stunden vor dem ersten Training abgesagt. Wer soll für die Absage zahlen, nachdem mehrere Teammitglieder von McLaren positiv auf Corona getestet wurden? Diese Frage löste eine Farce im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Gier und gesundheitlicher Vernunft aus. Danach folgte eine Flut an GP-Absagen. Wie geht es nun weiter? Es gibt viele Szenarien und noch mehr Unsicherheiten.

Status quo: Saisonstart frühestens Anfang Juli

Erst kürzlich wurde das neunte Saisonrennen verschoben bzw. abgesagt: Der Große Preis von Kanada in Montreal kann nicht wie geplant am 14. Juni 2020 stattfinden. Neuer geplanter Saisonstart: 28.06.2020, Großer Preis von Frankreich. Auch dieses Rennen ist mehr als fragwürdig, gilt Frankreich schließlich als Corona-Hotspot.

Somit könnte das erste Saisonrennen in Österreich stattfinden: Der Red Bull Ring in Spielberg soll die Formel 1 planmäßig mit einem Rennen am 5. Juli 2020 empfangen. Auch die österreichischen Verordnungen sprechen dafür: Sollte sichd as Coronoaproblem nicht wieder verschärfen, wäre ein Geisterrennen in der Steiermark möglich. Voraussgesetzt ist jedoch, dass der Formel-1-Tross mit der vierstelligen Personenanzahl die strengen behördlichen Kriterien erfüllt. Das bedeutet: aktuelle Testung oder zweiwöchige Quarantäne.

Sollten ab dem Österreich-Grand-Prix alle Rennen stattfinden, könnten 12 reguläre Formel-1-Wochenenden über die Bühne gehen. Jedoch gilt der Belgien-GP am 30.08. als unwahrscheinlich, da in Belgien Sportveranstaltungen bis inklusive August derzeit untersagt sind. Der Italien-GP in Monza bei Mailand mutet auch eher unrealistisch an.

Rennen Datum Grand Prix Status  
- 15.03.2020 GP von Australien / Melbourne definitiv abgesagt  
- 22.03.2020 GP von Bahrain / Sakhir verschoben (Termin offen)  
- 05.04.2020 GP von Vietnam / Hanoi verschoben (Termin offen)  
- 19.04.2020 GP von China / Shanghai verschoben (Termin offen)  
- 03.05.2020 GP der Niederlande / Zandvoort verschoben (Termin offen)  
- 10.05.2020 GP von Spanien / Barcelona verschoben (Termin offen)  
- 24.05.2020 GP von Monaco / Monte Carlo definitiv abgesagt  
- 07.06.2020 GP von Aserbaidschan / Baku verschoben (Termin offen)  
- 14.06.2020 GP von Kanada / Montreal verschoben (Termin offen)  
1 28.06.2020 GP von Frankreich / Le Castellet geplant  
2 05.07.2020 GP von Österreich / Spielberg geplant  
3 19.07.2020 GP von Großbritannien / Silverstone geplant  
4 02.08.2020 GP von Ungarn / Budapest geplant  
5 30.08.2020 GP von Belgien / Spa-Francorchamps geplant  
6 06.09.2020 GP von Italien / Monza geplant  
7 20.09.2020 GP von Singapur / Singapur geplant  
8 27.09.2020 GP von Russland / Sotschi geplant  
9 11.10.2020 GP von Japan / Suzuka geplant  
10 25.10.2020 GP der USA / Austin geplant  
11 01.11.2020 GP von Mexiko / Mexico City geplant  
12 15.11.2020 GP von Brasilien / Sao Paolo geplant  
13 29.11.2020 GP von Abu Dhabi / Abu Dhabi geplant  

Verzweifelte Suche nach 15 Rennen

Damit eine Formel-1-Saison vollständig als Weltmeisterschaft gelten kann, benötigt es zumindest 8 Rennen auf mindestens 3 Kontinenten. Dafür würde sogar ein Saisonstart in Italien am 6. September 2020 noch genügen. Neben der sportlichen Fragwürdigkeit einer solchen Mini-WM, wäre so eine Saison für die Königsklasse wirtschaftlich schädlich. Laut Verträgen benötigt es nämlich zumindest 15 Rennen, damit die lizenzierten TV-Sender volle Gebühren an die Formel 1 abgeben müssen - wir reden hier über die offene Frage von dreistelligen Millionenbeträgen! 15 Rennen sind daher das Ziel der FIA, koste es, was es wolle. Doch welche Möglichkeiten liegen am Tisch?

Szenario 1: Winter-WM

Der allererste Ansatz der Formel 1 war es, die Saison einfach über den Winter hinweg zu verlängern. Der Saisonstart 2021 war dabei das zeitliche Denklimit. Doch wo sollten offene Rennen in diesen Monaten stattfinden? Grand Prix in Europa und dem Fernen Osten wären kaum planbar, der Winter könnte der Königsklasse immer einen Strich durch die Rechnung machen.

Klimatisch gesehen könnten nur die Rennen in Australien, Bahrain und Vietnam im Winter nachgeholt werden. Die Organisatoren in Melbourne haben aber kein Interesse, das Rennen überhaupt nachzuholen, der Aufbau des temporären Stadtkurses ist schon einmal im Jahr eine Herausforderung. Ähnliches gilt für die neue Stadtstrecke in Hanoi, wenngleich das Rennen hier offiziell noch als nachzuholen gilt. Nur die Betreiber in Bahrain könnten spontan ein Grand-Prix-Wochenende zusätzlich organisieren.

Zusätzlich könnte die Amerikatournee zwischen 25.10. und 15.11. in den Winter verschoben werden (sofern die Organisatoren da mitspielen). Sowohl Austin, als auch Mexico City und Sao Paolo befinden sich in Zeiten des österreichischen Winters in voll Sommerblüte. An den nun terminfreien Wochenenden könnten theoretisch Grand Prixs in den Niederlanden, Italien, Frankreich, Spanien oder auch in Aserbaidschan ausgetragen werden.

Szenario 2: Dichter WM-Kalender

Sollten die Austragungsländer die Coronakrise bis Juli 2020 halbwegs in den Griff bekommen, könnte das eine oder andere Rennen im Laufe der Saison nachgeholt werden, wenn gleich der Kalender im zweiten Halbjahr regulär schon dicht befüllt ist.

Ein Zusatzwochenende hat jedenfalls innerhalb der geplanten Sommerpause im August Platz. Als Favorit für diesen Spot gelten die Niederlande. Erstmals seit den 80er-Jahren wäre Zandvoort wieder Austragungsort der Königsklasse, besonders die Begeisterung um Max Verstappen macht dieses Rennen zum heißesten Nachholanwärter.

Mit Biegen und Brechen wäre auch ein zweiter Zusatz-Grand-Prix im August noch möglich. Ein kollektives Raunzen über die dadurch entstehende Arbeitsbelastung würde wohl folgen. Hier könnte der Spanien-GP oder das Rennen in Aserbaidschan zum Zug kommen. Mögliche Absagen in Belgien und Italien könnten aber auch für Nachhol-Grand-Prix verwendet werden.

Noch schlimmer könnte es für die Formel-1-Bediensteten jedoch im Herbst kommen, sollte die FIA auf die Idee kommen, den Kanada-GP im Rahmen des zweiten Nordamerika-Abstechers nachzuholen. Hier würde sich der 18. Oktober 2020 anbieten. Die Folgen wären jedoch vier Rennen innerhalb von vier Wochenenden sowie Back-to-Back-Rennen in Japan und Kanada innerhalb von sieben Tagen.

Als wahrscheinlich gilt, dass der Bahrain-Grand-Prix am 6. Dezember 2020 stattfindet. In der Woche zuvor gastiert die Formel 1 im benachbarten Abu Dhabi zum ursprünglichen WM-Finale. Da Abu Dhabi teure Rechte am WM-Finale hält, könnte es aber auch sein, dass die beiden Grand Prix den Termin tauschen.

Diese Überlegungen haben natürlich zur Voraussetzung, dass das Coronavirus im zweiten Halbjahr international eingedämmt werden kann und eine grundlegende Reisefreiheit besteht. Zudem ist die Flexibilität der Austragungsorte gefordert, auch für den zusätzlich möglichen Fall, dass Rennen, die im zweiten Halbjahr hypothetisch noch ausfallen, durch ursprünglich früher geplante Grand Prix ersetzt werden könnten.

Szenario 3: Doppelrennen

Als Ass im Ärmel der Königsklasse gelten Doppelrennen, also zwei Grand Prix auf einer Rennstrecke. Diese könnten entweder an einem Rennwochenende stattfinden oder an zwei aufeinanderfolgenden. Erstes Szenario würde die Planbarkeit am Rennwochenende erschweren, Rahmenrennen könnten darunter leiden. Zweiteres würde eine ganzheitliche Umplanung der Organisation, vom Veranstalter beginnend, über die Teams, bis hin zu den Medien, erfordern.

Als Favorit unter den Spekulationen gilt ein zweites Rennen am Red Bull Ring über zwei Wochenenden oder gar mit einem Zusatz-GP unter der Woche hinweg. Auch der darauffolgende Grand Prix in Silverstone hat sich kommunikativ bereits in Stellung gebracht. Diese verhältnismäßig leicht durchführbare Ausweitung des Rennkalenders könnte auch im Fall weiterer Absagen eine rechtlich und wirtschaftlich vollständige Weltmeisterschaft gewährleisten und ist auch im Laufe des weiteren Jahres noch spontan umsetzbar.

Nicht-Szenario 4: WM-Absage

Die großen Sportveranstaltungen des Jahres sind bereits abgesagt. Die Formel 1 denkt aber - zumindest offiziell - noch nicht daran. Zu lang sei der Zeithorizont bis zu Saisonende noch. Sogar die MotoGP, die Königklasse der motorisierten Zweiräder, nimmt das Wort Absage als Möglichkeit schon in den Mund. Auch der ehemalige F1-Chef Bernie Ecclestone fordert eine solche für die Formel 1. Diese Möglichkeit würde aber wohl erst im allerletzten Moment getroffen werden, wenn auch im Herbst noch keine Rennen in Sicht sind.